Veränderungen in der Gesellschaft kommen seit jeher von der jungen Generation

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 11 + 24 – Landesstrategie Bildung für nachhaltige Entwicklung; #FridaysForFuture sind gelebte politische Bildung

 

Dazu sagt die Vorsitzende der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Eka von Kalben:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Bildung für nachhaltige Entwicklung hat zum Ziel, dass wir lernen, Soziales, Ökologie und Wirtschaft zusammenzudenken und in Einklang zu bringen, um unsere Gesellschaft zukunftsfähig zu machen. Bildung für nachhaltige Entwicklung bedeutet auch, dass wir uns als Teil eines Kreislaufes verstehen müssen und dass wir nicht einfach endlos Ressourcen verbrauchen können, weil wir uns damit unserer eigenen Lebensgrundlage entziehen. Und Bildung für nachhaltige Entwicklung bedeutet auch, Mitgefühl und einen Sinn für Gerechtigkeit zu entwickeln. Wie kann es sein, dass Menschen in anderen Weltregionen leiden müssen, während sie die Güter produzieren, die ich täglich konsumiere?

 

Vor allem in unserem doch recht platten Bundesland sollte uns Nachhaltigkeit eigentlich ganz automatisch am Herzen liegen. Der Klimawandel, als ein wichtiges Thema in diesem Bereich, und der damit einhergehende ansteigende Meeresspiegel werden uns alle betreffen. Und die Dürreperioden, wie die letzten Sommer, lassen uns das auch finanziell spüren. Und die Relevanz von Küstenschutz steigt, wie Herr Albrecht in seiner Regierungserklärung am Mittwoch eindringlich vor Augen geführt hat.

 

Erfreulicherweise gibt es schon viele tolle Initiativen in Schleswig-Holstein, die Hoffnung schenken:

 

Im Bereich Schule haben wir die Auszeichnung als Zukunftsschule. Davon gibt es in Schleswig-Holstein 171, 42 davon der Stufe drei. Stufe drei bedeutet, dass diese Schulen das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung nicht nur aktiv im Unterricht behandeln, sondern auch Impulse in die Gesellschaft tragen. Das RBZ Wirtschaft Kiel ist zum Beispiel so eine Schule. Was hier läuft, begeistert mich: Das Schulcafé namens Kilimanjaro wird als Schüler*innenfirma betrieben. Hier wird gelernt, was umweltverträgliches und sozial gerechtes Arbeiten bedeutet. Hier werden Partnerschaften mit Ländern im Süden geschlossen.

 

An anderen Schulen werden zusammen mit Schüler*innen Fotovoltaik-Anlagen auf den Schuldächern installiert oder eine Regenwassernutzungsanlage gebaut. Da sollten auch alle MINT-Begeisterten leuchtende Augen bekommen.

 

Aber Bildung für nachhaltige Entwicklung ist nicht nur eine Frage für Kinder. Die Volkshochschulen sind ein tolles Beispiel aus dem außerschulischen Bildungsbereich, die viele tolle Angebote von Alphabetisierung bis zu zukunftsfähiger politischer Bildung anbieten. Es gibt Filmfestivals und Künstler*innen, die Bildung für nachhaltige Entwicklung thematisieren und aufarbeiten. Innovative Unternehmen, die Fahrräder aus Bambus bauen und Kleiderstangen designen, die sich nachhaltig produzieren lassen oder Firmen, die ihr Geld nicht mehr in Kohle investieren. Stichwort: Divestment. Und Hochschulen, die innovative Studiengänge und Projekte ins Leben rufen und das Ganze wissenschaftlich begleiten. Auch die Kitas sind aktiv. In den sogenannten Kita21 werden Fahrgemeinschaften angeregt, das erste Gärtnern und Handwerken im eigenen Kita- Garten erlernt und gemeinsam gekocht. Ich habe mir sogar sagen lassen, dass die Kitas in diesem Bereich den anderen Bildungsbereichen schon einiges vorraushaben – wir können von den Kleinsten also noch was lernen.

 

An dieser Stelle möchte ich ein riesen Dankeschön loswerden, an all die engagierten Lehrer*innen, Kita-Fachkräfte, außerschulischen und kulturellen Bildungsakteur*innen und Ehrenamtler*innen, die sich für diesen Bereich stark machen.

 

Von diesen Leuchtturm-Projekten –  oder Neudeutsch: best-practice Ansätzen – soll es nun in die Fläche gehen. Und auch wenn es schon viele gute Ansätze gibt, wissen immer noch zu wenige Menschen, was Bildung für nachhaltige Entwicklung eigentlich genau bedeutet. Dafür brauchen wir eine gesamtgesellschaftliche Strategie, unter Einbeziehung aller, von Zivilgesellschaft bis Wirtschaftsverband. Die UNESCO hat mit ihrem Weltaktionsprogramm vorgelegt. Auf Bundesebene gibt es den nationalen Aktionsplan, jetzt müssen wir auf Landesebene ins Handeln kommen. Das Bewusstsein alleine reicht nicht.

 

Für eine zukunftsfähige Welt, für die unsere Schüler*innen auch heute wieder draußen streiken, bedarf es der Verkehrswende, der Energiewende, weniger Flächenverbrauch, einer ökologischen Landwirtschaft und mehr sozialer Gerechtigkeit - alles Grüne politische Rahmenbedingungen, für die wir uns stark machen. Bildung ist der Zugang zu alledem und deswegen ein unabdingbarer Baustein. Über den Unterricht gelangt das Thema auch in die Familien und regt Diskussionen am Küchentisch an. Kinder haben oft auch einen viel natürlicheren Zugang zu Gerechtigkeit und Umweltbewusstsein. Davon können wir uns ruhig mal eine Scheibe abschneiden.

 

Veränderungen in der Gesellschaft kommen doch schon von jeher von der jungen Generation. Lassen Sie uns nur mal auf die #FridaysForFuture-Demonstrationen schauen. Ich bin dieser Bewegung dankbar. Es berührt mich, wenn tausende von Schüler*innen und Studierenden auf die Straße gehen, um sich für ihre Zukunft einsetzen. Ich möchte jetzt nicht auf dieses Klein-Klein eingehen, ob Konsequenzen folgen oder nicht. Schon schade, dass wir wegen eines Satzes keinen gemeinsamen Antrag hingekriegt haben. Ich denke, auch den Schüler*innen ist klar: es braucht Regeln, um diese brechen zu können. Sie haben schließlich bewusst zu diesem Mittel gegriffen, um gehört zu werden. Heute Nachmittag treffen wir uns mit deren Abgesandten um drei, natürlich außerhalb der Schulzeit.

 

Gleichzeitig ist die Message von Greta Thunberg – die Wegbereiterin der Proteste – an uns Politiker*innen ziemlich vernichtend. Sie hat unter anderem auf dem Weltwirtschaftsforum klar gemacht, dass sie uns um nichts mehr bitten möchte, da das auch in der Vergangenheit zu nichts geführt hätte. Das mag für die einen polemisch wirken, ich aber nehme diese Herausforderung an und möchte mich auch in Zukunft für dieses Thema stark machen.

 

Wir dürfen die jungen Leute mit ihren Forderungen nicht alleine lassen. Um unseren Planeten auch in Zukunft als lebenswert zu erhalten, müssen wir alle an einem Strang ziehen: Die Wirtschaft muss ihrer Verantwortung nachkommen, jeder und jede einzelne sollte den eigenen Konsum überdenken und wir als Politik müssen die richtigen Rahmenbedingungen dafür schaffen.

 

Greta hat gesagt, dass es Schlagzeilen auf der ganzen Welt auslöse, wenn ein paar Schüler*innen nicht zur Schule gehen. Man sich nur mal vorstellen, was wir zusammen alles erreichen könnten. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

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