Keine Schule in Corona-Zeiten wäre katastrophal

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 31 + 33 – Bericht zur Lage an den Schulen im Corona-Herbst

 

Dazu sagt die Vorsitzende der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Eka von Kalben:

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

vielen Dank, Frau Ministerin, für Ihren umfassenden Bericht. Vieles davon haben Sie bereits im Bildungsausschuss berichtet. Aber das Thema Corona an Schulen bewegt sehr viele Menschen. Deshalb ist es gut, wenn wir über das Thema auch noch einmal im Landtag sprechen.

 

Zuerst einmal: Den Schulen gelingt es gut, den Regelunterricht unter Corona-Bedingungen zu gewährleisten. Sie haben gute Hygienekonzepte erstellt und das Kohortenprinzip umgesetzt. Das war eine Menge Arbeit und ist es immer noch. Dafür ein großes Danke an die Lehrkräfte und alle Beteiligten. Es ist nicht selbstverständlich, zum Teil viele Überstunden zu machen, um das Lernen auf Distanz vorzubereiten und durchzuführen und gleichzeitig den Unterrichtsalltag in Präsenz zu gestalten.

 

Zum Glück sind die Infektionszahlen an den Schulen bis jetzt gering. Keine Schule hat sich zum Hotspot entwickelt. Deshalb und aufgrund der vielen negativen Erfahrungen aus dem Lockdown im April finden wir es richtig und wichtig, die Schulen, wie auch die Kitas, so lange wie möglich offen zu halten. Dies wünscht sich auch die Mehrheit der Eltern.

 

Bund und Land haben in den letzten Monaten viele Millionen zur Verfügung gestellt, um den Schulträgern finanziell unter die Arme zu greifen und auch, um die Digitalisierung voran zu bringen. Wir haben gerade die aktuellen Zahlen von der Ministerin gehört.

 

Wir sind bei dem Thema Digitalisierung große Schritte vorangekommen. Es ist klasse, dass die Sofortausstattungsmittel für Laptops für Schüler*innen zu über 90 Prozent abgerufen wurden. Der Run auf die Geräte ist riesig. Da ist es nicht verwunderlich, dass es zu Lieferengpässen kommt und leider nicht alle Geräte so schnell verfügbar sind.

 

Es ist auch super, dass inzwischen weit über tausend Lehrkräfte an der Fortbildung zum Lernmanagementsystem itslearning teilgenommen haben. Das Arbeiten mit einem Lernmanagementsystem bedeutet auch einen pädagogischen Innovationsschub und ermöglicht mehr individualisiertes Lernen.

 

Es läuft aber noch nicht alles rund. Wie auch? Die Schulbegleitung hat während der Zeit der Schulschließung längst nicht in allen Fällen geklappt. Obwohl das Land ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass sie auch zu Hause weiterlaufen soll. Auch jetzt hören wir, dass es zum Teil Probleme gibt. Dies zeigt einmal mehr, wie wichtig es ist, die Unterstützungssysteme in der Schule zu verzahnen und flächendeckend Poolmodelle zu entwickeln, um die Schüler*innen konstant zu unterstützen.

 

Auch das Lernen auf Distanz läuft noch nicht überall gut. Das zeigen die Umfrage vom Bildungsministerium und die der GEW. Das ist allerdings auch nicht verwunderlich, weil die Voraussetzungen an den Schulen sehr unterschiedlich sind: Wir haben zum Beispiel unsere digitalen Modellschulen, die seit Jahren viel digital arbeiten, vielfach einen Glasfaseranschuss und ein Lernmanagementsystem haben. Andere Schulen sind froh, wenn sie wenigstens für die Verwaltung eine stabile Internetverbindung haben. Deshalb ist es gut, wenn der Glasfaserausbau jetzt noch einmal schneller geht, damit die Schulen auch mit WLAN ausgestattet werden können.

 

Ein Punkt, nach dem wir immer mehr gefragt werden, ist das Lüftungskonzept. Viele Schulträger überlegen für einige schlecht zu lüftende Räume mobile Lüftungsgeräte anzuschaffen. Der Bund stellt allerdings 500 Millionen Euro nur für fest eingebaute Lüftungsanlagen in öffentlichen Gebäuden zur Verfügung. Sie sind nach fachlicher Meinung zwar besser, aber wir brauchen schnell Lösungen. Da wäre es gut, wenn der Bund noch einmal umdenkt und auch mobile Anlagen fördert.

 

Die Schulen werden im Moment vor ganz schön große Herausforderungen gestellt, um allen Schüler*innen gerecht werden zu können. Da die Schulen so unterschiedlich aufgestellt sind, ist es richtig, ihnen den Rahmen für ihre Arbeit in Corona-Zeiten mitzugeben. Das hat das Ministerium mit dem Rahmenkonzept gemacht, das vor den Sommerferien an die Schulen gegangen ist. Außerdem gab und gibt es regelmäßig wöchentlich Informationsschreiben an die Schulen.

 

Die SPD schlägt in ihrem Antrag jetzt unter anderem verpflichtende didaktische Methoden wie Tages- oder Wochenpläne beim Distanzunterricht vor und will den Lehrkräften vorschreiben, dass sie sich regelmäßig virtuell mit Schüler*innen treffen. Wir finden Verbindlichkeit richtig, damit der Schüler*in-Lehrkraft Kontakt auch beim Distanzlernen weiterläuft. Und auch Tages- und Wochenpläne sind gut, um Aufgaben zu strukturieren. Aber erstens wurde diese Erwartung vom Ministerium an die Schulen übermittelt und zweitens ist es meiner Meinung nach der falsche Weg, solche strengen pädagogischen Regeln von oben an die Schulen zu geben.

 

Beim Zurückfahren der Notengebung sind wir im Prinzip bei der SPD. Aber wenn wir Noten haben, dann müssen auch Leistungen aus dem Distanzunterricht einbezogen werden können. Das Schulgesetz sagt explizit, nur dann, wenn eine angemessene Gewichtung der Leistung möglich ist. Den Antrag der SPD werden wir deshalb ablehnen.

 

Schule in Corona-Zeiten ist herausfordernd, aber keine Schule in Corona-Zeiten ist katastrophal. Das hat das Frühjahr gezeigt. Deshalb müssen wir wirklich alles dafür tun, dass alle Kinder die nötige Chance haben auf Bildung. Vielen Dank.

Thema: 

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Anträge in Leichter Sprache
Parteiratsbericht der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen
Link zum FördeWind - Das Magazin der Grünen Landtagsfraktion Schleswig-Holstein