Guter Unterricht? – Hinweise aus der Hattie-Studie

So viel Andrang hat es selten bei unseren bildungspolitischen Gesprächen gegeben. Während am Anfang der Woche die Anmeldezahl für unseren „Hattie-Abend“ noch eher mau war, stand das Telefon ab Dienstag nicht mehr still: Die Kieler Nachrichten hatte in einer Meldung auf Seite 1 (über dem Knick!) unter der Überschrift „Grüne hinterfragen Reformpädagogik“ unsere Veranstaltung beworben.

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In einem bis auf den letzten Platz besetzten Plenarsaal gab Jens Möller, Professor für Psychologie an der Universität Kiel, eine sehr unterhaltsame und kurzweilig Einführung in Sachen „Was ist guter Unterricht – Hinweise aus der Hattie-Studie“.

Die Frage des Sitzenbleibens, der Klassengröße oder nach offenem Unterricht werden oft kontrovers diskutiert. Der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie hat 2008 in einer Meta-Studie herausgefunden: Sitzen bleiben schadet, offener Unterricht und geringe Klassengröße haben so gut wie keinen Einfluss. Was so richtig spürbar ist, das sind ein sinnvolles Lehrerfeedback, fachlich und methodisch gut ausgebildete Lehrkräfte, eine Vertrauensbasis zwischen Schüler/innen und Lehrkräften, aber auch Programme zur Leseförderung und Unterricht, der sich auf Problemlösung konzentriert.

Damit laufen die Wirkungsfaktoren ziemlich an dem vorbei, was normalerweise kontrovers in der Bildungspolitik diskutiert wird. Einfache schwarz-weiß Antworten hat aber auch Hattie nicht bereit.

Klar ist nach Hattie: Auf die Lehrkraft kommt es an – dabei hält er kein Lob auf den klassischen Frontalunterricht. Viel zu viele Lehrkräfte, so kritisiert der Bildungsforscher, führten schwache Lernerfolge in ihren Klassen auf die Kinder und Jugendlichen zurück. Stattdessen braucht es eine permanente Selbstreflektion – und zwar aus Perspektive seiner eigenen Schüler/innen.

Deutlich ist aber, dass gute Lehrkräfte wissen, was sie tun. Sie lenken den Unterricht, machen den Erwartungshorizont deutlich und geben ein professionelles Feedback. Das ist durchaus vereinbar mit neuen Ansätzen wie dem „jahrgangsübergreifenden Lernen“ und anderen Ansätzen.

Deutlich machen die Studie und der Abend – mit seiner durchaus kontroversen Diskussion, dass Schulpolitik sich nicht auf einfache Schlagworte zurückziehen darf. „Less mindless work“ gilt nicht nur für Schulen, sondern auch in der Bildungspolitik. Von den beiden Hauptfragen in der Bildungspolitik hat dieser Abend sich mit dem Thema Qualität beschäftigt. Die zweite große Aufgabe ist noch immer  Chancengerechtigkeit und Durchlässigkeit.

In mehreren Punkten sind wir – betrachtet man die von John Hattie identifizierten Einflussfaktoren auf Bildungsqualität – auf einem guten Weg: Die Landesregierung investiert massiv in den Ausbau der Kleinkindbetreuung, sie wird die Lehrerausbildung erneuern und plant eine Fortbildungsoffensive. Alles laut Hattie „wirksame Maßnahmen“ – wenn man sie richtig anpackt.

Und der Bildungsdialog der Landesregierung, der seit September 2012 läuft, ist auch ein gutes Zeichen. Er hat zu einer Fokusverschiebung geführt – weg von der Strukturdebatte hin zu einer Qualitätsdebatte.

Wer sich einen allgemeinen Überblick verschaffen möchte, dem sei der Artikel „Hattie-Studie – Ich bin superwichtig! “ von Martin Spiewak aus der ZEIT vom 14.01.2013 empfohlen.

Für alle, die bei der Plietsch!-Veranstaltung nicht dabei sein konnten, noch folgender Hinweis: Am 17.04. wird um 16:00 Uhr die Aufzeichnung der Veranstaltung beim Offenen Kanal Kiel ausgestrahlt.

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