Eine Imagekampagne für den Strafvollzug wäre sinnvoll

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 44 – Bericht der Landesregierung zur langfristigen Personalstrategie für den Justizvollzug

 

Dazu sagt der innen- und rechtspolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen,

Burkhard Peters:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

viel Wichtiges ist schon gesagt. Und darum nur kurz: Vielen Dank Herr Minister Claussen für den Bericht. Er zeigt das bestehende Problem knapp und prägnant auf. Unter Berücksichtigung der Altersabgänge müssen wir in den nächsten fünf Jahren insgesamt 281 Stellen im Bereich des Justizvollzuges neu besetzen. Das größere Problem ist dabei die Besetzung von 247 Stellen im Allgemeinen Vollzugsdienst und Werkdienst, also bei der Laufbahngruppe 1.2.

 

Die Anforderungen, die der anspruchsvolle und schwierige Dienst in den Justizvollzugsanstalten an die zu gewinnenden Bewerber*innen stellt, sind denkbar hoch. Sie sollten Lebenserfahrung mitbringen, am besten bereits in einem anderen Beruf gewonnen. Denn für Berufsanfänger*innen ist der Job mit seinen sehr breit gefächerten Anforderungen eine echte Herausforderung.

 

Sie müssen körperlich fit und sportlich sein, weil es Lagen im Vollzugsalltag gibt, in denen unmittelbarer Zwang unter Einsatz von körperlicher Gewalt ausgeübt werden muss. Sie müssen emphatisch, sozialkompetent, sprachgewandt und deeskalationsfähig sein, um eskalierende Lagen möglichst im Vorfeld zu verhindern.

 

Sie müssen verstanden und tief verinnerlicht haben, dass alle Gefangene einen Anspruch auf intensiven Behandlungsvollzug haben, um einen guten Weg in ein straffreies Leben zu finden. Dabei müssen sie eine ausreichende Frustrationstoleranz aufweisen, weil sie bei ihren Bemühungen um Resozialisierungen auch Rückschläge erleben werden.

 

Sie müssen charakterlich überaus gefestigt sein, denn sie haben es teilweise mit Menschen zu tun, die hohe Fähigkeiten zur Manipulation bei der Durchsetzung ihrer nicht regelkonformen Interessen in der Anstalt aufweisen. Sie müssen es hinnehmen können, einen Beruf auszuüben, der beispielsweise im Gegensatz zum Polizeiberuf wenig Anerkennung in der Bevölkerung genießt. Denn der Knast wird in der Öffentlichkeit vor allem als ein problembehafteter Ort angesehen, der vornehmlich dann mediale Aufmerksamkeit erhält, wenn es Stress gibt: zum Beispiel Ausbrüche, Geiselnahmen oder Meutereien. Und sie müssen bereit sein, viele Jahre einen nicht besonders familienfreundlichen Wechselschichtdienst zu leisten, wobei die Aufstiegschancen sehr überschaubar sind.

 

Kurz: wir suchen Superman und Superwoman! Dem entspricht die Feststellung im vorgelegten Bericht, dass es bezüglich der Bewerbungen für den allgemeinen Vollzugs- und Werkdienst zwar bislang keinen Mangel an Bewerbungen gibt, sehr wohl aber eine zu geringe Zahl geeigneter Bewerber*innen. Nur zirka zwei bis drei Bewerbungen kommen überhaupt in die engere Wahl.

 

Ich schlage vor, dass wir uns im Innen- und Rechtsausschuss mit dieser Problematik noch einmal intensiver befassen: wie ist das gegenwärtige Anforderungsprofil genau definiert? Gibt es dort noch Stellschrauben, um zu einer höheren Zahl von potenziell geeigneten Bewerbungen zu kommen? Reichen die bisherigen Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitszufriedenheit bei den Belegschaften aus? Das ist ein wichtiger Aspekt, weil er unmittelbar Auswirkung auf Berufsentscheidungen im familiären Kontext von Vollzugsbediensteten hat.

 

Es ist zum Beispiel bekannt, dass im Bewerbungsfeld für den Polizeiberuf überdurchschnittlich viele Menschen zu finden sind, die ein positives Bild durch Verwandte im Polizeidienst vermittelt bekamen. Vor allem auch über mein, auch hier im Landtag gebetsmühlenhaft wiederholtes, Lieblingsthema 'Imagekampagne für den Strafvollzug' möchte ich noch vertieft mit Fachleuten sprechen.

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