Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 20 – Gebührenfreie Meister*innenprüfung
Dazu sagt der wirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß:
Sehr geehrte Damen und Herren,
seine Meisterin oder seinen Meister zu machen, war seit jeher nicht nur eine hohe und anspruchsvolle Qualifikation, sondern auch ein hoher finanzieller Aufwand für die Betroffenen. Mit diesem Antrag will die Opposition sicherstellen, dass künftig für den Erwerb des Meister*innenbriefes keine Lehrgangskosten und Prüfungsgebühren anfallen. Das grundsätzlich gut und richtig, aber eine Wiederholung ihres Antrages mit anschließender Anhörung in 2017.
Wir haben bereits gehandelt und werden das konsequent fortsetzen. Es gibt aber nicht nur die Meister*innen, die Kosten für ihre Ausbildung bezahlen müssen. Wir wollen langfristig die Kostenfreiheit und Gebührenfreiheit für sämtliche Aufstiegsqualifikationen einführen. Lebenslanges Lernen und Weiterbildung sind heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Mit der Einführung einer Meistergründungsprämie 2018 sind wir einen ersten Schritt in die nachhaltige Förderung von Unternehmensgründungen in Schleswig-Holstein gegangen.
Die Gründe hierfür waren ähnlich:
Die Unternehmer*innen in Schleswig-Holstein sind überdurchschnittlich alt. Wir haben im Handwerksbereich 8.000 Inhaber*innen, die 55 Jahre oder älter sind. Es wird in den nächsten Jahren verstärkt zu Betriebsübergaben kommen müssen. Schon jetzt haben wir übergreifend große Schwierigkeiten, Nachfolger*innen zu finden.
Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, das Aufstiegsfortbildungsgesetz zu überarbeiten. Und zwar für alle Berufssparten. Wir müssen zu einem verlässlichen Bildungsversprechen kommen und das lautet: Jede und jeder sollte den Ausbildungs- und Weiterbildungsweg der eigenen Wahl gehen können und das völlig unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.
Wir vertun enorme Chancen, wenn wir auf das hohe, oftmals besonders kreative Potential derer verzichten, die nicht mit dem berühmten „goldenen Löffel im Mund“ geboren sind. Weil die sich eine teure Weiterbildung schlicht nicht leisten können. „Wir wollen Schleswig-Holstein zu einem echten Gründerland machen“ – so sagt der Koalitionsvertrag. Und wer gut ausgebildet ist, kann gut gründen. Das wäre die logische Schlussfolgerung.
Auch der Fachkräftemangel war im Landtag bereits Thema in der 18. Sitzung im Januar dieses Jahres. Wir brauchen dringend qualifiziertes Personal. Der starke Arbeitsmarkt lockt mit guten Verdienstmöglichkeiten, auch im Sektor der hohen, praxisorientierten Qualifikationen. Wir müssen darum werben, dass die höchste Qualifikation innerhalb einer Berufssparte von möglichst vielen Menschen angestrebt wird, weil wir diese Fachkräfte dringend brauchen.
Wer in seinem Beruf, nach Abschluss der Ausbildung bereits am Ende der beruflichen Entwicklung angekommen ist, den wird das System unter Umständen nicht lange halten können. Und Abwanderung können wir uns nicht leisten.
Hinzu kommt, dass zum Beispiel in den klassischen Handwerksbetrieben eine Meister*innenpflicht in Deutschland besteht. Wer ausbilden will, muss den Meister*innen-Brief haben. Und qualifizierte Ausbildungsstätten brauchen wir ebenfalls dringend.
Es beißt sich die Katze in den Schwanz: Händeringend benötigte Fachkräfte und staatlich vorgeschriebene und obendrein teure Qualifikationen mit aufwändigen Prüfungsgebühren – das passt nicht zusammen.
Vielen Dank
Fraktion SH



