Sommertour 2016: Wasser, Wind, Westküste

Weiter Sandstrand, frischer Wind und fröhliches Kinderlachen – so präsentiert sich St. Peter-Ording bei bestem Sommerwetter. Die DLRG sorgt mit ihrem freiwilligen Engagement dafür, dass das Badevergnügen sicher ist. Als sogenannter First Responder übernimmt der Verein sowohl Aufgaben in der Wasserrettung, als auch Erst-Hilfe in Notfällen, bei denen ein Rettungsdienst nicht sofort vor Ort sein kann. Der Einsatz über das gesamte Jahr stellt die ehrenamtlichen RetterInnen vor immer neue Herausforderungen. „Man weiß nie, was auf einen zukommt“, sagt Johann Stauch, der Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins. Um die Arbeit im Kreis aufrechterhalten zu können, wird auf eine gute Jugendarbeit gebaut. Man müsse „von unten anfangen, damit oben was ankommt“, sagt Jens-Fr. Christiansen, der Kreisbeauftragte für Nordfriesland. Ein besonderes Problem ist die Finanzierung. Für Equipment und Ausbildung müssen teilweise die Mitglieder aufkommen. Eka von Kalben sieht das kritisch: „Menschen im Ehrenamt sollten kein Geld mitbringen müssen, um gut ausgerüstet zu sein. Sie retten Leben.“ Auch sprach sie sich für eine Gleichbehandlung der DLRG mit anderen Diensten der Katastrophenhilfe aus, da „auch diese einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit der Bevölkerung“ leiste.

Um Flutkatastrophen zu verhindern, wurde 1967 zwischen den Kreisen Nordfriesland und Dithmarschen, das Eidersperrwerk gebaut. Eka von Kalben zeigte sich beeindruckt von der Konstruktion. „Seit 50 Jahren ist es ohne Unterbrechung in Betrieb. Das zeigt, mit welcher Hingabe dieses Bauwerk unterhalten wird.“ Das Eidersperrwerk schützt das Binnenland vor Sturmfluten und hilft bei der Entwässerung. Die nächsten 30 Jahre wird das Sperrwerk noch in Betrieb sein. Danach nähert sich das Ende seiner Lebensspanne. Ein Neubau wie 1967 wird in der Geschwindigkeit vermutlich nicht möglich sein. Durch geänderte gesetzliche Regelungen müssen längere Bauzeiten eingeplant werden. Auch der steigende Meeresspiegel wird weitere Schutzmaßnahmen gegen Sturmflut und zur Entwässerung nötig machen. „Wir müssen mehr Überflutungsmöglichkeiten auch im Innenland schaffen“, meint von Kalben. Der zukünftige Schutz Dithmarschens vor Hochwasser sei nicht nur eine Frage der Deiche, sondern auch der Entwässerung des Binnenlandes. Auch die Landwirtschaft stehe in der Verantwortung. „Küstenschutz im Land zwischen den Meeren muss eine Gemeinschaftsaufgabe aller sein.“

Das Eidersperrwerk wird erklärt

An einem Modell wird die Funktion des Eidersperrwerks erklärt.

Wegen seiner Lage mitten im Nationalpark Wattenmeer ist die kleine Gemeinde St. Peter-Ording ein beliebtes Ausflugsziel für NaturliebhaberInnen, SportlerInnen und Badegäste. Der Tourismus ist die Lebensader der kleinen Gemeinde. Vor Ort muss sich der Herausforderung gestellt werden, die daraus resultierenden unterschiedlichen Ansprüche an die Nutzung miteinander zu vereinbaren. Eka von Kalben zeigte sich überrascht, wie gut das Nebeneinander von Naturschutz und Freizeitnutzung funktioniert. Mit der Strategie für das Wattenmeer 2100 habe sich das Land dazu entschlossen, schon jetzt dafür zu sorgen, dass das Wattenmeer auch in Zukunft als Naturraum erhalten bleibt. Für Constanze Höfinghoff, stellvertretende Tourismus-Direktorin für St. Peter-Ording, sind feste Regeln entscheidend. „Man muss sich auf Kompromisse einlassen.“ Wer gemeinsam den Strand und das Meer nutzt, sollte auch Rücksicht aufeinander nehmen. Der Nationalpark ist die „Naturschule der Nation“, sagt Detlef Hansen, Leiter der Nationalpark Verwaltung. Daran sollte immer gedacht werden. Dennoch: „in Maßen geht alles“. Dann gebe es auch keine Probleme mit dem Naturschutz. Es gehe nicht nur um Verbote, sondern auch um Angebote. So ist es nicht pauschal verboten die Dünen zu betreten, sondern es wird nach Strandabschnitt entschieden.

Dass der Ausgleich der verschiedenen Nutzungsinteressen nicht immer reibungslos funktioniert, zeigt der andauernde Konflikt mit den KitesurferInnen an Schleswig-Holsteins Westküste. Die Pläne von Umweltminister Robert Habeck, Kiten im Nationalpark aus Naturschutzgründen nur an bestimmten Orten zu erlauben, stoßen bei diesen auf scharfe Kritik. Dr. Detlef Hansen bleibt gelassen. Es gebe eine geeinte Gebietskulisse mit den betroffenen Gemeinden. Die Probleme bestehen eher außerhalb Schleswig-Holsteins. Auch die DLRG St. Peter-Ording hat Erfahrung mit dem Problem unterschiedlicher Nutzungsansprüche. Häufig würden KitesurferInnen auch den reinen Badebereich zum Surfen nutzen. Für die SchwimmerInnen ist dies nicht ungefährlich. Mit Pfählen wurde daher eine Linie zwischen Kite- und Schwimmzone gezogen, um SchwimmerInnen vor allzu wagemutigen WassersportlerInnen zu schützen.

Constanze Höfinghoff, Eka von Kalben, Detlef Hansen

Eka von Kalben lässt sich über die Vereinbarkeit von Naturschutz und Tourismus im Nationalpark aufklären.

Trotz des bestehenden Konflikts mit den KitesurferInnen funktioniert das Nebeneinander von Naturschutz und Tourismus in St. Peter-Ording gut. „Wo Natur und Tourismus zusammenkommen, müssen wir darauf achten, dass wir die Naturschutz- und Nutzungsinteressen berücksichtigen, ohne sie gegeneinander auszuspielen“, sagt Eka von Kalben. Wenn Natur erlebt wird, werde man sie auch schützen wollen. „Wer mal einen Seestern gestreichelt hat, überlegt sich zweimal, ob es so gut ist, wenn das Wasser verdreckt“, meint von Kalben. Der Nationalpark spiele wirtschaftlich eine bedeutende Rolle in der Region, auch deswegen dürfe der Naturschutz nicht vernachlässigt werden. „Wenn Natur und Nutzung Hand in Hand gehen sollen, führt kein Weg an einem nachhaltigen Tourismus vorbei.“

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