Mehr Anerkennung und Wertschätzung für den Erzieher*innen-Beruf

Rede zu Protokoll gegeben!

 

TOP 22 – Anerkennung des Erzieher*innenberufs als Mangelberuf

 

Dazu sagt die kitapolitische Sprecherin und Vorsitzende der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Eka von Kalben:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

die Umsetzung der Kita-Reform steht in den Startlöchern. Mit der Reform wird es unter anderem mehr Entlastung für die Kommunen und die Eltern geben. Und auch für die Kindertageseinrichtungen selber, da der Fachkraft-Kind-Schlüssel auf zwei Fachkräfte pro Kind angehoben wird. Das alles sind sehr erfreuliche und auch dringend notwendige Entwicklungen. Gleichzeitig hilft das alles nichts, wenn uns die Fachkräfte fehlen. Und die vielen freien Stellen sind ein Beweis für einen Mangel.

 

Wir haben deswegen einen Antrag eingebracht, der deutlich macht, dass wir ein Fachkräfte-Problem haben, und dass sich dieses mit dem Recht auf Ganztag sogar noch verschärfen könnte. Mit unserem Antrag bitten wir die Landesregierung, sich dafür einzusetzen, dass der Beruf der Erzieher*in als Mangelberuf anerkannt wird. Die Landesregierung wird gebeten, sich im Bundesrat dafür stark zu machen, dass die Erzieher*innenweiterbildung durch die Bundesagentur für Arbeit zu 100 Prozent, statt wie bisher nur zu zweidrittel gefördert wird. Dadurch könnte zukünftig auch das dritte Weiterbildungsjahr finanziert werden. Und wir hoffen, dass dadurch auch ausländischen Abschlüssen eine höhere Bedeutung zukommt, und dass hier das Potenzial erkannt wird. Mit diesem Antrag gehen wir einen ersten Schritt, um dem Fachkräftemangel in Kitas entgegen zu wirken. Weitere Schritte müssen ganz klar folgen.

 

Es ist wichtig, dass wir endlich mehr Anerkennung und Wertschätzung für den Erzieher*innen-Beruf in Gesellschaft und Politik erreichen. Frühkindlicher Bildung muss endlich der Stellenwert zugeschrieben werden, den sie verdient. Denn von guter frühkindlicher Bildung profieren alle: Bei den Kindern wird der Grundstein für eine positive Bildungsbiographie gelegt, also gleiche Startchancen für alle. Erziehungsberechtigte, vor allem auch nach wie vor die Mütter, können ihre Kinder beruhigt in die Betreuung geben und ihren beruflichen Tätigkeiten nachgehen. Davon profitieren dann wiederum die Arbeitgeber*innen. Eine win-win-win Situation sozusagen. Dafür lohnt es sich doch, sich einzusetzen.

 

Und noch mehr. Wenn das humanistisch-soziale Argument von einer bestmöglichen Förderung für jedes einzelne Kind nicht ausreicht, können wir auch volkswirtschaftlich argumentieren. Investitionen in qualitativ hochwertige Kitas bringen eine Rendite in Höhe von rund 13 Prozent für die Volkswirtschaft insgesamt und von rund 8 Prozent für den Staat als Investor.

 

Diese Qualität kann aber nur gewährleistet werden, wenn wir genügend Fachkräfte haben, um die Kinder individuell zu fördern. Und ausreichend Fachkräfte sind auch nötig, um den Teufelskreis von hohem Krankenstand, der mehr Belastung für die Kolleg*innen erzeugt und wiederum neuen Krankenstand hervorruft, zu durchbrechen. Diese beständige Belastung führt auch zum frühzeitigen Ausscheiden aus dem Beruf.

 

Die Durchfinanzierung der Weiterbildung bis Ende des dritten Jahres ist auch wichtig, um Bildungsgerechtigkeit herzustellen. Jede und jeder, die oder der sich dazu berufen fühlt, Erzieher*in zu werden, soll dafür die Chance bekommen. Diese Entscheidung soll nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Mit anderen Worten, die Weiterbildung zur Erzieher*in muss so attraktiv wie möglich gemacht werden. Das sind wir diesem extrem wichtigen Berufsstand schuldig.

 

Meine Damen und Herren, wir geben viel Geld in die Kitareform, ungefähr eine Milliarde Euro. Doch Geld erzieht keine Kinder. Dafür brauchen wir Menschen. Das muss der Bund anerkennen.

 

Danke.

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