Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 4 – 1. Lesung: Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Schulgesetzes
Dazu sagt die schulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Ines Strehlau:
Sehr geehrte Damen und Herren,
nun liegt der Gesetzentwurf zur Änderung des Schulgesetzes vor. Mit ihm werden die Weichen für die Errichtung eines Schleswig-Holsteinischen Instituts für berufliche Bildung (SHIBB) gestellt. Pläne dazu gab es bereits in der vergangenen Wahlperiode. Wir Grüne hatten die Initiative auf den Weg gebracht. Es gab dazu einen einstimmigen Beschluss des Landtags, allerdings unter anderen Vorzeichen.
Ziel eines SHIBB ist die Stärkung der beruflichen Bildung. Durch Bündelung der fachlichen Kompetenz aus verschiedenen Ministerien in einem gemeinsamen Institut kann dies besser gelingen. Hamburg hat mit dem Hamburger Institut für berufliche Bildung, dem HIBB, gezeigt, dass dies Ziel tatsächlich erreicht werden kann. Das HIBB, das der Behörde für Schule und Berufsbildung zugeordnet ist, besteht seit mehr als zehn Jahren und ist positiv evaluiert worden.
Mit der Zusammenführung der fachlichen Expertise aus verschiedenen Ministerien im SHIBB soll gewährleistet werden, dass Jugendliche optimal auf dem Weg von der Schule in den Beruf begleitet werden und gleichzeitig dem Fachkräftemangel begegnet wird. Anlass zum Konzept des SHIBB waren Reibungsverluste zwischen den verschiedenen Ministerien, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf berufliche Bildung sahen und deshalb keine optimalen Beschlüsse im Sinne der Jugendlichen gefasst haben. Berufliche Bildung muss die Förderung und Unterstützung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ins Zentrum ihres Handelns stellen.
Sie bringen unterschiedliche Biografien mit. Damit sie ihren Weg in den Beruf finden, muss die berufliche Bildung ihre Bedarfe erkennen und entsprechende Angebote machen. Dabei ist der Bereich der dualen Ausbildung zentral. Etwa 60 Prozent der Schüler*innen an berufsbildenden Schulen sind in einem Ausbildungsverhältnis. Hier gibt das Berufsbildungsgesetz die Rahmenbedingungen für die einzelnen Ausbildungsberufe vor. Es ist übrigens ein Bundesgesetz – bei der beruflichen Bildung klappt die bundeseinheitliche Regelung. Bei den Schulen sind wir leider noch nicht so weit. Aber wir arbeiten dran.
40 Prozent der Schüler*innen an beruflichen Schulen sind in Fachschulen, in der Berufsvorbereitung, den Fach- und Berufsoberschulen und an den beruflichen Gymnasien. Es ist von zentraler Bedeutung, dass bei der beruflichen Bildung auch diese Bildungsgänge gestärkt und weiter entwickelt werden. Die Klassen für kaufmännischen Assistent*innen, die Fachschulen für Sozialpädagogik oder auch die Berufsintegrationsklassen für Zugewanderte sind wichtige Angebote, die erhalten werden müssen.
Das berufliche Gymnasium ist vor allem für Schüler*innen aus Gemeinschaftsschulen ein toller Weg zum Abitur. Die Schüler*innen können Profile nach ihren Interessen wählen und erreichen gute Ergebnisse. Die Abiturient*innen am beruflichen Gymnasium haben oft eine genaue Vorstellung, was sie nach dem Abitur machen wollen und sind bei Ausbildung oder Studium in ihren Bereichen sehr erfolgreich.
Die Beispiele zeigen: Berufliche Bildung ist auch Persönlichkeitsbildung und darf nicht allein dem Ziel der Fachkräftegewinnung untergeordnet werden. Einige Schüler*innen brauchen mehr Zeit, um ihren Weg zu finden. Sie brauchen Unterstützung bei der Orientierung und Angebote, sich auszuprobieren. Hier leisten die berufsbildenden Schulen hervorragende Arbeit.
Stärkung von beruflicher Bildung heißt, dass dieses breite Spektrum erhalten werden muss. Duale Ausbildung ist ein wichtiger Teil der beruflichen Bildung, auch in der Fläche. Aber sie ist eben nur einTeil. Die berufliche Bildung beginnt aber eigentlich schon in der allgemeinbildenden Schule. Um den Übergang von der Schule in den Beruf zu verbessern, ist eine intensive Berufsvorbereitung wichtig. Das Bildungsministerium ist dabei, die bestehenden Konzepte weiter zu entwickeln. Das unterstützen wir sehr.
Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, dass wir prüfen wollen, ob Berufsschullehrkräfte als Expert*innen für berufliche Bildung bei der Berufsorientierung an beruflichen Schulen unterstützen können. Die Zusammenarbeit und der fachliche Austausch von Lehrkräften an beruflichen und allgemeinbildenden Schulen wären gut für die Berufsorientierung. Die Fachleute aus den Berufsschulen könnten an den allgemeinbildenden Schulen aus erster Hand über die verschiedenen Berufe informieren. Diese übergreifende Arbeit muss auch nach Einrichtung des SHIBB möglich sein.
Die Stärkung der beruflichen Bildung in ihrer ganzen Bandbreite an Angeboten durch die Errichtung eines SHIBB beim Wirtschafts- und Arbeitsministerium ist eine große Herausforderung. Aber man wächst bekanntlich mit den Aufgaben.
Fraktion SH



