FSJ_digital: Spannende Ergänzung zum FSJ

Im Rahmen von meinem Freiwilligen Sozialen Jahr Politik bei der Grünen Landtagsfraktion werde ich wie alle Freiwilligen ein eigenes Projekt durchführen. Ich habe mir vorgenommen, eine Website zu erstellen, die sich inhaltlich mit der Plastikverschmutzung von Nord-und Ostsee befasst. Mein Projekt mache ich gemeinsam mit Tarik, der sein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Heinrich-Böll-Stiftung in Kiel macht.

Seit zwei Jahren gibt es ein neues bundesweites Projekt, bei dem man Unterstützung für FSJ-Projekte mit medialem Bezug beantragen kann. Wir  haben uns letzten November auf die Förderung beworben und wurden angenommen. Das FSJ_digital ist ein Add-on für alle Freiwilligen, die ein soziales, politisches, kulturelles oder ökologisches Jahr in Deutschland leisten. Projekte mit medialem Bezug können mit bis zu 1000 Euro gefördert werden. Außerdem können die Freiwilligen, deren Projekte gefördert werden, zusätzlich zu den regulären 25 Bildungstagen an einem weiteren - tägigen Seminar teilnehmen und in Workshops zu digitalen Themen neue Techniken lernen und anwenden. 2018 gab es zwei FSJ_digital Seminare, ich war bei dem zweiten angemeldet. Tarik konnte leider nicht kommen.

Aus dem Workshop-Angebot konnten wir jeweils zwei Workshops wählen, ich habe mich für „FabLab“ und „Datenschule und Coding“ angemeldet. Außerdem gab es Workshops zu Social-Media-Management, Film, Medienpädagogik-und Didaktik, Medienrecht, Projektmanagement, Aktiver Medienarbeit und Creative Gaming.

Das zweite FSJ_digital Seminar fand 2018 vom 04. bis zum 09. Februar in Kassel statt. Am Sonntag, dem 04. Februar, bin ich in den Zug von Kiel nach Kassel gestiegen und nach dreistündiger Zug- und einer kurzen Tramfahrt in der Jugendherberge angekommen, in der wir untergebracht waren. Gleich am ersten Abend konnten wir die 40 anderen Freiwilligen beim Pub Quiz kennenlernen.

Am nächsten Morgen starteten wir direkt in den ersten Workshop mit Lisa und Malte von Kunst&Kabel (jfc Medienzentrum). Im FabLab Workshop haben wir am ersten Tag verschiedene Techniken wie zum Beispiel das Programmieren von Dash-Robotern, die Arbeit mit einem Computerprogramm zur Erstellung von Mustern, die wir dann auf Textilien drucken konnten oder 123Design, einem Programm zum 3D-Druck erklärt bekommen und hatten am zweiten Tag dann Zeit, diese selbstständig in eigene Ideen umzusetzen.

So konnten wir am Computer eigene Muster für den 3D-Drucker entwerfen und direkt drucken, mit einem Computerprogramm Muster designen, diese mit einem Plotter auf Vinyl-Folie cutten und dann auf Jute-Beutel übertragen. Außerdem konnten wir kleine Schaltungen löten und einfache Computerspiele programmieren.

Als Einstieg am zweiten Workshop-Tag konnten wir unsere Dash-Roboter, ausgestattet jeweils mit zwei Luftballons und einer Nadel, gegeneinander „kämpfen“ lassen. Durch die verzögerte Reaktionszeit (die Gruppen waren abwechselnd der Reihe nach am Zug) konnten wir unsere Angriffe genau planen und den Robotern Anweisungen erteilen. Den restlichen Tag konnten wir im FabLab frei gestalten.

Montag und Dienstag abends stellten wir unsere Projekte in kurzen drei Minuten Vorträgen den anderen Freiwilligen vor. Das Format dieser „Pecha Kucha“-Vorträge sieht vor, dass man sich 10 Bilder aussucht, die jeweils 20 Sekunden lang eingeblendet werden. Anders als bei PowerPoint-Vorträgen kann man das Tempo seiner Folien nicht selbst bestimmen oder sich an vorgeschriebenem Text entlang hangeln. Wir hatten dann die Möglichkeit, den anderen Feedback-Zettel zu schreiben, die sie dann am Ende ihrer Vorträge einsammelten.

Dadurch, dass ich mein Projekt in so kurzer Zeit beschreiben und die anderen von meiner Idee überzeugen musste, habe ich selbst eine neue Perspektive auf mein Thema gewonnen und konnte von dem Feedback und den Ideen der anderen lernen.

Am Mittwoch begann für mich der „Datenschule und Coding“-Workshop mit Moritz von der Open Knowledge Foundation. Dort beschäftigten wir uns mit einem Datensatz zu Nebentätigkeiten von Bundestagsabgeordneten und Parteispenden. Diese Daten werteten wir in Excel mit Pivot-Tabellen nach verschiedenen Kriterien aus.

Der zweite Tag des Workshops bestand aus dem Einstieg in die Programmiersprache Python. Am Ende des Tages konnten wir ein von uns programmiertes an Marc-Uwe Kling angelehntes Quiz vorweisen, indem der Spieler sich entscheiden musste, ob der angegebene Autor der echte Verfasser des angezeigten Zitats war oder nicht.

Donnerstags hatte der Projektmanagement-Workshop als Abschlussveranstaltung eine Vernissage geplant, auf der die verschiedenen Workshops ihre Arbeitsergebnisse vorstellen konnten. Neben Fotografien, die auf durch den Raum gespannten Wäscheleinen ausgestellt waren, gab es im Hauptausstellungsraum ein an die Wand projiziertes Musikvideo zu sehen, kurze Poetry Slam-Texte wurden vorgetragen und eine Fernseher-Post-it Installation sorgte für interessante Beleuchtung. Auch unser Quiz war Teil der Vernissage.

In einem anderen Zimmer lief ein Kurzfilm, den der Creative-Gaming Workshop mit dem Computerspiel Minecraft aufgenommen hatte. Dafür waren dann auch Sekt und Orangensaft sowie Snacks und Kakao für die Filmvorführung eingeplant.

Direkt im Anschluss an die Ausstellung hielt ein Referent vom Landeskriminalamt einen Vortrag zum Thema Cybersecurity. Er erklärte, wie das Darknet funktioniert und gab Tipps zum sicheren surfen.

Freitag standen dann noch Vorträge von FSJ_digital-Alumni, eine Gruppenaktion zur Veranschaulichung des FSJ_digital-Netzwerkes (mit Wolle als Netz und Drohnenflug zur Verewigung) sowie schriftliches Feedback und eine kurze verbale Feedbackrunde auf dem Programm. Dann war es auch schon an der Zeit, sich zu verabschieden und auf den Heimweg zu machen.

Mir hat das Seminar viel Spaß gemacht, ich habe tolle Leute kennengelernt und sowohl für die Umsetzung meines Projektes als auch für mich persönlich viel mitgenommen. Leider ist noch unklar, in welcher Form es ein FSJ_digital im nächsten Jahr geben wird. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD vereinbart, angelehnt an das FSJ_digital, eine Variante innerhalb des Bundesfreiwilligendienstes einzuführen. Details stehen aber noch nicht fest.

Durch das FSJ_digital erhält man finanzielle Unterstützung, aber auch fachliche Hilfe bei der Umsetzung seines Projektes. Man bekommt die Möglichkeit, mit Freiwilligen aus ganz Deutschland zusammenzuarbeiten, sich auszutauschen und gemeinsam neues zu lernen. Das FSJ_digital ist eine Chance, Projekte umzusetzen, für die noch die Finanzierung oder das Know-How fehlen. Gerade deswegen können auch Einsatzstellen sehr vom FSJ_digital profitieren.

Ich bin mit einer genaueren Vorstellung von meinem Projekt, besserer Kenntnis der technischen Möglichkeiten und viel Motivation aus Kassel zurückgekommen. Deswegen würde ich das FSJ_digital auf jeden Fall an alle weiterempfehlen, die ein FSJ machen und Lust haben, ihr Projekt mit extra Rückenwind zu starten.

-Mira Bühler

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