Zum 100-jährigen Frauenwahlrecht in Deutschland sagt die frauenpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Aminata Touré:
Am 12.11.1918 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. In den 100 Jahren danach haben Frauen in vielen Kämpfen eine ganze Menge für die Rechte der Frauen erreicht. Aber es gibt noch viel zu tun.
Frauen sind gerade in den Parlamenten nach wie vor unterrepräsentiert. Das Ergebnis der Bundestagswahl im Jahr 2017 ist gleichstellungspolitisch desaströs. Seitdem sind nur noch 30,9 Prozent der Abgeordneten weiblich und auch in Schleswig-Holstein sind Frauen nur zu 30 Prozent vertreten. Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Bayern und Hessen sehen nicht besser aus: Nur 55 Frauen von 205 Abgeordneten im bayerischen Landtag und 45 Frauen von 137 Abgeordneten im Hessischen Landtag sind Frauen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist in den Parlamenten unzureichend repräsentiert. Im 100. Jahr nach der Einführung des Frauenwahlrechts ist das beschämend und kein gutes Zeugnis für unsere Demokratie.
Nicht nur in der Politik, auch in der Arbeitswelt und im Privaten ist noch jede Menge zu tun. Von einer wirklichen gesellschaftlichen Gleichstellung sind wir immer noch weit entfernt. Es sind meistens Frauen, die sich um Haushalt und Familie kümmern. Sie stecken beruflich zurück, zugunsten der Karriere ihrer Partner. Sie gehen länger in Elternzeit und arbeiten in Teilzeit. Die fehlende Gleichstellung ist nicht nur ein privates, sondern ein gesellschaftliches Problem.
Wir haben die Zielsetzung der paritätischen Besetzungen im öffentlichen Dienst und eine 30-Prozent-Quote für börsennotierte Unternehmen für Führungspositionen. Beides hilft aber nicht, wenn Frauen beim Erklimmen der Karriereleiter die Sprossen versperrt werden. Quote und Frauenförderung sind ein Anfang.
Wir brauchen weitere gesetzliche Regeln, um Karrieren von Frauen zu fördern. Rückkehrrecht in Vollzeit, echte Teilzeitmöglichkeiten auch für Männer. Bedarfsgerechte Kinderbetreuung und familienfreundliche Unternehmen sind andere wichtige Punkte. Heutzutage sollte es selbstverständlich sein, dass in einer Partnerschaft beide den Haushalt schmeißen und Karriere machen. In vielen Köpfen ist es das bereits, um die Rahmenbedingungen müssen wir uns noch kümmern.
Fraktion SH



