Technologie steuern, ansonsten steuert sie irgendwann uns

Es ist ein Thema, das gravierende ethische Fragen aufwirft und uns alle betrifft, ob wir wollen oder nicht: Die fortschreitende Entwicklung von Künstlicher Intelligenz oder KI. Welche Chancen bietet sie uns? Welche Risiken? Und was können wir in Deutschland tun, „damit uns die Teslas dieser Welt nicht links und rechts überholen?“ (Doris Weßels)

 

Um diese Fragen im Rahmen der Digitalen Kieler Woche gemeinsam zu besprechen, lud der digitalisierungspolitische Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, Rasmus Andresen, am 15.09.2018 drei Expert*innen auf diesem Gebiet in die Hansa 48 ein:  Konstantin v. Notz (stellv. Fraktionsvorsitzender der Grünen im Deutschen Bundestag), Constanze Kurz (Netzaktivistin und Autorin) und Prof. Doris Weßels (Fachhochschule Kiel, Vorstand Digitale Wirtschaft Schleswig-Holstein e.V.).

 

Einig waren sich alle drei Expert*innen darüber, dass Deutschland einen riesigen Nachholbedarf habe, was Digitalisierung und den Einsatz von KI angehe. Während in China alle zwei Minuten ein Chatbot online gehe, sei Deutschland behäbig in der Entwicklung von KI. Prof. Doris Weßels forderte daher auch: „Wir brauchen ein Bildungssystem mit Fokus auf informatorische Kompetenzbildung.“

 

Unsere Gesellschaft ist bereits heute tiefgehend durch KI beeinflusst. „Das ist kein Thema von morgen, sondern von heute“, bemerkte Constanze Kurz. Wir reisen mit teilautonom fahrenden Autos, lassen uns von Alexa das Wetter vorhersagen und Übersetzungstools ersparen uns den Blick ins Wörterbuch.

 

Durch den massenhaften Einsatz von KI würden sich jedoch „krasse ethische Fragen stellen“, erläuterte Konstantin von Notz. Denn sobald eine Maschine aufgrund interner Parameter eine Entscheidung über das Schicksal von Menschen treffen würde, ist es wichtig, eine gesellschaftliche Wertung zu fällen. Man müsse deshalb klare rote Linien definieren, die festlegen, was KI darf, um den menschlichen Entscheidungsspielraum zu bewahren. Dazu von Notz: „Wir müssen dieses Selbstbewusstsein bekommen, eigene Standards zu setzen“. Prof. Doris Weßels war außerdem der Meinung, dass die Grundskepsis in Deutschland vor KI, keine schlechte Ausgangslage sei. Es sei immer besser, auch die Schattenseiten einer Technologie zu betrachten, anstatt alles unreflektiert einzuführen, was technisch machbar ist.

 

Eine sehr emotionale Diskussion entwickelte sich zum Thema, ob KI menschliche Nähe ersetzen könne: In Kiel läuft zurzeit ein Modellversuch zum Einsatz von Robotern in der Altenpflege. Zwar sollen diese Roboter das Pflegepersonal nur unterstützen und nicht die menschliche Interaktion ersetzen, die Reaktionen des Publikums waren dennoch gemischt: Vielen widerstrebte der Gedanke, dass eine Maschine menschliche Zuneigung „fake“. Dabei kamen alle Gäste, die sich äußern wollten, zu Wort und es wurde deutlich, wie kontrovers dieses Thema eigentlich ist.

 

Am Ende gab es zwar viele verschiedene Ansichten zum Thema, aber eines war allen klar: Wir müssen uns als Gesellschaft klar werden, wie wir diese revolutionäre Technologie steuern wollen, ansonsten steuert sie irgendwann uns.

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