Mehr Qualität wagen

Während in Schleswig-Holstein in der Schulpolitik die Strukturdebatten im Vordergrund stehen, haben wir einen Kontrapunkt gesetzt: am 22.11.2010 fand unser Bildungspolitisches Gespräch mit Prof. Dr. Anand Pant, Direktor des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, statt. Denn wenn wir Grünen uns für Verlässlichkeit in der Schulpolitik einsetzen, dann kann das nicht Stillstand in der Qualitätsentwicklung bedeuten.

Prof. Pant als ein ausgewiesener Experte für Qualitätsentwicklung von Schulen zeichnete ein Bild davon, wie Schulen zu "lernenden Systemen" werden können. So werden flächendeckend Vergleichsarbeiten geschrieben, um den Lernstand der Schülerinnen und Schüler zu erkennen. Diese VERA-Arbeiten liefern eine Menge an Daten die, anders als bei den PISA-Tests, auch als konkretes Feedback für Lehrkräfte und Lerngruppen genutzt werden könnten.

Prof. PrantProf. Pant, Experte für Qualitätsentwicklung von Schulen

So wurde an einem Beispiel deutlich, dass die Antworten der Schülerinnen und Schüler auf bestimmte Fragen eben nicht nur deren Stärken und Schwächen tendenziell abbilden können, sondern dass auch ein Rückschluss auf die Stärken und Schwächen der Lehrkraft möglich ist: Wieso fielen z.B. die Ergebnisse der Lerngruppe bei einem bestimmten mathematischen Themenkomplex über- oder unterdurchschnittlich aus?

Es werden unzählige Informationen gesammelt, die eine gute Grundlage für die konkrete Schulentwicklung bieten. Prof. Pant zeigte, wie aus einem solchen Datenfriedhof konkrete Hinweise für Lehrkräfte, Lerngruppen, Schülerinnen und Schüler gezogen werden könnten. Hier fehlt es aber am politischen Willen, dass die Daten systematisch ausgewertet werden und an die Lehrkräfte zurückgespiegelt werden.

Dafür braucht es zum einen die Bereitschaft der LehrerInnen, aus den Ergebnissen zu lernen. Sie müssen sich die Aufgabe zu eigen machen, ihre Arbeit mit dieser Hilfe weiterzuentwickeln. Das Schulen "lernende Systeme" sein müssen, in der eine Art von Evaluation auf jeden Fall dazu gehört, dass ist noch nicht in allen unseren Schulen angekommen.

PlietschDie Bildungspolitischen Gespräche werden nun schon im fünften Jahr angeboten

Zum anderen ist das Land gefragt. Kurz gesagt, sollte es drei Dinge zur Verfügung stellen: die entsprechenden Instrumente, die Freiheit aus diesen zu lernen und eine entsprechende Ausstattung.

Bezüglich der Instrumente kam der Sonderweg Schleswig-Holsteins zur Sprache: Der Minister hatte im Gegenzug zur Arbeitszeitverlängerung der Lehrkräfte die Evaluation an Schulen EVIT ersatzlos gestrichen. Damit hat Schleswig-Holstein als einziges Bundesland zur Zeit kein breites Instrument zur Qualitätssicherung. Ein liberaler Minister, der eigentlich die Eigenständigkeit von Schulen vergrößern möchte, muss allerdings wissen, dass diese Eigenständigkeit von Schulen nur dann zu besseren Lernergebnissen bei den SchülerInnen führt, wenn eine externe Evaluierung stattfindet. Hier passt das eine nicht zu dem anderen.

Aber auch der Umgang mit den Ergebnissen ist wichtig: Prof. Pant hat sehr deutlich gemacht, dass ein Ministerium Transparenz darüber herstellen muss, wie die erhobenen Daten verwendet werden und welche Konsequenzen sich für die LehrerInnen ergeben. Auf den Punkt gebracht: Wenn eine Klasses im VERA-Test nicht so gut abschneidet wie andere - hat der Lehrer dann die Freiheit, daran zu arbeiten oder bekommt er erst mal 'eins auf den Deckel'?

Anke Erdmann mit Prof. PrantAnke Erdmann, schulpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion, dankt Prof. Prant für seinen inspirierenden Vortrag

Für all das braucht es dann auch die entsprechenden Ressourcen wie Zeit und Geld, die den Lehrkräften Luft lassen, sich mit den Ergebnissen zu beschäftigen.

Wir Grünen haben in unserem Gegenhaushaltsentwurf für 2011/2012 Mittel für die Qualitätsentwicklung von Kita über Lehreraus- und weiterbildung bis hin zur Uni eingestellt.

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