Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 12 – Berichtsantrag zu Naturkindergärten; Einführung einer verpflichtenden Kita-Datenbank
Dazu sagt die kitapolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Eka von Kalben:
Sehr geehrte Damen und Herren,
beim Thema Waldkindergarten sind sich alle schnell einig: Tolle Sache! Das Kind muss an die frische Luft. Wie gut also, wenn es tagsüber die Natur kennenlernt und durchgepustet wird. Dann ist es seltener krank und schön müde am Abend. Auf dem Spielplatz der Natur auf das Leben vorbereiten: Was gibt es schöneres? Theoretisch alles schön und gut. Doch wenn es ins Detail geht, wird es schwierig. Wie viel Abenteuer wollen wir den Kindern gönnen oder zumuten?
Das Thema Naturkindergärten beschäftigt uns ja nun schon eine ganze Weile. Im Mittelpunkt stand dabei auch schon während der Küstenkoalition ein zentraler Konflikt: der zwischen Freiheit und Sicherheit. Zum einen streben wir in unserer Gesellschaft nach extremer Sicherheit, gerade wenn es um unsere Kinder geht. Zum anderen gehört für viele von uns zu einer wirklich guten Kindheit eben auch eine gewisse Bullerbü-Idylle.
Und deshalb wollen wir in Schleswig-Holstein Kitas im Wald, am Strand und sonst wo in der Natur zulassen. Das Sozialministerium hat nun den Prozess der Vorgängerregierung fortgeführt und eine Broschüre fertiggestellt, welche Initiativen oder Kommunen, die Naturkindergärten schaffen wollen, eine umfangreiche Handreichung bietet. Herzlichen Dank für die Überarbeitung an alle Beteiligten!
Außerdem hat es diese Regierung nun geschafft, mit einem Klarstellungserlass dafür zu sorgen, dass es landesweit einheitliche Vorgaben für die unteren Bauaufsichtsbehörden gibt, was genehmigungsfähig ist und was nicht. Mit dem SPD-Innenminister in der Küstenkoalition war das leider nicht möglich. Die Unsicherheit hat viele Betroffene sehr belastet. Deshalb ist es gut, dass es nun Klarheit gibt.
Allerdings ist es auch so, dass verbindliche Regelungen weniger Spielraum für bisher geduldete Kitas lassen. Es gibt Kitas, die seit vielen Jahren hervorragende Arbeit leisten und die mit großer Sorge auf weitere Regelungen schauen. Kitas, in denen es – zum Glück – außer Schrammen zu keinen größeren Unfällen gekommen ist. Ist unser Bauwagen genehmigungsfähig? Ist der Ofen noch zulässig? Sind die Bäume auf der Lichtung sturmsicher?
Wir als Politik und die Verwaltung als Exekutive dürfen nicht wegschauen, wenn Gefahr für Kinder droht. Und gleichzeitig wollen wir auch, dass unsere Kinder auf das Abenteuer Leben gut vorbereitet werden. Dass sie Mut zeigen. Dass sie die Initiative ergreifen und lernen, solidarisch zu sein. All das bieten gerade Naturkindergärten im besonderen Maße. Deshalb wird es auch in Zukunft darauf ankommen, den Spagat zwischen Fürsorge und Zutrauen genau auszutarieren.
Leider wird es beim Thema Wald- und Naturkindergärten keine Lösung geben, mit welcher alle Beteiligten zu 100 Prozent zufrieden sind. Wenn ich aber vergleiche, wie die Debatte vor ein paar Jahren abgelaufen ist und wie konstruktiv wir das Problem mit der Änderung des Landeswaldgesetzes, mit dem Klarstellungserlass und dem Waldkita-Leitfaden nun angegangen sind, dann stimmt mich das sehr zuversichtlich. Wir werden ja noch über die Bedeutung von Bildung für nachhaltige Entwicklung am Freitag sprechen. Und es wird Sie nicht wundern, dass ich als Grüne frühkindliche Bildung in der Natur jederzeit und überall unterstützen werde.
Vielen Dank an die beteiligten Ministerien und danke für die Aufmerksamkeit!
Fraktion SH



