Schleswig-Holstein ist bei der Hospiz- und Palliativversorgung auf einem guten Weg

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 28 – Hospiz- und Palliativwesen

Dazu sagt die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Marret Bohn:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Der Tod ist gewiss, doch ungewiss die Stunde.“, so drückte es der Dichter, Matthias Claudius, aus. Mit anderen Worten: Der Tod gehört zum Leben dazu.

Viele von uns reden nicht gern über das Sterben. Wir weichen aus und verdrängen. Es gibt aber Situationen im Leben, in denen das nicht mehr möglich ist. Dann, wenn wir selbst oder Menschen im engsten Lebensumfeld unheilbar krank sind und sterben werden.

Genau in dieser Lebenssituation unterstützen uns die Angebote der Hospizversorgung und der Palliativmedizin. Es ist wichtig, dass diese Hilfen überall in Schleswig-Holstein zur Verfügung stehen und dass sie je nach Situation und Bedarf stationär oder ambulant geleistet werden können.

Schleswig-Holstein hat sich früh auf den Weg gemacht. Schon 1989 wurde die erste Hospizinitiative gegründet. Die bestehenden Angebote können sich  – auf den ersten Blick - sehen lassen. 50 Hospizinitiativen, sechs stationäre Hospize mit 66 Plätzen, sechs Palliativstationen an Krankenhäusern mit 57 Betten.

In vielen Krankenhausabteilungen wird darüber hinaus in der Inneren und der Geriatrie eine palliativmedizinische Versorgung geleistet. Und gerade erst letzten Freitag erfolgte die Einweihung der neuen Interdisziplinären Schmerz- und Palliativstation am UKSH in Kiel mit sechs zusätzlichen Zimmern. Mit anderen Worten: Das Fundament der Hospiz- und Palliativversorgung in Schleswig-Holstein ist solide.

Das zeigt auch der Bericht zur Hospiz- und Palliativversorgung, den die Landesregierung im November 2014 vorgelegt hat deutlich. Aber in einer älter werdenden Gesellschaft dürfen wir uns nicht darauf ausruhen. Wir müssen auf diesem Fundament aufbauen – sonst wird es nicht ausreichen.

Aus diesem Grund hat der Sozialausschuss des Landtages ExpertInnen und Ehrenamtliche zum Runden Tisch Hospiz- und Palliativversorgung eingeladen. Ein zentrales Ergebnis des Runden Tisches ist, dass das Angebot insbesondere im stationären Bereich ausgebaut werden muss. Sterbende warten auf einen Platz im Hospiz, manchmal zu lang und dann am Ende vergeblich. Sechs stationäre Angebote in einem Flächenland mit 15 Kreisen und kreisfreien Städten. Da bleiben viele Flecken weiß. 66 Betten auf 2,8 Millionen EinwohnerInnen.

Der deutsche Hospiz- und Palliativverband hält 50 Betten für eine Million EinwohnerInnen für angemessen – das wären landesweit dann knapp 150 Betten. Davon sind wir weit entfernt. Daher müssen wir die Angebote ausbauen.

Wir wollen prüfen, wie die Angebote, die bereits vorhanden sind, sinnvoll ergänzt werden können. Das ist das Ziel unseres Antrages. Der Anteil älterer und sehr alter Menschen wird weiter zunehmen. Das müssen wir nicht nur in der Pflege berücksichtigen, sondern  gerade auch bei der Palliativversorgung.

Bei der Sterbebegleitung ist es wichtig, kurze Wege zu haben. Es wirkt sich extrem belastend auf alle Beteiligten aus, wenn der Weg ins Hospiz lang ist und nur mit dem Auto oder per Bahn bewältigt werden kann. Ein solcher Aufwand kann nicht täglich geleistet werden. Aber gerade eine intensive Begleitung durch Familie und Freunde  ist wichtig und wünschenswert.

Sterben gehört zum Leben dazu. Würde und Selbstbestimmung sind Menschenrechte, die auch für Sterbende gelten. Das ist ein hoher Anspruch. Aber er ist gibt keinen anderen Weg.

In Schleswig-Holstein gibt es allein im ambulanten Bereich 1.200 ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Ich bin zutiefst beeindruckt, was diese Menschen tagtäglich für andere tun, hauptberuflich und auch ehrenamtlich. Sie alle haben meine Hochachtung! Sie alle stehen den Sterbenden und ihren Angehörigen zur Seite. Die von uns geplante Koordinierungsstelle wiederum wird ihnen zur Seite stehen. Für uns Grüne ist klar: Schleswig-Holstein ist bei der Hospiz- und Palliativversorgung auf einem guten Weg. Wir werden diesen Weg konsequent weiter gehen.

Thema: 

AbgeordneteR: 

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