Cannabis: Legal – illegal - schon gar nicht scheißegal

Autor*in: 

Till Weber

Schon lange versuchen einzelne Akteure, Länder und Regionen neue Denkweisen und Regeln in der Drogenpolitik anzustoßen. Bislang scheiterten alle Initiativen und Vorhaben dieser Art am Bundesamt für Arzneimittel, welches unter anderem auch die zahlreichen vorgeschlagenen Cannabismodellprojekte der letzten Jahre gestoppt hat. Nicht zuletzt auch das in Schleswig-Holstein.

Das in der Drogenpolitik neue Wege eingeschlagen werden müssen, ist längst kein Geheimnis mehr. Der Gerichtssaal ist nicht der richtige Ort und das Strafgesetz nicht das richtige Mittel, um normale Bürger*innen vom Konsum abzuhalten. Mit genau diesem Spannungsfeld hat sich unser FJSler Till Weber im Rahmen seines Jahresprojektes beschäftigt. Das Highlight des Projektes war eine Podiumsdiskussion am 21. August zur Legalisierung von Cannabis, auf der es heiß herging. Mit Vertretern von Polizei bis Hanfverband, saßen Sprecher fast aller Akteur*innen, die potentiell Teil einer neuen Ausrichtung in der Politik sein könnten, an einem Tisch.    

Von seiner Arbeit am Psychiatrischen Krankenhaus in Rickling berichtete Dr. Jean Hermanns. Für ihn ist die Gefahr durch Cannabis in eine Abhängigkeit zu geraten bei erwachsenen Konsument*innen zwar nicht größer als die von Alkohol, jedoch hält er Cannabis für unberechenbarer. Wie wahrscheinlich es ist, durch Cannabiskonsum eine Psychose zu erfahren, konnte bis jetzt nicht genau definiert werden, auch wie stark oder schwach sie ausfallen kann, ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Rückendeckung bekam er in diesem Punkt auch von Kai Sachs, Sprecher der Landesstelle für Suchtfragen. Dieser sieht strukturelle Mängel bereits bei den Hilfeleistungen für alkoholabhängige Menschen und steht deshalb der Legalisierung einer weiteren Droge kritisch gegenüber. Auch Henrik Reershemius vom Bund Deutscher Kriminalbeamter, dessen Bundesverband bereits befürwortet hatte, Schritte in Richtung Entkriminalisierung einzuleiten, steht einer kompletten Legalisierung ablehnend gegenüber. Ganz anders sah das Marc Schlosser, Ortsgruppensprecher des Hanfverbands in Hamburg. Er stellt fest: „Konsumiert wird so oder so“. Es gibt Millionen Menschen, die sich ohne das Gefühl, etwas verbrochen zu haben, über die aktuelle  Gesetzeslage hinwegsetzen. Dass Verbote bei der Beschränkung von Drogenkonsum ineffektiv zu sein scheinen, bestätigte auch unser Abgeordneter Burkhard Peters. Er erklärte, das bereits 123 Strafrechtsprofessor*innen eine Resolution unterschrieben haben, in der es heißt: „Nicht die Wirkung der Drogen ist das Problem, sondern die repressive Drogenpolitik schafft Probleme. Die überwiegende Zahl der Drogenkonsumenten lebt ein normales Leben. Selbst abhängige Konsumenten bleiben oftmals sozial integriert. Menschen mit problematischem Drogenkonsum brauchen Hilfe. Die Strafverfolgung hat für sie und alle anderen nur negative Folgen.“

Am Ende der Debatte stand dann kein Kompromiss, sondern klar positionierte Lager. Deutlich wurde trotzdem, dass die aktuelle Situation rund um das Thema Cannabis für keines der Lager zufriedenstellend ist.

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