FSJ 2020 - Ein Jahr voller spannender Momente

Autor*in: 

Luca Schenk

Am 01.09. endet mein FSJ in der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen - Schade! Ich blicke zurück auf ein Jahr voller spannender Momente, in denen ich viel Neues gelernt, Erfahrungen gemacht und Augenblicke gelebt habe, die ich sicher nie vergessen werde.

Als ich vor einem Jahr hier im Schleswig-Holsteinischen Landtag ankam, war jeder Tag ein kleines Abenteuer: Der Arbeitsweg am Wasser, die Schleusentür am Eingang, der Paternoster-Aufzug, mitten im politischen Alltag des Parlaments zu stehen, von der Zuschauer*innentribüne der Debatte zu lauschen und hinterher beim Schnack in der Küche über kontroverse Themen zu diskutieren. Heute ist all das zu einem Alltag geworden, den ich nur sehr ungern hinter mir lasse.

Aber was macht man eigentlich als FSJler*in in der Grünen Landtagsfraktion? Die Antwort ist einfach: Alles. Für die Möglichkeit, einen Blick in die verschiedensten Arbeitsbereiche der Fraktion zu werfen, bin ich sehr dankbar. Ich habe unter anderem organisatorische Tätigkeiten übernommen (Sitzungen vorbereiten, Veranstaltungen organisieren und durchführen, Anfragen vermitteln), die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unterstützt (Presselage auswerten, Internetpräsenzen pflegen, Social-Media-Formate entwickeln) und in vielfältigen Fachbereichen inhaltlich vor- und zugearbeitet (Recherchieren, Anträge entwerfen). Konkret kann das also zum Beispiel heißen, bei einer Tasse Kaffee den Tag mit der Presseauswertung zu beginnen, bei der Social-Media-Besprechung die Themen der Woche aufzuarbeiten und Aufgaben zu übernehmen, bei einem Ausschuss oder einer Pressekonferenz zuhören, dann nach der Mittagspause die Ergebnisse einer Anhörung auswerten und zusammenfassen und mit den Fachabgeordneten und Mitarbeiter*innen besprechen; Außerdem über den Tag verteilt Post sortieren und Anrufe entgegennehmen und vermitteln. Durch die verschiedenen Aufgabenbereiche entsteht eine große Abwechslung – kein Tag ist wie der andere und langweilig wird es auch nicht.

Zum FSJ gehört auch immer ein eigenes Projekt – ich habe gemeinsam mit unserer Fraktionsvorsitzenden und ehrenamtspolitischen Sprecherin einen Diskussionsabend im Plenarsaal veranstaltet, bei dem Freiwilligendienstler*innen aus den verschiedensten Bereichen, vom FÖJ (=Freiwilliges Ökologisches Jahr) im Wattenmeer bis hin zum BFD (=Bundesfreiwilligendienst) im Krankenhaus, ihre Verbesserungsvorschläge, Wünsche und Bedürfnisse im Freiwilligendienst einbringen konnten. Die gesammelten Ideen habe ich mit unseren ergänzt und zu einem Antrag für den Sozialausschuss zusammengefasst, der nach Verhandlungen mit den Koalitionspartner*innen im Juni im Landtag angenommen wurde (Wenn ihr euch für den Antrag interessiert, findet ihr ihn hier: http://www.landtag.ltsh.de/infothek/wahl19/umdrucke/04100/umdruck-19-04143.pdf). Im Mittelpunkt stand dabei, den Freiwilligendienst Menschen zu ermöglichen, denen er nicht selbstverständlich offensteht – sei es aus finanziellen Gründen, Sprachbarrieren oder mangelnder Barrierefreiheit. Ich freue mich sehr, dass ich noch vor Pandemie und Lockdown die Gelegenheit hatte, mein Projekt durchzuführen und dass so ein handfestes Ergebnis herausgekommen ist: Dem Antrag folgten auch Förderbescheide für das FÖJ über 2 Millionen Euro.

Besonders spannend fand ich immer, über innerhalb der Fraktion umstrittene Themen zu diskutieren. Ob Vollverschleierung, Homöopathie oder den richtigen Umgang mit problematischen Straßennamen – ich erinnere mich an einige hitzige Debatten, die ich nicht missen möchte. Auch der unmittelbare Finger am Puls der Zeit hat mich immer brennend interessiert: Als etwa in Thüringen mit den undemokratischen Methoden einer faschistoiden Fraktion ein Ministerpräsident gewählt wurde, der ohne die AfD keine parlamentarische Mehrheit hinter sich hatte, gab es auf den Fluren und in den Sitzungssälen kein anderes Thema mehr; als die Öffentlichkeit gerade begann, distanziert auf die scheinbar weit entfernte Corona-Pandemie aufmerksam zu werden, erstattete der Sozialminister schon regelmäßigen Bericht im Koalitionsarbeitskreis.

Was mich aber immer am meisten motiviert hat und für mich der wichtigste Bestandteil dieses FSJ war, fasst eine Postkarte, die über unserem Kopierer hängt, gut zusammen. Darauf steht: „Mo-Fr for future“ – Es war für mich immer ein Antrieb, in meiner Tätigkeit Ziele und Werte zu unterstützen, die meine eigenen sind und für die ich mich in meiner Freizeit ohnehin engagiere.

Auch jenseits des politischen habe ich die (Arbeits-)Atmosphäre in der Fraktion immer genossen. Für diese spannende, lehrreiche und intensive schöne Zeit möchte ich mich ausdrücklich bei allen bedanken, die mein Jahr hier so wunderbar mitgestaltet haben!

Infos zum FSJ Kultur/Politik findet ihr zum Beispiel hier: https://freiwilligendienste-kultur-bildung.de/

 

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