Berufliche & Erwachsenenbildung

Berufliche Bildung ist ein wesentlicher Baustein für mehr Chancengerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Allerdings bekommen 15 Prozent der Jugendlichen keinen Ausbildungsplatz, bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund macht nur noch ein Viertel eine Berufsausbildung.
Wir wollen allen Jugendlichen eine klare Perspektive auf eine Berufsausbildung bieten. Die duale Berufsausbildung sehen wir weiterhin als tragende Säule für die Ausbildung von Fachkräften. Hier geht es um individuelle Chancen, genauso wie um wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten unseres Landes.

Mehr Berufsorientierung in der Schule

Wir brauchen eine Intensivierung und verpflichtende Verankerung des Themas Berufsorientierung an den weiterführenden allgemeinbildenden Schulen. Ziel ist es, Jugendliche in ihren Interessen und Stärken zu unterstützen, um Ihnen eine breit gefächerte Berufswahl zu ermöglichen. Dazu gehört auch das Heranführen der weiblichen Jugendlichen an technische Berufe und das der männlichen Jugendlichen an Berufe im sozialen Bereich
Außerdem wollen wir die Einführung eines verbindlichen Berufswahlpasses - gemeint ist damit eine verbindliche, systematische Dokumentation der Berufsorientierung.

Vorrang für das duale Ausbildungssystem

Im dualen Ausbildungssystem findet die Ausbildung im Betrieb und mit ergänzender Berufsschule statt. Dieses System hat sich bewährt und soll weiterhin wichtigster Bestandteil der Berufsausbildung bleiben. Seine Stärken liegen in der praxisnahen Ausbildung und in der guten Integration der Jugendlichen in den Arbeitsmarkt.
Allerdings ist das Durchschnittsalter bei Beginn mit 19,5 Jahren zu hoch und viel zu viele junge Menschen brechen die Ausbildung ab. Deshalb setzen wir uns für zielführende Ausbildungsberatungsgespräche im Zuge der Berufsorientierung, faire Vergütung, humane Arbeitszeiten sowie genügend Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderungen ein.

Kein Abschluss ohne Anschluss – Reformierung des Übergangssystems

Jedes Jahr beginnen mehr als ein Drittel aller Jugendlichen ihre berufliche Laufbahn nach einer abgeschlossenen Schulausbildung im sogenannten Übergangssystem, da sie entweder noch nicht fit für eine Berufsausbildung sind, beziehungsweise nicht genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. In Schleswig-Holstein ist der prozentuale Anteil mit 37,5% aller Anfänger im Ausbildungsgeschehen sehr hoch und es fließen jährlich zweistellige Millionenbeträge von EU, Bund und Land in diesen Bereich.

Allerdings handelt es sich hierbei nur um temporäre Übergangsmaßnahmen, die in keinem Gesamtkonzept stehen und die Erfolgsaussichten sind in vielen Fällen nicht optimal. Nach drei Jahren Wartezeit hat ein Viertel der Teilnehmer noch immer keine Aussicht auf Anschluss. Zusätzlich ist das Warten im Übergangssystem für Jugendliche und junge Erwachsene unbefriedigend und angesichts der demographischen Entwicklung auch volkswirtschaftlich unökonomisch.

Die unterschiedlichen Maßnahmen müssen in ein transparentes, aufeinander abgestimmtes, anerkannt qualifizierendes System der beruflichen Bildung umgewandelt werden, die bei einer späteren schulischen oder dualen Ausbildung anerkannt werden. Dies gilt ebenso für das erste Jahr der Berufsfachschule (Typ I), das in ein Berufsqualifizierungsjahr umgewandelt werden soll.

Produktionsschulen nach dänischem Vorbild

Wir wollen den Ausbau der Produktionsschulen nach dänischem Vorbild für noch nicht ausbildungsreife Jugendliche – mit Übergangsmöglichkeiten in das duale System. An Produktionsschulen werden gemeinsam mit den Jugendlichen Produkte und Dienstleistungen entwickelt und vermarktet.  Sie können an berufliche Schulen, insbesondere regionale Berufsbildungszentren, angeschlossen werden.

Lebenslanges Lernen

Wir wissen welche Bedeutung Weiterbildung und lebenslanges Lernen haben. 79 Prozent der Schleswig-HolsteinerInnen bilden sich weiter, davon die meisten (55 Prozent) durch eigenständiges Lernen. Leider werden noch immer die Unternehmen zu wenig in gesetzliche Regelungen einbezogen  - 2009 nahmen in Schleswig-Holstein nur 0,69% der Anspruchsberechtigten die Möglichkeit der Bildungsfreistellung war. Auch die Landeszuschüsse sind wesentlich niedriger als in anderen Bundesländern, die Honorare der Dozenten sind beschämend niedrig.

Dies wollen wir ändern. Wir müssen erreichen, dass mehr Ältere, mehr Personen mit niedriger Qualifikation, mehr Arbeiter und Arbeiterinnen, mehr Frauen, mehr Nichterwerbstätige und mehr Personen aus ländlichen Gebieten an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen.