„Wie die wilden Kerle lernen“ – plietsch-Veranstaltung am 6. September 2014

Der Spätsommerabend war lau, das Thema aber offenbar so heiß, dass der Plenarsaal mit rund 130 Besucherinnen und Besuchern gut gefüllt war. Wer über „Inklusion in Schule“ redet, denkt meist an Kinder mit körperlichen oder geistigen Handicaps. Es sind aber zum Großteil Jungen und Mädchen mit dem Förderbedarf Lernen und soziale oder emotionale Entwicklung, die an unseren Schulen inklusiv unterrichtet werden. Einige finden sich nicht zurecht, reagieren aggressiv und sprengen den Unterricht. Zwei Projekte und ein Förderzentrum waren deshalb bei uns zu Gast, um ihre Arbeit und Erfahrung damit, „wie die wilden Kerle lernen“, vorzustellen.
 
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PLIETSCH!- Bildung stark machen

Die Referentinnen und Referenten der Veranstaltung "Wie die wilden Kerle lernen" : Kai Grüninger, Matthias Heidn, Anke Erdmann,  Ulrike Behme-Matthiessen, Lars Krackert, Dr. Angela Ehlers, Heike Petersen und Heiko Knoche

 
Den Aufschlag machte das Projekt FiSch – Familien in Schule, das ursprünglich aus Schleswig vom Hesterberg kommt. Ulrike Behme-Matthiessen und Heike Petersen stellten vor, wie sie die Eltern auf besondere Weise einbeziehen. „Ohne Eltern geht es nicht“ – so hatten sie passenderweise ihren Input überschrieben. Das Herzstück von FiSch ist, dass Eltern in ihrem Umgang mit den eigenen Kindern wieder sicherer werden. Während eines Vierteljahres treffen sich die Kinder mit einem Elternteil an einem Vormittag in der „FiSch“-Klasse. Die Kinder arbeiten dort mit einer Lehrkraft, die Eltern beobachten und begleiten ihre Söhne und Töchter mit Hilfe einer Coaching-Kraft. Über diese Arbeit entwickeln die Eltern ihre Fähigkeiten und das nötige Selbstvertrauen, um ihre Kinder besser zu unterstützen. Die Kinder profitieren davon, aber eben auch von der veränderten Lernsituation und der Reflektion, die dort geboten wird. Mit Ausnahme des einen Tages in der Woche bleiben die Kinder in ihrer Stammschule – eine sehr nachhaltige Maßnahme. Das Projekt wurde inzwischen von mehreren anderen Kreisen und Städten übernommen.
                                                                                                                                                                                  „Schule kann man lernen“ – so kann man das kooperative Schultraining aus Uetersen überschreiben, das uns von Heiko Knoche und Kai Grüninger vorgestellt wurde. Das kooperative Schultraining ist eine Zusammenarbeit zwischen Förderzentren, Regelschulen und der AWO. Auch dieses Projekt – aus viel Eigeninitiative entstanden – hat inzwischen Nachahmer gefunden: drei im Kreis Pinneberg und einen im Kreis Plön. Hier wird – für jedes Kind individuell – ein Lehrplan erstellt. Gewählt werden kann zwischen einer 1:1 Betreuung im schulfernen Gebäude am Waldrand, über einen schulnahen Lernort mit guter Betreuung oder aber mit einer Betreuung direkt an oder in den Schulen selbst. Diese Phase der besonderen Betreuung, die durch die enge Verzahnung von schulischer Unterstützung und Erziehungshilfe möglich wird, dauert in der Regel zwischen ein- und eineinhalb Jahren. Wie beim FiSch-Projekt sind auch beim kooperativen Schultraining die wöchentlichen Gespräche mit den Eltern unabdingbar. Auch hier ist das Ziel, die Eltern als kompetente Partner mit in den Prozess einzubinden und ihnen nicht das Gefühl zu vermitteln, sie hätten ihr Kind nicht im Griff. So ergibt sich oft nach wenigen Wochen eine gedeihliche Zusammenarbeit, die auch von den Eltern sehr geschätzt wird. Die Erfolgsquote von rund 80 Prozent gibt dem kooperativen Schultraining Recht. 
 
Ebenso erfolgreich arbeitet das Förderzentrum Schleswig-Kropp, das in diesem Jahr bereits zwei Mal ausgezeichnet wurde: zum einen mit dem Jakob-Muth-Preis für inklusive Schule und zum anderen mit dem zweiten Platz des Schleswig-Holsteinischen Schulpreises. Wie „Erziehungshilfe im Team – Beschulung vor Ort“ funktioniert, das skizierte der Schulleiter des Förderzentrums, Lars Krackert, der auch schon bei der letzten plietsch-Veranstaltung an Bord war. Das Förderzentrum Schleswig-Kropp setzt um, wovon andere reden: Kindern mit Förderbedarf ebnet es den Weg in Regelschulen. Die Arbeit des Kollegiums ist dabei so erfolgreich, dass keine Schülerinnen und Schüler mehr in einer Extra-Schule unterrichtet werden müssen: Das Förderzentrum ist eine Schule ohne Schülerinnen und Schüler im eigenen Gebäude.
 
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  „Endlich mal wieder plietsch!“

 

In der anschließenden Podiumsdiskussion, die durch Dr. Angela Ehlers, Vorsitzende des Verbandes Sonderpädagogik, und Matthias Heidn, GEW-Vorsitzender aus Schleswig-Holstein, eingeleitet wurde, geriet das Inklusionspapier der Landesregierung in den Focus.
Die Frage nach zusätzlichen Ressourcen bestimmte auch die anschließende Diskussion mit dem Publikum. Deutlich war – Inklusion steht nicht zur Debatte – aber viele Fragen sind noch offen.
Das Konzept der Landesregierung zur Inklusion geht einige Schritte nach vorn, aber die Ausgestaltung von Schulassistenzen, die Rolle und Perspektive der Förderzentren und andere Punkte brauchen noch einer eingehenden Beratung und Diskussion. Wie mit Schülerinnen und Schülern umgegangen werden soll, die Unterstützung im sozialen oder emotionalen Bereich haben, dem Thema dieses plietsch-Abends, dies wird im Konzept nicht wirklich ausgeführt. Hier bleibt also noch viel zu tun.
 
Fast ein Jahr war seit der „Langen Nacht der Guten Schulen“, unserer letzten plietsch-Veranstaltung vergangen und das „Endlich mal wieder plietsch!“, „Wir dachten schon, wie wären aus dem Verteiler gestrichen.“ bis zum „Wir haben plietsch richtig vermisst!“ haben uns sehr gefreut. Die gute Nachricht: Der nächste Termin steht schon!
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„Bildungsschnack“ im Foyer
 
Am 6. November kommt Jutta Allmendinger und spricht über ihr Buch „Schulaufgaben“, in dem sie sich mit Gerechtigkeitsfragen im Bildungssystem auseinandersetzt.

 

 

 
 
 

 

                           

 

 

 


 

 

 

 

 

 

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