Gegen Altersarmut gibt es kein einfaches Konzept und keinen schnellen Weg

 

„Altersarmut – wenn die Rente nicht reicht“ zu diesem brandaktuellen Thema hatte Marret Bohn für die Grüne Landtagsfraktion in den Kieler Landtag eingeladen. Viele Interessierte waren gekommen, um sich zu informieren und Lösungsansätze zu diskutieren.

Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer der Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zeichnete mit den neuesten Zahlen von „Eurostat“ und dem Statistikamt Nord ein dramatisches Bild: Jede/r fünfte Deutsche über 55 ist von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Die Armutsquote von SeniorInnen ist in den letzten 10 Jahren um 46 Prozent auf 15,9 gestiegen. Bei rund 3 Prozent der RentnerInnen reicht die Rente zum Leben nicht aus, sie benötigen ergänzend Grundsicherung im Alter. Die Vorschläge der „Paritäten“, um Altersarmut zukünftig zu vermeiden, sind: Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung, Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent, eine bedarfsdeckende Grundsicherung von 590 Euro, Freibeträge auf das Renteneinkommen und die Abschaffung der privaten und betrieblichen Vorsorge zu Gunsten der Gesetzlichen Rentenversicherung.

Markus Kurth, rentenpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag zog eine ähnliche Bilanz und stellte das Grüne Rentenkonzept vor: Einführung einer Garantierente von 900 Euro für alle, die 30 Jahre lang Beiträge entrichtet haben, ohne Anrechnung privater und betrieblicher Altersvorsorge, die Stabilisierung des Rentenniveaus auf aktuellem Stand (48 Prozent) und eine verbesserte Berücksichtigung von Kindererziehung und Pflegezeiten. Kurth machte deutlich, dass die Riesterrente ein Flopp ist und 90 Prozent der abgeschlossenen Verträge ruhen, weil die Bedingungen nicht erfüllt werden können. Weil private Vorsorge aber ein zunehmend wichtiger Baustein in der Altersvorsorge sei, setzen Grüne auf einen staatlichen Basisfonds, der einfach, sicher und transparent vor allem GeringverdinerInnen zusätzlich absichern kann.

Karl-Martin Hentschel stellt ein alternatives Rentenkonzept einer Basisrente vor.

Karl-Martin Hentschel stellt ein alternatives Rentenkonzept einer Basisrente vor

Karl-Martin Hentschel, Mathematiker, Autor und Mitglied in der Grünen Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Soziales präsentierte ein weiteres Rentenmodell. Orientiert an der Alterssicherung in der Schweiz, in Dänemark und den Niederlanden sprach er sich für eine Basisabsicherung aus. In Deutschland sei die Alterssicherung zwischen den Einkommen extrem ungleich und damit ungerecht verteilt. Deshalb ist ein Korrektiv erforderlich. Eine Basisrente, etwas höher als die Grundsicherung, für alle die 40 Jahre in Deutschland leben und wohnen soll das Rentensystem ergänzen. Die aus eigener Arbeit erworbenen Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung kommen ungekürzt oben drauf. Die Basisrente könne aus Steuermitteln oder durch eine neue „Lohnsummensteuer“ für Arbeitgeber finanziert werden.

Die unterschiedlichen Ansätze gaben viel Stoff für Fragen und Anregungen. Marret Bohn moderierte durch die Abschlussdiskussion, in der die unterschiedlichen Positionen vertieft wurden. Gegen Altersarmut gibt es kein einfaches Konzept und keinen schnellen Weg, das wurde deutlich. Es braucht einen langen Atem und ein ganzes Maßnahmenbündel, um Altersarmut in Zukunft entgegen zu wirken, fasst Marret Bohn zusammen. Vor allem dürften Lösungen für die schon heute betroffenen Menschen nicht vergessen werden.

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