Die Landwirtschaft hat eine Vorreiterrolle bei der Energiewende

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 8 – Regenerative Energien in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum technologieoffen voranbringen

 

Dazu sagt der energiepolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen,Bernd Voß:

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleg*innen,

 

Kernaufgabe der Landwirtschaft ist es einerseits, gesunde und vielfältige Nahrungsmittel zu erzeugen und dabei einen Beitrag zur Sicherung der Umweltentwicklung zu leisten. Es war aber auch immer, mit unterschiedlicher Intensität, Teil landwirtschaftlichen Wirtschaftens, erneuerbare Rohstoffe und Energien zu erzeugen.

 

Dies wurde durch die Nutzung fossiler Brennstoffe im vergangenen Jahrhundert verdrängt. Es waren besonders Unternehmen und Akteure im ländlichen Raum, die mit dem Atomausstieg, der Energiewende, der Klimakrise und dem Ausstieg aus den fossilen Energien neue Technologien zur Energiegewinnung entwickelt haben. Sie haben sie effizient gemacht und zur Marktreife gebracht. Sie haben somit die Möglichkeiten der Energiewende sichtbar gemacht haben.

 

In diesem Antrag haben wir eine Reihe von Handlungsfeldern aufgezeigt, die im Rahmen der Strategien und Programme Berücksichtigung finden sollen. Der technologieoffene Einsatz von Fahrzeugantrieben: Da gibt es nicht die eine Antwort. Denkbar ist der Elektroantrieb mit Akkus für leichte Fahrzeuge oder kleine Roboter. Zudem der Antrieb durch Brennstoffzellen – wie auch im Baumaschinenbereich –, Biotreibstoffe wie Öl oder Gas als auch synthetische Treibstoffe auf der Basis Erneuerbarer Energien. Interessant ist auch die Verwendung von reinem Wasserstoff nicht nur über Brennstoffzellen, sondern entwickelte hierfür geeignete Verbrennungsmotoren

 

Weiterentwicklung der Nutzung von anfallenden betrieblichen und regionalen Reststoffen für die Energiegewinnung. Hierbei geht es zum einen um die Nutzung dieser Energien nicht mehr nur als sogenannte Grundlast, sondern um die flexible Einspeisung zur Netzstabilisierung. In der Nutzung der Anlagen bietet es sich besonders an, über Elektrolyse erneuerbares H2 zuzuführen und die anwesenden Bakterien in einigen Überstunden zu befähigen, daraus zusammen mit dem vorhandenen CO2 erneuerbares Methangas aufzuwerten. Das Ergebnis ist ein deutlich höherer Ertrag bei gleichem Biomasse-Input, gerade dann, wenn der Wasserstoff auch direkt zur CO2-Bindung und anschließender netzdienlichen Stromerzeugung beigemengt werden kann.

 

Das alles sollte einhergehen mit einer optimalen Nutzung von anfallender Wärme. Auch hier kann der ländliche Raum einen erheblichen Beitrag leisten, um das Ziel der Wärmeerzeugung aus Erneuerbaren Energien zu schaffen. Möglich sind 22 Prozent bis 2025 statt nur 14 Prozent heute.

 

Energiegenossenschaften können im ländlichen Raum einen besonders wirksamen Beitrag zur Einsparung von Energie leisten. Darum haben wir im Koalitionsvertrag unter anderem die Schaffung eines Bürgerenergiefonds vereinbart. Ideen und gemeinsames Engagement müssen früh gestützt und ermutigt werden. Sei es in Form von Wärmegenossenschaften, Bürger*innensolarparks oder Bürger*innenwindparks.

 

Zu all dem hinzu kommt natürlich, dass der Bundesgesetzgeber endlich den regulatorischen Rahmen der Abgaben anpassen muss, damit Erneuerbare auch zügig die Marktperspektive erhalten, die sie dringend brauchen. Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED II zur Entwicklung der Erneuerbaren in Europa ist bei aller Kritik, ein starker Pfeiler. Sie kann die zukünftige Entwicklung der Erneuerbaren bei uns und in Europa voranbringen. Diese EU-Richtlinie ist auch darauf angelegt, dass die Bundesregierung sie zügig umsetzt.

 

Verschiedene  Techniken zum Beispiel im Bereich der Sektorenkopplung sind hoch effizient. Unternehmen und Verbraucher*innen warten auf wirksame Regelungen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit endlich nicht mehr blockieren. Je später sie umgesetzt wird, umso langsamer erreichen wir die Klimaziele.

 

Zwei weitere Punkte, die wir im Antrag haben, könnten auch eigenständige Anträge füllen: Das ist einmal die Bitte, im Rahmen von laufenden Quartiersentwicklungen auch die Entwicklung von „Unter-Glas-Kulturen“ wie Vertical-Farming bei effizienter Nutzung von Erneuerbaren positiv zu begleiten. Und das ist die Bitte, im Rahmen der Fortschreibung der Aquakulturstrategie auch die Entwicklung von Aquakulturanlagen unter Integration von regionalen Erneuerbaren Energiequellen und Abwärmequellen zu berücksichtigen. Einige Standorte im Land sind hier wegen ihrer Lage zu Wärmeangeboten besonders geeignet. Auch wenn zahlreiche Fragen des Tierschutzes, der Umweltwirkung und der Nährstoffkreisläufe noch beantwortet werden müssen: Derzeit werden fast 90 Prozent der bei uns verzehrten Fische importiert – 50 Prozent aus Aquakulturen.

 

Es ist nicht besonders nachhaltig und klimafreundlich, wenn der Frankfurter Flughafen so der größte deutsche Fischereihafen bleibt.

Thema: 

Grüne Partei SH
Anträge in Leichter Sprache
Parteiratsbericht der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen
Link zum FördeWind - Das Magazin der Grünen Landtagsfraktion Schleswig-Holstein