Nicht nur jedes Kind, sondern jeder Mensch im Land soll schwimmen lernen können

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 13 Zugang zu Schwimmunterricht in Schleswig-Holstein stärken

 

Dazu sagt die Fraktionsvorsitzende der

Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen,

 

Eka von Kalben:

 

„Ein Kind mehr, das schwimmen kann, ist ein Kind mehr, das wir vor dem Ertrinken gerettet haben.“ Das sind nicht meine Worte, sondern die von Leonore Langner. Frau Langner ist Schwimmmeisterin bei der DLRG und sie hat vollkommen Recht: Schwimmen zu können bringt nicht nur Spaß und ist gut für die Fitness, sondern kann Leben retten. Ob das eigene oder das anderer.

 

Letzen Sommer bin ich zum Thema „Schwimmen Lernen“ durch Schleswig-Holstein getourt. Denn es schien mir vollkommen absurd, dass in unserem Land zwischen den Meeren über die Hälfte der Grundschüler*innen nach der vierten Klasse nicht sicher schwimmen kann.

 

Während meiner Tour in Kooperation mit dem Kinderschutzbund bin ich mit Kommunen, Vereinen, Verbänden und vielen Menschen vor Ort ins Gespräch gekommen. Ich erinnere mich an fröhliche und stolze Kindergesichter und an beeindruckende Menschen, die sich haupt- und ehrenamtlich dafür einsetzen, dass unsere Kinder im Wasser sicher sind. Allen voran die schon genannte Frau Langner, die hauptamtlich Lehrerin ist und in ihren Ferien – statt in den Urlaub zu fahren – die gesamten sechs Wochen lang den Schwimmunterricht im Naturerlebnisbad Büdelsdorf betreut und leitet. So viel Engagement für die Gemeinschaft ist wirklich bewundernswert und verdient unsere größte Anerkennung.

 

Aber Dank und Anerkennung für unsere Ehrenamtler*innen reichen nicht. Der DLRG hat Nachwuchsprobleme. Dem Roten Kreuz fehlen ehrenamtliche Strandwachen, da viele Ehrenamtler*innen Probleme haben, ihr Ehrenamt mit Beruf, Schule und Familie zu vereinbaren. Ein Hauptgrund für den Mangel an Ehrenamtlichen bei der Wasserwacht ist, dass die Wasserrettungsdienste für Aktivitäten wie Fortbildungen und Sondereinsätze keinen Sonderurlaub bekommen. Hier muss sich etwas ändern. Wer Urlaub nimmt, um beispielsweise bei der Kieler Woche oder im Sommer die Bevölkerung ehrenamtlich zu schützen, sollte genauso gestellt werden, wie beispielsweise die Menschen, die Bildungsurlaub nehmen. Rettungsdienste und andere Ehrenämter leisten einen freiwilligen Beitrag für die Gemeinschaft, da sollte die Gemeinschaft auch etwas zurückgeben.

 

Ich danke der Landesregierung für ihren ausführlichen Bericht. Er bildet eine hilfreiche Datengrundlage, auf deren Basis nun noch besser gehandelt werden kann. Die kritischen Punkte, welche im Bericht herausgearbeitet wurden, sind auch genau die Probleme, von welchen mir auf meiner Tour von den Menschen vor Ort berichtet wurde. Wir brauchen mehr Lehrer*innen mit Schwimmlehrbefähigung, wir brauchen eine bedarfsgerechte Versorgung mit Schwimmstätten – auch im Winter. Und der Schwimmunterricht darf nicht an den Transportkosten zwischen Schule und Schwimmstätte scheitern.

 

Der Bericht zeigt auch auf, was schon gut läuft. So gehen beispielsweise dieses Jahr 13,5 Millionen Euro aus den IMPULS-Mitteln in die Sanierungen von Sport- und Schwimmstätten. Und es werden weitere Handlungsempfehlungen genannt.

 

Der Antrag unserer Koalition befürwortet diese Maßnahmen und geht noch darüber hinaus. Wir wollen die Landesregierung darum bitten, bezüglich der Kooperationsmaßnahmen zu prüfen, inwiefern qualifizierte Externe zur Vermeidung von Unterrichtausfällen eingesetzt werden können. Wir wollen, dass ein Fonds „Schleswig-Holstein lernt Schwimmen“ eingerichtet wird – mit einem 50.000-Euro-Volumen für jedes Jahr von 2019 – 2021. Und wir schlagen Maßnahmen vor, welche die Rahmenbedingungen für Sport- und wettkampftauglichen Schwimmbädern verbessern.

 

Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Denn langfristig sollte unser Ziel sein, dass nicht nur jedes Kind im Land schwimmen lernen kann, sondern jeder Mensch. Bei der Wasserwacht habe ich erfahren, dass die Schwimmtechnik der Strandbesucher*innen sich in den letzten Jahren verschlechtert hat und viele eher plantschen als schwimmen. Wenn es dann zu einer unvorhergesehenen Situation wie der Berührung mit einer Qualle kommt, geraten ungeübte Schwimmer*innen in Panik. Viele Geflüchtete haben nie schwimmen gelernt und auch nicht wenige in Deutschland geborene Erwachsene können gar nicht beziehungsweise nicht sicher schwimmen. Deshalb haben wir uns ja auch im Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt, auch Maßnahmen für ältere Nichtschwimmer*innen zu entwickeln.

 

Wir im Land können zwar einiges anstoßen, aber letzten Endes muss auch vor Ort miteinander gesprochen werden. Es müssen Kapazitäten und Bedürfnisse abgeglichen und an Lösungen gearbeitet werden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Kreis Lauenburg, wo das schon gut gelingt.

 

Meine Damen und Herren, für mich ist und bleibt das Thema Schwimmen Lernen ein Herzensthema. Deshalb brauchen wir Schwimmbäder zur ganzjährigen Nutzung in Fahrradnähe. Und wir brauchen Menschen, die haupt- und ehrenamtlich anderen helfen, mindestens den Kopf über Wasser zu halten. Das ist kein leichter Weg, aber einfach Lösungen versprechen andere – wir nicht.

 

Vielen Dank.

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