Europa wächst durch Austausch und Auslandserfahrungen zusammen

Rede zu Protokoll gegeben!

 

TOP 25 – Erasmus+ ab 2021: Eine zukunftsorientierte

Programmausgestaltung während und nach der Pandemie

ermöglichen

 

Dazu sagt die Fraktionsvorsitzende der

Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen,

 

Eka von Kalben:

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

bei Erasmus denken viele junge Menschen an spannende Erfahrungen. An neue Freundschaften, an andere Kulturen, an Reisen. An ein Programm für Studierende. Andere denken vielleicht eher an Erasmus von Rotterdam, den großen Denker der Neuzeit, der selbst in den verschiedensten Ländern Europas gelernt und gelehrt hat.

 

Auf jeden Fall kommt es mir komisch vor, über europäischen Austausch zu sprechen, wenn doch genau dieser Austausch gerade ausgebremst scheint. Aber auch Erasmus von Rotterdam musste wegen einer Pandemie seine Hochschulpläne erst auf Eis legen.

 

Seit 2014 sind die verschiedenen Bildungsprogramme der EU unter dem Dach Erasmus+ vereint. Mit einem Budget von fast 15 Milliarden Euro konnten so in den vergangenen sechs Jahren – bis zum Beginn der Corona-Pandemie – mehr als vier Millionen jungen Menschen Auslandsaufenthalte innerhalb Europas ermöglicht werden.

 

Und – anders als früher – richtet sich Erasmus+ nicht mehr ausschließlich an den kleinen Kreis Studierender, sondern steht auch Schüler*innen, Auszubildenden sowie Fachkräften aus allen Bildungsbereichen offen.

 

Uns ist dieser Austausch innerhalb Europas wirklich ein Herzensanliegen, denn dadurch wächst nicht nur unser Kontinent zusammen, sondern auch die jungen Menschen wachsen durch den Austausch und die Auslandserfahrungen.

 

Deshalb ist es wichtig, dass diese Bildungsmobilität nicht nur für einen kleinen Kreis, sondern für alle da ist. Mit der neuen Förderperiode sind wir – als eines von nur zwei Kultusministerien deutschlandweit – für den Schulbereich akkreditiert, sodass bis 2027 über 8.000 Schüler*innen die Möglichkeit eines Auslandsaufenthaltes bekommen werden.

 

Nun startet Erasmus+ zwar mit einem fast verdoppelten Volumen von insgesamt 26Milliarden Euro, aber eben auch mitten in der Pandemie in die nächste Förderperiode. Und leider macht die eingeschränkte internationale Mobilität auch vor den Auslandsaufenthalten keinen Halt. Ein weiterer Rückschlag nach dem Brexit.

 

Umso überraschender finde ich, dass die Anzahl der Erasmus-Auslandsaufenthalte nur um 25 Prozent zurückgegangen ist. Das liegt sicherlich auch daran, dass ad hoc digitale Alternativen geschaffen wurden, sodass zum Beispiel Vorlesungen digital besucht werden konnten.

 

Trotzdem ist ein Auslandsaufenthalt in Pandemie-Zeiten natürlich anders – und digitale Lehrveranstaltungen sollten auch nicht der neue Standard sein. In einem digitalen Format hätte mein sizilianischer Schwiegersohn auch sicher nicht meine Tochter in Berlin kennengelernt.

 

Wir stimmen mit dem SSW darin überein, dass der Aufenthalt im Gastland die präferierte Mobilitätsform bleiben sollte. Die neu entwickelten Ansätze müssen – auch da hat der SSW Recht – aber nicht gänzlich über Bord geworfen werden. Da sind wir gespannt, wie diese zukünftig genutzt werden können.

 

Der geringe Rückgang der Erasmus-Auslandsaufenthalte zeugt für mich auch davon, dass, trotz aller mit der Corona-Pandemie einhergehenden Widrigkeiten, das Interesse an einem Auslandsaufenthalt weiterhin groß ist. Das freut mich, denn wir werden langfristig nur erfolgreich sein, wenn wir uns als Europäer*innen verstehen und Probleme gemeinsam angehen. Das zeigt das Corona-Virus. Das zeigt die Klimakrise. Solche Probleme scheren sich nicht um Landesgrenzen und lassen sich nur im Verbund lösen.

 

Wir schlagen vor, den Antrag in den Bildungsausschuss zu überweisen und sind bei so viel inhaltlicher Einigkeit zuversichtlich, dass wir einen gemeinsamen Antrag hinbekommen.

 

Vielen Dank.

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