Was kann man von Rundfunk, Wirtschaft und der Kirche hinsichtlich eines Nordstaates lernen?

Die Idee des Nordstaats als theoretisches Konzept, um die norddeutschen Bundesländer zu einem zu fusionieren, existiert durchaus schon länger auf der Agenda der Grünen. AmDonnerstag,den 20.9.2018  wurde diese Idee nun auf Initiative der Grünen Landtagsfraktion Schleswig-Holstein, des Grünen Landesverbandes Schleswig-Holstein und der LAG Nordstaat bei der Veranstaltung „Wie geht Norddeutschland“ diskutiert. Die Veranstaltung hatte sich unter anderem zum Ziel gesetzt,aufzuzeigen, welche anderen Ansätze es im Bereich der Wirtschaft, der Kirche oder des Rundfunks gibt, um die Kooperation im Norden zu stärken und zu erleichtern.

Nach einer Begrüßung durch die FraktionsvorsitzendeEkavon Kalben, hielt der Werkleiter der Stadtwerke Norderstedt, TheoWeirich, einen interessanten Impulsvortrag zum Thema Breitbandausbau in und um Hamburg. Dabei thematisierte er die Herausforderungen, welche durch neue Themen und den technischen Fortschritt entstehen. Als Beispiele nannte TheoWeirichdie Künstliche Intelligenz und die Umsetzung vone-GovernmentProgrammen. Auch Innenminister Hans-JoachimGrotehielt eine Rede zum Thema Heimat und Zusammenleben in Schleswig-Holstein. Danach startete die Talkrunde zum eigentlichen Thema. Gäste waren UliWachholtz, Präsident vom UVNord,Gothart Magaard, Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein und VolkerThormählen, Direktor des NDR Landesfunkhaus Schleswig-Holstein. „Die Grenzen werden immer weniger sichtbar“, sagteTheoWeirichund erhielt Zustimmung von allen Gästen. „Sie werden nur noch wahrgenommen, wenn sie ein Hindernis darstellen“ betonte er. Ähnliches sagte auch die Grüne Landtagsabgeordnete InesStrehlauin ihrem Schlusswort: "Die Grenze zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg bekommen viele nur mit, wenn sie wollen, dass ihre Kinder in Hamburg zur Schule gehen, obwohl sie in Schleswig-Holstein leben, oder umgekehrt."

Trotzdem ist ein Zusammenschluss der nördlichen Bundesländer in den Augen einiger auch eine Utopie, die an den unterschiedlichen Interessen der einzelnen Akteure scheitern wird. BischofGothart Magaard, der mit Verantwortlich für den Zusammenschluss der Nordelbischen Kirche, der Landeskirche Mecklenburgs und der Pommerschen Kirche ist, betonte ebenfalls, dass es von besonderer Wichtigkeit sei, die Verwaltung zu dezentralisieren und sich auch digital zu vernetzen (bspw. durch Videokonferenzen), um eine „Mittlere Gestaltungsebene“ zu schaffen. Ähnliche Erfahrungen machte auch der NDR, welcher schon lange eine gemeinsame Rundfunkanstalt für Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein bildet. In den 1980er Jahren strukturierte sich der Sender, nach Kritik unter anderem vom schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg, neu und verlieh seinen Landesfunkhäusern, welche alle ein eigenes, regionales Aufgabengebiet haben, mehr Eigenverantwortung. Zuletzt wurde vor allem deutlich, dass der Weg zum Nordstaat lang ist. Eine Zustimmung aller Beteiligten wäre nur der erste, zugegeben schwierige, Schritt. Ihm müsste noch viel detailverliebte Arbeit folgen, um den Traum vom Nordstaat irgendwann vielleicht wirklich Realität werden zu lassen.

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