Unsere Böden sind nicht vermehrbar

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 7 – Landesprogramm zum Schutz der Böden und zur Minderung des Flächenverbrauchs

 

Dazu sagt die umweltpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Marlies Fritzen:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Böden sind die belebten oberen Dezimeter der Erde. Eine dünne, empfindliche Schicht der Erdkruste, die sich über Jahrtausende gebildet hat und auf der all unser Leben fußt. Intensive Nutzung durch Versiegelung und Landwirtschaft gefährden die Funktionsfähigkeit der Böden. Deshalb müssen wir sie schützen, um unseren Kindern diese Lebensgrundlage zu erhalten, denn Böden sind nicht vermehrbar.

 

Es gibt vielfältige Gefahren für unsere Böden: Wind- und Wassererosion, die durch den Klimawandel noch zunehmen werden; Schadstoffeinträge, die die Fruchtbarkeit der Böden vermindern; Flächenverbrauch für Straßen und Siedlungen.

 

Wir Grüne haben 2012 ein Gutachten zum Flächenverbrauch in Schleswig-Holstein erstellen lassen. Ein Ergebnis war: In einem Zeitraum von 50 Jahren, von 1960 bis 2009, gingen rund 100.000 Hektar an landwirtschaftlicher Fläche in Schleswig-Holstein verloren. Das ist eine Abnahme von etwa acht Prozent. Im gleichen Zeitraum nahmen die Siedlungsflächen um 68,1 Tausend Hektar zu, die Verkehrsflächen um 13,8 Tausend Hektar.

 

In 2012 betrug der Flächenverbrauch in Schleswig-Holstein etwa 4 Hektar täglich. Inzwischen sind es etwa 2,7 Hektar. Ein kleiner Fortschritt zwar, es ist aber insgesamt noch viel zu viel. Rund drei Hektar am Tag, das sind rund 1400 Fußballfelder im Jahr.

 

Die Bundesregierung hat seit langem das Ziel, den bundesweiten Verbrauch auf 30 Hektar am Tag zu begrenzen. Ursprünglich sollte dies bis 2010 erreicht sein. Inzwischen wurde es auf 2030 verschoben. Heruntergebrochen auf Schleswig-Holstein sind dies 1,3 Hektar.

 

Wie schwierig die Erreichung dieses Ziels ist, zeigt die Diskussion bei der Erstellung des neuen Landesentwicklungsplanes: Wir brauchen mehr Wohnraum, zu dem auch Straßen führen sollen. Mehr Menschen brauchen auch mehr Kitas und Schulen, Sportstätten sollen gebaut werden und für die Energieanlagen benötigen wir ebenfalls einen festen Untergrund.

 

Das klingt nach Quadratur des Kreises und das ist es in gewisser Weise auch. Aber: Fläche ist eine endliche Ressource. Wir haben keinen Planeten B. Deshalb ist es wichtig, dass hier ressortübergreifend Konzepte entwickelt werden und Hand in Hand gearbeitet wird.

 

Wir müssen uns um Altlasten, um bodenschonende Bewirtschaftung der Agrarflächen und um Entsiegelung von Böden kümmern. Wir sollten belastete Flächen recyclen und Baulücken nutzen. Wir können auch Anreize für Kommunen, beispielsweise über den kommunalen Finanzausgleich schaffen, die die grüne Wiese schonen.

 

1,3 Hektar ein ehrgeiziges Ziel, aber es sind immer noch zu viel. Daher ist es nötig und gut, dass sich die Landesregierung jetzt ressortübergreifend dieses drängende Thema bearbeitet. Am Ende müssen wir es schaffen keine neuen Flächen mehr in Anspruch zu nehmen.

 

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