Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 26 – Erzieherische und sozialpädagogische Ausbildungen attraktiver gestalten und Ausbildungsvergütung einführen
Dazu sagt die schulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Ines Strehlau:
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihr Antrag ist ja ein ziemlicher Rundumschlag zur Ausbildung der Fachkräfte für sozialpädagogische Einrichtungen. Es ist gut, dass wir über das Thema sprechen, denn der Fachkräftebedarf ist groß, nicht nur an den Kitas. Es passiert schon viel, aber wir sind noch nicht am Ziel.
Sie wollen Beteiligung: da rennen Sie bei uns offene Türen ein. Wir Grüne haben schon mal angefangen und uns mit dem Thema in zwei Fachgesprächen beschäftigt und sind auch mit unseren Koalitionspartner*innen im engen Austausch. Wir wissen: Das Thema Personal an Kitas ist wichtig, denn qualifiziertes und ausreichendes Personal ist notwendig, damit die Kinder sich wohl fühlen, damit die Eltern ihre Kinder gerne in die Kita bringen und die Kitas ihren Bildungsauftrag erfüllen können.
Wir haben gerade wieder in der letzten PISA Studie ins Stammbuch geschrieben bekommen, dass der Bildungserfolg immer noch viel zu stark vom Elternhaus abhängt. Um dies zu überwinden, ist ein gutes Bildungsangebot in den Kitas unbedingt notwendig. Hier wird die Basis gelegt, dass es in der Schule klappt.
Es ist klar, dass durch das neue Kitagesetz, das wir gleich beschließen werden, und dem verbesserten Personalschlüssel von zwei Erzieher*innen pro Gruppe neue Bedarfe entstehen. Dann kommt noch der Ausbau des Ganztags dazu. Und auch andere Bereiche wie Jugendämter und Jugendhilfeeinrichtungen suchen Personal. Nach Schätzungen fehlen bereits jetzt ca. 2000 Fachkräfte. Wir können sicherlich auch über den Verbleib im Beruf sprechen. Und natürlich müssen die Arbeitsbedingungen in unseren Kitas besser werden. Da setzen wir mit der Kitareform ja auch an.
Wir brauchen also ausreichend Bewerber*innen und ausreichend Ausbildungsplätze. Die Ausbildung muss qualifiziert bleiben und dann gibt es noch den Wunsch nach einer Ausbildungsvergütung. Alle Forderungen zu erfüllen, gleicht der Quadratur des Kreises. Aber ich bin optimistisch. Es ist Bewegung im System, das Land steuert ständig nach und einiges, was die SPD fordert, ist schon umgesetzt. Die Anzahl der Ausbildungsplätze an den Erzieher*innenfachschulen wurde in den letzten zehn Jahren auf 3800 verdoppelt und auch die Zahl der Lehrkräfte deutlich erhöht. Da hat das Bildungsministerium einen wirklich guten Job gemacht – vielen Dank dafür.
Bei der generellen Weiterentwicklung der Ausbildung für die Sozialpädagogische Assistenz in eine duale Ausbildung muss geklärt werden, wer die Kosten trägt und welche Rahmenbedingungen es gibt, damit diese SPA-Ausbildung auch in anderen Bundesländern anerkannt wird. Da ist also die Kultusministerkonferenz gefragt.
Aber in berufsbegleitender, praxisintegrierter Form ist es schon möglich eine SPA-Ausbildung zu machen. In Flensburg wird bereits ausgebildet und auch im Kreis Pinneberg gibt es Überlegungen, eine sogenannte PiA-Klasse für die praxisintegrierte Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistenz einzurichten.
PiA für Erzieher*innen gibt es an immer mehr Standorten. Dort, wo eine praxisintegrierte Ausbildung gewollt wird, wird sie eingerichtet. Auch bei der Finanzierung der PiA-Ausbildung gibt es Bewegung. Zum einen gibt es ja das Modell, dass die Agentur für Arbeit Plätze mit finanziert. Zum anderen sind aber immer mehr Kommunen bereit, diese Ausbildung finanziell zu unterstützen. Und an verschiedenen Standorten werden SPA-Ausbildungszeiten auf die Ausbildung zur Erzieher*in angerechnet. Die Erzieher*innenausbildung ist eine Weiterbildung auf dem Niveau eines Bachelorabschlusses. Wenn SPAs weiter qualifiziert werden, müssen die Anforderungen dem weiterhin entsprechen.
Wir brauchen pädagogische Fachkräfte und wir müssen über neue Wege nachdenken. Aber bei allen Bemühungen, die Ausbildungen zu reformieren, müssen wir unbedingt auch die Qualität im Blick behalten. Erzieher*in ist ein anspruchsvoller Beruf, zu dem man eine fundierte Ausbildung braucht. Es bleibt ein historisch bedingtes Problem für einige Erzieher*innen, dass das Meister-BAföG beziehungswiese Aufstiegs-BAföG zum Teil nicht zusammenpasst mit den Schul– und Praxisanteilen. Die Lösungen sind häufig spitzfindig und es ist fachkundige Beratung gefragt. Es ist schon vieles auf einem guten Weg. Es bleiben aber Fragen. Deshalb sollten wir den Antrag weiter im Bildungsausschuss beraten.
Fraktion SH



