Die Natur kommt ohne uns aus, wir aber können ohne sie nicht überleben

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 37 – Landesstrategie zur Sicherung der biologischen Vielfalt

 

Dazu sagt die umweltpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Marlies Fritzen:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Der Natur in unserem Land geht es schlecht. Rund die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten sind in ihrem Bestand gefährdet. Ihre Lebensräume werden durch menschliche Nutzung so stark überformt, dass sie dort keine Nahrung und keine sicheren Rückzugsorte mehr finden. Flächenfraß durch Straßen- und Siedlungsbau sowie eine intensive Landwirtschaft bedrohen die Artenvielfalt. Das gilt weltweit, das gilt aber auch unmittelbar vor unserer Haustür.

 

In Schleswig-Holstein ist die Erreichung der europäischen wie nationalen Ziele bei der Bewahrung der biologischen Vielfalt nicht gesichert. Und darum ist die neue Landesstrategie ein wichtiger, ein entscheidender Schritt für eine Trendumkehr. Gelingt diese nicht, ist auch die Lebensgrundlage für uns Menschen gefährdet.

 

Wir können nur solange fischen, wie Fische im Meer schwimmen. Die aktuellen und lange absehbaren Fangverbote für Dorsche machen dies drastisch klar. 75 Prozent unserer Nahrungspflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Der dramatische Rückgang der Insekten gefährdet unsere Nahrungsgrundlage.

 

Intensive Landwirtschaft, die in Schleswig-Holstein auf fast 70 Prozent unserer Landesfläche betrieben wird, ist mit ihrem Pestizideinsatz zugleich der Haupttreiber für den Artenschwund. Überdüngung gefährdet zudem unser Trinkwasser.

 

Das alles ist nicht neu, aber wie vor dem menschengemachten Klimawandel verschließen wir die Augen vor den Folgen und sägen immer weiter an dem Ast, auf dem wir sitzen. Die Auswirkungen des Klimawandels wie Starkregen und Überflutungen einerseits und Dürresommern andererseits spüren wir in immer kürzeren Zeiträumen.

 

Der Verlust an biologischer Vielfalt ist wegen der komplexen Wirkungszusammenhänge von Ökosystemen bisweilen weniger klar erkennbar. Gefährlich auch für den Menschen kann es gleichwohl werden. Die Natur kommt ohne uns aus, wir können aber ohne eine intakte Natur auf Dauer nicht überleben.

 

Das Elbehochwasser hat es 2002 sehr eindrücklich gezeigt: die Elbe hat sich in Teilen ihr ursprüngliches Bett gesucht. Die künstliche Begrenzung durch den Menschen hat nicht gehalten. Das beweist: Nur wo wir Menschen der Natur ihren Raum lassen, finden wir einen sicheren Platz für unser Leben.

 

Dabei wissen wir, was zu tun ist: Wir brauchen mehr Lebensräume, in denen sich die Natur weitgehend ungestört entwickeln kann. Wir brauchen eine stärkere Vernetzung dieser Lebensräume, damit Arten wandern können und genetische Vielfalt entwickelt wird. Wir brauchen Renaturierungsmaßnahmen, um Lebensräume ökologisch aufzuwerten. Wir brauchen eine andere Landwirtschaft, die mit der Natur und nicht gegen sie arbeitet. Und vor allem brauchen wir mehr Menschen, denen die Natur wichtig ist

 

Wir wissen es seit langem: Weder Ursachen noch Maßnahmen sind grundlegend neu. Neu ist aber die vorliegende Landesstrategie und neu ist auch, dass sie gemeinsam mit allen gesellschaftlichen Akteur*innen aus Naturschutz und Naturnutzung erarbeitet wurde. Sie bringt so zusammen, was zusammengehört und zusammen gedacht werden muss. Das Gegeneinander hilft weder dem Naturschutz noch den Naturnutzer*innen. Wenn es endlich gelingt, die Schützengräben in dieser Debatte zuzuschütten, wäre ein wichtiger Teil der Arbeit getan.

 

Mit den Gesprächen über die Zukunft der Landwirtschaft und der Formulierung der Strategie zur Sicherung der biologischen Vielfalt haben wir in dieser Legislaturperiode eine Basis für die Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen geschaffen. Das ist mehr als ich am Anfang vermutet habe und das ist gut so.

 

Jetzt müssen den Worten Taten folgen: 30 Prozent der Landesfläche und Meeresgebiete sollen stärker als bisher geschützt werden. Ausgehend von Kernaktionsräumen soll ein Biotopverbund entstehen. Konkrete Maßnahmen werden bis Ende 2022 ausbuchstabiert. Es wird Mittel und Personal für einen effektiveren Naturschutz geben.

 

Die neue Landesstrategie zur Sicherung der biologischen Vielfalt ist keine Eintagsfliege, sondern auch ein Auftrag für die kommende Wahlperiode.

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