Energiewende geht nicht ohne den zügigen Ausbau der Erneuerbaren

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 26 – Bericht zur Energieforschung

 

Dazu sagt der energiepolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen,

Bernd Voß:

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren!

 

Forschung für Energiewende ist in Schleswig-Holstein nicht neu. Mit dem legendären Growian (Großwindanlage) wurde Ende der 70er, Anfang der 80 Jahre des letzten Jahrhunderts in der Trägerschaft der Atomkonzerne, bezahlt mit Forschungsmitteln des Bundes, eine Windkraftanlage im Kaiser Wilhelm Koog erstellt. Sie hatte die theoretische Leistung von 3MW. Das liegt im Durchschnitt der heute errichteten Windkraftanlagen. Aber mit ganzen 420 Stunden hat sie nie nennenswert Strom erzeugt. Es war ein Feigenblatt der damaligen Elektrizitätswirtschaft.

 

Vom damaligen RWE Vorstand Günther Klätte sind wie auch vom Bundesfinanz- und Forschungsminister Matthöfer öffentliche Bekundungen überliefert, dass man es ja nur machen würde, um zu beweisen, dass es nicht geht. Ein pädagogisches Modell, um zur Abkehr vom Glauben an die Erneuerbaren zu bewegen.

 

Das hat aber zum Glück nicht geklappt. Bei uns im Norden haben sich erneuerbare Energien mit viel mittelständischem Forscher*innen- und Pioniergeist aus kleinen Anlagen heraus zu der Leistung und Effizienz entwickelt, wie wir sie heute kennen.

 

Die Energiewende ist eine zentrale Herausforderung für Forschung und Wissenschaft. Kreative Köpfe aus Wissenschaft, Technik und Handwerk im Land entwickeln mit ihren Ideen hervorragende Lösungen.

 

Ich danke der Landesregierung und dem Minister für ihren Bericht zur Energieforschung aber auch den Menschen, die sich engagieren, den Innovationstreiber*innen den Weg zu den Netzwerken zu ebnen und auch Unterstützungen zu geben.

 

Energieforschung in Schleswig-Holstein ist getragen von über 90 führenden Köpfen und vielen engagierten Mitarbeiter*innen an den Forschungsprojekten und Studiengängen zu Energie und Klimaschutz an Hochschulen und Forschungsinstituten. Über 150 Forschungs- und Entwicklungsprojekten, 15 Kompetenzzentren und Großprojekten, sowie 29 Studiengängen mit Energiebezug.

 

Die Vielfalt der Forschungsprojekte macht auch deutlich - Ob in Strom, Wärme, Mobilität oder Industrie: Eine erfolgreiche Energiewende setzt sich aus vielen Bausteinen, die laufend auf hohem Niveau erforscht, weiterentwickelt und umgesetzt werden müssen, zusammen. So steht derzeit im Land die Bewerbung um die Mittel aus dem 7. Energieforschungsprogramm des Bundes für ein Reallabor an - Mitteln dafür in Höhe von bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr für Projekte an der Westküste stehen bei Erfolg in Aussicht.

 

In Itzehoe wird in Zusammenarbeit mit der Stadt, der regionalen Wirtschaftsförderung sowie der Landesregierung daran gearbeitet, eine Fraunhofer Forschungseinrichtung für Batterietechnik zu gewinnen - Projektumfang 500 Millionen Euro.

 

Was zeichnet den Standort in Schleswig-Holstein hier aus? Es ist die Nähe zu dem vorhandenen Fraunhofer ISIT sowie dem IZET-Technologiezentrum, die sich beide durch Schwerpunkte bei den Erneuerbaren auszeichnen.

 

Es sind aber auch immer wieder mittelständische Unternehmen, die zu wichtigen Teilfragen durch ihr Engagement Lösungen entwickeln. Für das störende nächtliche Blinken der Windkraftanlagen waren sie es, die verschiedene Lösungsangebote über Jahren zur Marktreife entwickelt haben.

 

Jetzt endlich will der Bundesgesetzgeber seine eine Jahrzehnt dauernde Blockade aufgeben und über eine Transponderpflicht für alle Flugzeuge die einfachste und kostengünstigste Lösung ermöglichen. Bleibt zu hoffen, dass es auch zeitnah umgesetzt wird.

 

Es gibt noch vieles zu erforschen und zu verbessern. Wenn aber der energie- und klimapolitische Rahmen der Abgaben und Steuern in die falsche Richtung zeigt, wird die flächendeckende Umsetzung der Energiewende in allen Sektoren nur langsam vorwärts kommen. Nur mit mehr Preiswahrheit, die die externen Kosten für fossile Energieträger berücksichtigt und damit zukunftsfähige Konzepte begünstigt, kann die Energiewende in Schleswig-Holstein und anderswo ein Erfolg werden.

 

Die Zeit drängt. In Deutschland sind noch 85 Prozent der Primärenergie fossil oder nuklear, in Europa über 90 Prozent. Ab 2050 gilt: Kohle, Öl und Gas müssen in der Erde bleiben.

 

Bei allem Forschen nach Wegen der Veredelung der erneuerbaren Energien bei uns in der Region darf nicht übersehen werden: Wer auch zukünftig genug erneuerbare Energien für seine Produkte ernten will, muss auch zeitig sähen. Energiewende geht nicht ohne den zügigen Ausbau der Erneuerbaren.

Thema: 

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Parteiratsbericht der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen
Link zum FördeWind - Das Magazin der Grünen Landtagsfraktion Schleswig-Holstein