Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 11 – Mündlicher Bericht zur Fachkräfteinitiative des Landes
Dazu sagt die Vorsitzende der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen,
Eka von Kalben:
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren,
auch ich danke dem Wirtschaftsminister, dass er uns heute den Bericht des Landes zur Fachkräftesicherung vorgestellt hat. Bereits 2012 wurde die Fachkräfteinitiative „Zukunft im Norden“ von der Vorgängerregierung gegründet, ein breites Netzwerk etablierte sich. Das Thema ist uns also nicht neu und es ist gut, dass die jetzige Regierung diese wichtige Arbeit fortsetzt.
Auf unserem Arbeitsmarkt hat eine Umkehr stattgefunden. Während der größte Teil von uns es noch so kennt, dass ein*e Bewerber*in sich um einen Arbeitsplatz bemühen musste, ist es jetzt meistens umgekehrt: Es gibt neben dem klassischen Arbeitsmarkt, jetzt auch den Bewerber*innenmarkt. Und um den müssen sich Arbeitgeber*innen bemühen.
Vollbeschäftigung in Stormarn klingt gut, aber die Kehrseite ist sehr konkret. Denn wenn zum Beispiel Stellen für Bauingenieur*innen fehlen, dann heißt es, dass lange geplante und genehmigte Bauvorhaben nicht realisiert werden können und zwar nicht, weil das Wetter es nicht zulässt oder eine Finanzierung nicht steht, sondern weil schlicht die Menschen fehlen, die die Arbeit tun. Was bedeutet es, wenn im Kreis Pinneberg 15 offene Erzieher*innen-Stellen in den KiTas nicht besetzt werden können? Das heißt, dass die vorhandenen Mitarbeiter*innen dauerhaft überlastet oder krank werden und im schlimmsten Fall die Kinder nicht in der KiTa betreut werden können.
Und das heißt weiter, dass sich die Eltern aufteilen, wer die Betreuung übernimmt und dass sie ihrer Beschäftigung nicht nachkommen können. Wenn wir über ein Fachkräfteproblem sprechen, gibt es 1.000 Stellschrauben, die zu drehen sind. Da ist nicht nur der Wirtschaftsminister gefragt, sondern das ganze Kabinett. Nicht nur die Landesregierung, sondern die ganze Gesellschaft. Und es ist gut, dass sich die FISH auf bestimmte Cluster konzentriert hat. Ich möchte einige politische Aspekte ansprechen. Es besteht Handlungsbedarf und wie in so vielen Politikfeldern ist es fünf nach zwölf:
Erstens: Der Spurwechsel
Meine Damen und Herren,
es sollte uns jede*r willkommen sein, die oder der uns dabei hilft, unsere dringenden Bedarfe im Bereich der Fachkräfte abzubauen. Wer in unserem Land eine qualifizierte Ausbildung anstrebt und absolviert, sollte das auch herzlich gern tun dürfen. Daher begrüßen wir das Konzept Spurwechsel ausdrücklich. Dank an die CDU in Schleswig-Holstein an dieser Stelle, dass sie diesen Weg gegen den Widerstand im Bund unterstützt. Die Einwanderung nimmt aktuell wieder ab und das können wir uns nicht leisten.
Wir brauchen rechtliche Einwanderungs- und Bleiberegelungen. Und wir brauchen ein gesellschaftliches Klima, das internationale Fachkräfte einlädt und nicht abschreckt.
Zweitens: Ausbildungswege und Richtlinien
Auch unsere Ausbildungswege und Richtlinien stehen auf dem Prüfstand. Wird für eine Ausbildung keine oder eine extrem geringe Ausbildungsvergütung gezahlt oder sogar noch Schulgeld gefordert, dann ist es kein Wunder, dass dieser Ausbildungsweg nicht ausreichend nachgefragt wird. Es gibt ja genügend Alternativen. Daher ist es goldrichtig, das Schulgeld gerade für Mangelberufe abzuschaffen, wie wir es zum Beispiel für die Gesundheitsberufe auf den Weg gebracht haben.
Drittens: Fachkräfte halten
Neben der Gewinnung neuer Fachkräfte geht es auch um den Erhalt von Menschen im schleswig-holsteinischen Arbeitsmarkt. Außerdem trifft der demographisch bedingte Fachkräftemangel auch auf eine neue Arbeitswelt: die Digitale. Auch deshalb ist Weiterbildung und lebenslanges Lernen ein Muss – nicht im Sinne von Wissen eintrichtern, sondern im Sinne von Entwicklung und Reifung. Beim Neujahrsempfang der IHK Lübeck letzte Woche betonte neulich ein IT-Unternehmer ausdrücklich, wie wichtig Fähigkeiten wie Kreativität, Teamgeist und soziale Intelligenz sind. All das wird durch persönliche Entwicklung erworben. Wer in seinem Beruf, nach Abschluss der Ausbildung, bereits am Ende der Entwicklung angekommen ist, den wird das System unter Umständen nicht lange halten können.
Aber noch mehr hat sich verändert: Hat früher ein Mensch eine Lehre absolviert, so ist er nach 45 Jahren Erwerbstätigkeit in seinem erlernten Beruf in den Ruhestand gegangen. Heute können wir nicht mehr davon ausgehen, dass das, was unsere erste Ausbildung war, auch die Tätigkeit am Ende unserer aktiven Arbeitszeit sein wird. Fachkräftemangel hat also auch etwas damit zu tun, die Menschen in den Betrieben zu entwickeln und zu fördern.
Meine Damen und Herren,
wie bereits gesagt, Fachkräftesicherung ist eigentlich ein Regierungsprogramm. Bildung und Kinderbetreuung und auch alles, was dazu führt, dass Menschen gerne in Schleswig-Holstein leben und arbeiten, sind Bestandteile der Fachkräftesicherung. Ich bin mir sicher, dass die Regierung mit ihrem Programm auf dem richtigen Weg ist.
Vielen Dank
Fraktion SH



