Wie wollen wir in Zukunft leben?

Was muss geschehen, damit sich endlich jede*r eine Wohnung zum Leben leisten kann? Woher rührt die aktuell heikle Wohnsituation? Und wie wollen wir in Zukunft leben, bzw. in welcher Form muss gebaut werden, um Wohnungsknappheit vermeiden zu können?

Diesen Fragen wollte am 12.09.2018 Andreas Tietze, wohnungsbaupolitischer Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen in Schleswig- Holstein im Gespräch mit knapp 30 Bürger*innen sowie hochkarätigen Gästen auf den Grund gehen. Auf dem Podium waren als Referent*innen Heidrun Clausen (Geschäftsführerin des Kieler Mietervereins), Jan Dreckmann (Paritätischer Wohlfahrtsverband), Hans- Henning Kujath (Verbandsdirektor Haus u. Grund SH), Prof. Marcus Menzl (FH Lübeck, Fachbereich Bauwesen), Rainer Steffens (Vorsitzender Bund Deutscher Architekten, Region Lübeck) und Dietmar Walberg (Geschäftsführer Arge SH).

Nach einer ausführlichen Vorstellungsrunde waren bereits einige, voneinander abweichende Sichtweisen festzustellen. Könne man überhaupt von einer „Wohnungsnot“ sprechen, wenn man mit ein paar Klicks im Internet zahlreiche günstige Wohnungen angeboten bekomme oder wäre es nicht ehrlicher, von „Wohnungsknappheit“ auf dem Markt zu sprechen? Sei es überhaupt angebracht von einem „Wohnungsmarkt“ zu sprechen, wenn „wohnen“ doch ein nicht verhandelbares Grundrecht sei? Und wenn es dieses Recht gibt, warum ist es dann oftmals so schwierig einzufordern?

Einig war man sich darin, dass es mehr Wohnraum auch für sozial Schwächere geben müsse. Denn seit 2010 sei die Zahl der Obdachlosen alleine in Kiel um das vierfache angestiegen, so Clausen. Eine Entwicklung die schon lange anhand eines rückläufigen Wohnungsbaus, aber gleichzeitigen Verkaufs von Sozialwohnungen abzusehen gewesen sei.

Die große Schwierigkeit, so Kujath sei jedoch, dass die Boden- und Baupreise seit Jahren in die Höhe schnellten, wodurch Investor*innen wiederum höhere Mieten fordern müssten, um ihre Kosten decken zu können. Investor*innen bräuchten Planungssicherheit und kein staatliches Eingreifen, z.B. in Form einer Mietpreisbremse. Solche Maßnahmen setzten Investoren unter Druck und hätten den gegenteiligen Effekt. Vermieter*innen würden selbstverständlich auch an finanzschwache Menschen vermieten, solange sie eine Zusicherung für den Erhalt der Miete bekämen.

Wien wurde hier als Vorreiter genannt, denn dort sichert die Kommune u.a. die Vermieter*in in Bezug auf die Mieteinnahmen ab.

Mit Blick auf die Zukunft wurde über die Einrichtung so genannter „Quartiere“ gesprochen. In einem Quartier könnte dörfliche Familienatmosphäre mit städtischer Anonymität verknüpft werden. Dies würde Engagement und Beteiligung der Bewohner*innen voraus setzen und guten Umgang miteinander in der Umgebung steigern.

Abgesehen davon wurde das Problem der Bodenversiegelung, insbesondere in Großstädten, angesprochen. Dieser müsse man entgegenwirken, indem man sowohl Gebäude höher baue, als auch den öffentlichen Nahverkehr ausbaue, um weniger Fläche beispielsweise für Parkflächen versiegeln zu müssen.

Die Runde entwickelte sich durch kluge Fragen, interessante persönliche Erfahrungen und pointierte Kritik der Zuschauer*innen zu einem lebendigen Austausch, aus dem jede*r etwas für sich mitnehmen konnte.

Um 19:15 Uhr schloss Andreas Tietze die Debatte mit einem Dank für die rege Beteiligung, Ideen zum politischen Handeln und dem Versprechen, dass die Grünen ihr Bestes geben würden, die Wohnsituation der Menschen in Schleswig- Holstein nachhaltig zu verbessern.

 

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