Haltung zeigen via Kennzeichnung

von Salim Dinzad

Seit geraumer Zeit fordern Verbraucher*innenverbände mehr Klarheit und Wahlfreiheit beim Kauf tierischer Produkte. Verbraucher*innen möchten wissen, wie Tiere gehalten wurden, um sich gezielt für Fleisch oder Milch aus tiergerechter Haltung entscheiden zu können. Nachdem Handel und Verbände mit der Tierwohlinitiative gestartet sind, hat auch die Bundesregierung sich die Tierwohlkennzeichnung auf die Fahnen geschrieben. Sie plant ein Tierwohllabel – auf freiwilliger Basis. Welche Wirkung hätte ein solches Label? Würde sich überhaupt etwas ändern? Oder brauchen wir eine verpflichtende Kennzeichnung?

Während der Podiumsdiskussion „Haltung zeigen“ am vergangenen Montag (27. August 2018) haben Katrin Wenz (BUND), Gudrun Köster (Verbraucherzentrale SH), Stefanie Pöpken (PRO-VIEH), Dietrich Pritschau (Bauernverband) und der agrarpolitische Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, Bernd Voß unter Moderation von Lasse Petersdotter Stellung bezogen. Ein Publikum aus rund 40 Interessierten ergänzte die lebhafte Diskussionsrunde mit regen Fragen, persönlichen Einschätzungen, Erfahrungen oder Befürchtungen.

Wozu brauchen wir ein neues Label, das doch nur noch mehr Verwirrung schaffen würde, im stetig dichter werdenden Labeldschungel, wurde gleich zu Anfang die Grundsatzfrage gestellt. Gudrun Köster stellte klar, das Ziel seien nicht mehr Label, sondern weniger, diese aber müssen klar und verlässlich sein.

Trotz unterschiedlicher Auffassungen bezüglich der Umsetzung, waren sich die Anwesenden einig, dass es an den aktuellen Haltungsbedingungen viel zu verbessern gibt. Die große Mehrheit der Verbraucher*innen ist laut Umfragen auch bereit, für Fleisch tiergerechter guter Haltung tiefer in die Tasche zu greifen. Immer wieder fällt der Vergleich zum verpflichtenden System der Eierkennzeichnung, mit der bereits gute Erfahrungen gemacht wurden.

Ein ähnliches, verbindliches System für Fleischprodukte würde Kund*innen einen Weg durch den unübersichtlichen Labeldschungel weisen, der durch Kennzeichnung auf Initiative der erzeugenden Unternehmen geschaffen wurde. Eine Kennzeichnungspflicht würde diesen die Kompetenz nehmen, allein darüber entscheiden zu dürfen, was Tierwohl ausmacht.

Kritik erntete das staatliche Tierwohllabel vom BUND nicht nur für dessen Unverbindlichkeit, sondern auch dafür, nicht weitreichend genug zu sein. Es würde, wenn überhaupt, Haltungsbedingungen verbessern, nicht aber beispielsweise Verstümmelungen der Tiere untersagen.

Klar gegen ein verpflichtendes Siegel positionierte sich der Bauernverband. Die Befürchtung ist, mittelständische Landwirte könnten neue Verordnungen aus finanziellen Gründen nicht umsetzen und von den Big Playern vom Markt gedrängt werden. Zusätzlich würde eine Erhöhung hiesiger Produktionsstandards, aufgrund steigender Kosten zu einer Produktionsverlagerung ins Ausland führen. Dort würde billiger und unter weiter schlechteren Bedingungen produziert werden.

Die anschließende Diskussion behandelte Fragen zur Konkurrenzfähigkeit tierfreundlicher Betriebe, Verlusten und Gewinnen, die Betriebe machen würden und die Bereitschaft von Kunden, mehr Geld für gute Produkte in die Hand zu nehmen.

Die Diskussionsrunde endete nach zwei Stunden zwar ohne eindeutiges Ergebnis, dafür aber mit vielen neue Einblicken und Perspektiven auf dieses komplexe Thema. Wir dürfen gespannt sein, ob wir eine Haltungskennzeichnung  erhalten, wenn ja, in welcher Form und ob ein solches verpflichtend sein würde.

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