Schule von morgen – mit Lehrerbildung von gestern?

Dokumentation zum achten Bildungspolitischen Gespräch am 29.10.2008: "Schule von morgen – mit Lehrerbildung von gestern?"

Die neue Schule kommt 2010, die Lehrerbildung hinkt hinterher: Auch die Universität Flensburg bildet weiter für Schularten aus, die es in zwei Jahren nicht mehr geben wird. Wie aber sollen junge Lehrerinnen und Lehrer mit Anforderungen klar kommen, auf die sie nicht vorbereitet sind?

Bildungspolitisches Gespraech

Die Bausteine unseres Lehrerbildungsgesetzes

Lehrkräfte aller Stufen müssen ExpertInnen des Lernens sein, die das Lernen jedes Kindes herausfordern, fördern, begleiten und beurteilen. Die Lehrerbildung soll die LehrerInnen zu individueller Förderung und zum Unterrichten in heterogenen Lerngruppen befähigen.

 

Bildungspolitisches GespraechDer Schulentwicklungsexperte von Saldern analysierte das grüne Konzept für eine grundlegende Reform der Lehrerbildung, welches Angelika Birk vorgestellt hatte. Sein Urteil fiel positiv aus und befruchtete die anschließende, lebhafte Diskussion mit Manfred Blohm, dem Prorektor der Universität Flensburg, Marlies Tepe, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Bildungspolitischen Sprecherin der Flensburger grünen Ratsfraktion, Ellen Kittel-Wegner. Der Abend wurde von Florian Bernstorff moderiert.

 

 

Das Grüne Konzept zum Stufenlehramt:

Elementarstufe: In Zukunft sollen in den Kindertagesstätten auch ErzieherInnen mit einem Bachelorstudium tätig sein, die dort für die Gestaltung des Bildungsauftrages zuständig sind. Dieser Bachelor berechtigt auch für ein Masterstudium für die Primarstufe.

Die folgenden Ausbildungsgänge schließen mit dem Master ab.

Primarstufe: Dieses Masterstudium ersetzt die bisherige Grundschullehrerausbildung. Grundschullehrkräfte werden in Zukunft nicht mehr als Fachlehrer ausgebildet, sondern müssen alle Fächer in den Klassen 1 – 4 unterrichten können. Der Schwerpunkt der Ausbildung bilden jedoch Pädagogik, Psychologie und Didaktik.

Sekundarstufe 1: Die Lehrkräfte für die Klassen 5 bis 9 (im Gymnasium) bzw. 5 bis 10 in der Gemeinschaftsschule oder Regionalschule werden in 2 Fächern oder Lernfeldern ausgebildet. Pädagogik, Psychologie und Didaktik sind aber gleichwertige Studienbestandteile.

Sekundarstufe 2: Die Lehrkräfte für die Oberstufe des Gymnasiums und der Gemeinschaftsschulen und für die Berufsschulen absolvieren ein wissenschaftliches Grundstudium in 2 Unterrichtsfächern, um auf ein Studium vorbereiten zu können. Aber auch für diese Lehrkräfte werden der pädagogische und der praktische Anteil der Ausbildung ausgeweitet.

Lehrkräfte für Förderpädagogik: werden auch in Zukunft stufenübergreifend ausgebildet. Sie sollen vor allem auch lernen, wie sie KollegInnen in allen Schularten bei der Integration von Kindern mit Behinderungen unterstützen.

Theorie-Praxisverzahnung

In Zukunft werden Theorie und Praxis von Anfang an in der Ausbildung verzahnt.

Vor dem Studium liegt ein Eingangspraktikum in der außerschulischen Jugendarbeit von mindestens sechs Wochen oder eine vergleichbare Tätigkeit.

Schon in der ersten Bachelor-Phase der Ausbildung finden regelmäßige Praxistage in der Schule mit theoretischer Vor- und Nachbereitung statt.

Zwischen Bachelor und Master liegt ein Jahr als Assistent Teacher in der Schule (Bielefelder Modell). Studierende unterstützen erfahrene Lehrkräfte praktisch im Unterricht und werten ihre ersten eigenen Unterrichtserfahrungen aus. Spätestens in dieser Lernphase können die Studierenden und ihre AusbilderInnen feststellen, ob die eingeschlagene Berufslaufbahn die Richtige ist.

Danach folgt das Masterstudium, das auf diesen Erfahrungen aufbauen kann und dadurch deutlich realitätstüchtiger werden soll.

Nach dem Masterabschluss ist dann kein Referendariat mehr erforderlich. Stattdessen beginnt das Berufsleben mit einem Einführungsjahr, in dem Stundenzahl und Gehalt um ein Drittel reduziert sind und die JunglehrerIn von einer TutorIn begleitet wird.

Balance zwischen Pädagogik und unterrichtsfachbezogenem Studium

Unser Gesetz geht davon aus, dass je jünger die SchülerInnen sind, um so größer der Anteil an pädagogischer und praktischer Ausbildung der Lehrkräfte.

Alle Lehrkräfte sollen ein Grundwissen über besondere Lernprobleme erhalten, um Kinder mit Behinderungen und Hochbegabte zu integrieren und mit SpezialistInnen der Förderpädagogik gut zu kooperieren. Auch interkulturelle pädagogische Kompetenz und die Vermittlung von Deutsch an Kinder, die eine andere Muttersprache haben, gehören dazu. Lehrkräfte sollen ebenso dazu beitragen, aus Geschlechterrollen resultierende Lern- und Verhaltensstereotypen zu überwinden.

Fort- und Weiterbildung

Wir gehen davon aus, dass der Fort- und Weiterbildung im Lehrerberuf eine zentrale Rolle zukommt. Deshalb wird sie zur Pflichtaufgabe für die einzelne Lehrkraft. Das Land hat die Finanzierung und Qualitätssicherung zu garantieren.

Schon in unseren Änderungsanträgen zum Schulgesetz haben wir vorgesehen, dass den Schulen eigene Fort- und Weiterbildungsmittel anvertraut werden. Die Schulen können so die pädagogische Fortbildung, aber auch den Erwerb der Unterrichtskompetenz  für die Unterrichtung weiterer Fächer finanzieren.

Das Gesetz eröffnet darüber hinaus eine Vielzahl von Weiterbildungswegen: Ausbildung in weiteren Fächern und für weitere Schulstufen und ein Postgraduiertenstudium, das Vorraussetzung für die Übernahme von Leitungspositionen in Schulen wird.

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