E-Züge sind in der Klimabilanz unschlagbar

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 19 – Für eine erfolgreiche Elektrifizierungsoffensive im Schienenverkehr

 

Dazu sagt der verkehrspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Andreas Tietze:

 

Liebe Kolleg*innen,

 

auf der Straße noch exotisch, auf der Schiene seit Jahrzehnten Alltag: Der elektrische Antrieb. Mit 80 Milliarden Personenkilometern jährlich fahren die Deutschen auf der Schiene zweihundertmal mehr elektrisch als mit E-Autos. 90 Prozent des Schienenpersonenverkehrs sind bundesweit elektrisch. Im Güterverkehr noch mehr.

 

Selbst im heutigen Strommix und erst recht mit der Energiewende hin zu Wind und Sonne sind E-Züge in der Klimabilanz unschlagbar. Im Vergleich zu Dieselzügen und erst recht zum Straßenverkehr. Daher verfolgen wir zwei Strategien: Den emissionsfreien Schienenverkehr und den starken Schienenverkehr als Rückgrat des Umweltverbundes.

 

Der erste Schritt ist der aktuell mit uns Grünen in der Jamaika-Koalition erfolgreich abgeschlossene und mit uns auch schon in der Küstenkoalition begonnene Kauf elektrischer Triebwagen ohne Oberleitung. Weitere werden folgen.

 

Damit hat es sich auf Nebenstrecken in wenigen Jahren ausgedieselt. Weniger Lärm und Schadstoffe sowie vor allem weniger Klimagase nützen allen. Im Jahr sparen wir dadurch 26.000 Tonnen schädliche CO2-Gase und 10 Millionen Euro Kosten für Diesel. Wirtschaft und Ökologie profitieren gleichermaßen.

 

Für große, lokbespannte Züge sind derzeit weder Akku noch Wasserstoff leistungsstark genug. Dieselloks schaffen zwei bis drei Megawatt, weswegen unsere Intercity nach Sylt gleich zwei Loks brauchen. Zwei Megawatt? Da fangen selbst kleine Triebwagen wie die der Nordbahn überhaupt erst an. Kleiner geht kaum. E-Loks haben normal fünf bis sechs Megawatt und über acht sind möglich. Das ersetzt bis zu vier Dieselloks. Kilowatt sind einfach besser als PS.

 

E-Traktion heißt:

1. Schnelleres Anfahren und so bei gleicher fahrzeit mehr Halte also auch mehr Fahrgäste.
2. Mehr Platz für die Menschen, die noch Auto fahren. Klimarettung geht nur mit der Verkehrswende.
3. Drei Kilowattstunden Wind statt eines Liters Diesel. Zwölf Millionen Euro Mehrkosten würden wir jährlich sparen.
Fazit: E-Züge sind einfach schneller, besser, billiger.
 

60 Prozent der deutschen Gleise sind elektrifiziert. Bis 2025 will die Berliner GroKo 10 Prozent, also 3.500 Kilometer dazu bauen. Historisch bedingt wurde bei uns erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs begonnen, Oberleitungen zu bauen. 1993 nach Kiel und Flensburg. Später Lübeck und Itzehoe sowie Büchen als Teil der Strecke nach Berlin.

 

Von unseren 1.200 km Strecken sind nur 29 Prozent elektrisch. Uns fehlen 350 bis 500 km Oberleitungen – wir haben die rote Laterne bei der Elektrifizierung in Deutschland. Das müssen wir ändern.

 

Wo macht es Sinn in Schleswig-Holstein zu elektrifizieren:

1. Hohe Netzwirkung: Neumünszer - Bad Oldesloe zum Beispiel schließt die Lücke zwischen den Netzen Ost und Mitte. Wir brauchewn endlich den Bypass nach Hamburg, wenn Elmshorn, so wie am Montag wieder, gesperrt ist.
2. Hohes Aufkommen wir nach Sylt und zwischen Kiel und Lübeck.
3. Starker Nahverkehr im Umland von Zentren. Flensburg und Kiel brauchen Regio-S-Bahnen und Südholstein die S21.
4. Lückenschlüsse für einheitliche und damit günstigere Fuhrparks. Husum - Lübeck und Neumünster - Ascheberg gehören dazu.
 

Meine Damen und Herren,

 

Ausschreibungen senkten zwanzig Jahre lang die Kosten. Dieser Schatz ist gehoben. Lassen Sie uns den neuen Schatz der E-Traktion heben. Schnelle, starke E-Züge für weniger Emissionen und Staus durch mehr Kapazität und bessere Anbindungen. Gerade ein Tourismusland wie das unsere braucht das.

 

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