Wir sind Schule - „SchülerInnen eine Hauptrolle geben“

Die Schule vom Kopf auf die Füße stellen – Magret Rasfeld hat es gemacht. Sie fordert, Schule anders zu denken, grundlegend neu zu gestalten. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Plietsch!“ gewährte die Schulleiterin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum (ESBZ) und Autorin (EduAction - Wir machen Schule, 2012), einen Einblick in den Alltag ihrer Schule und ihre gemeinsame Initiative mit dem Hirnforscher Gerald Hüther „Schule im Aufbruch“.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion Anke Erdmann hat Magret Rasfeld Ende November nach Kiel eingeladen, dabei war anfangs noch nicht mal klar, ob die Schulleiterin nur SchülerInnen der ESBZ auf die Reise nach Kiel schicken würde.

Auch wenn das erst einmal ein ungewohntes Bild war: eine Abendveranstaltung bei der SchülerInnen als Experten fungieren – für Margret Rasfeld und die beiden Schülerinnen der ESBZ, Josephine Franusch und Alma de Zarate,  selbstverständlich. „Ich finde das ganz normal, dass wir hier dabei sind.“, sagt Josefine (14). „Ich glaube, jeder an unserer Schule könnte sich hier hinsetzen und erzählen was wir bei uns anders machen.“, ergänzt Alma (13). Für die rund 120 BesucherInnen war es die einmalige Chance, einen ganz persönlichen Einblick in den Schulalltag der ESBZ zu bekommen.

Foto von Anke, Magret Rasfeld und den Schülerinnen

Anstelle eines festgelegten Stundenplanes entscheiden die SchülerInnen an der Evangelischen Schule Berlin Zentrum eigenverantwortlich, in welches Lernbüro sie an dem jeweiligen Tag gehen wollen und welches Thema sie dort bearbeiten – frei nach dem Motto „Ich kann“ statt „Du sollst“.

Neben Mathe, Deutsch und Englisch gehören in der ESBZ Fächer wie Verantwortung und Herausforderung ganz normal dazu. Darüber hinaus ist Lernen hier nicht mehr zwingend an das Schulgebäude gebunden. Im Gegenteil – die Schule schenkt den SchülerInnen Zeit, damit sie in einem von ihnen selbst gewählten Projekt Verantwortung übernehmen können (z.B. als „MitarbeiterInnen“ in einem Kindergarten).

 

„Ich war in einer Bücherei und musste jeden Tag Bücher wegräumen. Ich hatte es mir interessanter vorgestellt, aber ich habe so gelernt durchzuhalten!“, sagt Alma (13). Die ESBZ will Kindern so die Möglichkeit geben, ihre eigenen praktischen Erfahrungen zu machen. Dazu gehört auch das Projekt Herausforderung, welchem sich die SchülerInnen der Jahrgänge 8 bis 10 einmal im Jahr widmen. Ausgestattet mit maximal 150 Euro geht es raus aus Berlin auf eine Paddeltour oder Wandern. Andere SchülerInnen schreiben einen Roman oder entwerfen eine Modekollektion. Alles ist erlaubt, denn jedes Kind entscheidet selber worin in diesem Jahr ihre oder seine persönliche Herausforderung liegt. Über die klassischen Fächer hinaus wird Kindern die Möglichkeit geboten, Mut und Freude an sozialer und ökologischer Verantwortung zu entwickeln.

 

Auch in der Schule selbst wird Eigenverantwortlichkeit groß geschrieben. In heterogenen Gruppen der Klassen 7 bis 9 lernt jeder in seinem eigenen Tempo, kann jeder von anderen lernen oder anderen helfen. Ständiger Begleiter ist hier das Logbuch, in das Schülerinnen und Schüler jeden Lernerfolg, jeden Baustein den sie erarbeitet haben, eintragen. Eine große Anzahl an Werkstätten ermöglicht ihnen auch die Setzung eigener Schwerpunkte: Sprachen, Kunst, Musik – alles ist dabei.

 

Besonders ins Auge fällt die Werkstatt „Lehrerfortbildung“. Hier bieten die SchülerInnen für LehrerInnen anderer Schulen eine Fortbildung an, bei der die Lehrkräfte einen Einblick in die einzelnen Bausteine bekommen. Dabei machen die SchülerInnen bis auf einen Input der Schulleiterin alles alleine. Den vielen Anfragen könne man anders gar nicht mehr nachkommen, so Margret Rasfeld.

 

Auch bei den Zuschauern gab es viele Nachfragen. Sowohl Margret Rasfeld als auch Josefine und Alma standen Rede und Antwort, sogar über die Veranstaltung hinaus. 

 

Zum Schluss noch ein Hinweis für alle Interessierte: Vom 19.-28. Januar 2013 ist ein ungewöhnlicher Schulbus in ganz Deutschland unterwegs: 10 Tage, 10 Städte, 10 Veranstaltungen – eine Roadshow zum Thema „Lernlust statt Schulfrust“. [Link: http://www.roadshow-lernlust.de/] Mit dabei sind die Mitinitiatoren von „Schule im Aufbruch“ Margret Rasfeld und der renommierte Göttinger Neurobiologe Dr. Gerald Hüter, sowie SchülerInnen der ESBZ, welche als „Bildungsexperten“ mitdiskutieren und informieren werden.

Bericht: Marlene Wette

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