Wir müssen etwas tun in der Kinderheilkunde

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 25 – Stationäre Versorgung von kranken Kindern verbessern – Kinderkrankenhäuser auf eine sichere finanzielle Grundlage stellen

 

Dazu sagt die gesundheitspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen,

Marret Bohn:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Kinder reagieren anders auf Schmerzen, Fieber und Unwohlsein. Je kleiner Kinder sind, umso weniger können sie das Kranksein verstehen und damit umgehen. Die Behandlung von Kindern ist eine ganz andere als die erwachsener Menschen.

 

Kinder und Jugendliche brauchen eine besondere Fachlichkeit, große Sensibilität und Einfühlungsvermögen. Umso schlimmer ist es, dass wir viel zu wenig Ärztinnen und Ärzte in der Kinder- und Jugendmedizin haben.  Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen macht auch vor der Kinderheilkunde nicht Halt.

 

Dagegen müssen wir dringend etwas tun. In der ambulanten und in der stationären Behandlung von Kindern und Jugendlichen muss es ein ausreichendes und qualifiziertes Angebot geben. Und es macht Sinn, gerade in diesem Bereich für eine bessere Vernetzung und Kooperation zwischen dem ambulanten, tagesklinischen und dem stationären Sektor zu sorgen. Gesetzliche und finanzielle Hindernisse müssen aus dem Weg geräumt werden.

 

Wobei ich manchmal den Eindruck habe, dass es sich nicht um Steine sondern Felsbrocken handelt, die wir aus dem Weg räumen müssen. Kinderheilkunde im Krankendhaus kann nicht kostendeckend sein. Wer sich auch nur ein bisschen auskennt, weiß das. Die Krankenhausfinanzierung über DRGs ist ein Relikt aus vergangener Zeit. Das DRG System muss abgeschafft werden. Wir brauchen eine moderne Struktur mit ausreichenden finanziellen Mitteln. Kinderstationen werden durch andere Stationen quer finanziert. Kommt ein Krankenhaus nachhaltig in finanzielle Bedrängnis, werden zuerst die Stationen geschlossen, die nicht kostendeckend arbeiten. Das sind nicht selten die Pädiatrie oder die Geburtshilfe. Das darf so nicht weiter gehen!

 

Gerade nicht in unserem Bundesland mit einem großen ländlichen Raum. Beide Bereiche gehören zur Daseinsvorsorge und sind für die Gesundheitsversorgung von besonderer Relevanz. Pädiatrie und Geburtshilfe sind besonders sensibel und wichtig. Wir müssen bei der Krankenhausfinanzierung nicht nur nachsteuern! Wir müssen das Ruder komplett rumreißen – ein Neustart für eine solide Krankenhausfinanzierung! Wenn es unverzichtbare Teile der Gesundheitsversorgung gibt, die gar keine Chance haben kostendeckend zu arbeiten, muss sich etwas ändern.

 

Dann brauchen diese Abteilungen eine Grundfinanzierung, die einen Teil der Vorhaltekosten - unabhängig von den Fallzahlen -abdeckt. Das DRG-System hat ausgedient. Es ist einer der krassesten politischen Fehler, die die Gesundheitspolitik je gesehen hat. Es liegen jede Menge Auswertungen, Bewertungen und Studien vor - zum deutschen DRG System und denen anderer Länder. Die alten Tagespflegesätze haben dazu geführt, dass Patientinnen länger als nötig im Krankenhaus waren. Es war nicht richtig und nicht schön im Krankenhaus über das Wochenende zu bleiben, wenn dort gar nichts passierte. Weder für den Patienten noch für seine Krankenkasse. Aber es war nicht gefährlich. Die DRGs haben zu deutlich verkürzten Aufenthalten geführt und zu einer signifikanten Zunahme bestimmter OPs. Sogenannte blutige Entlassungen sind gefährlich, wenn die weitere Behandlung und Versorgung nicht geregelt ist. Nicht zwingend medizinisch erforderliche Operationen sind gefährlich, denn jede OP ist grundsätzliche mit hohen Risiken verbunden.

 

Es muss sich etwas tun in der Kinderheilkunde. Wir brauchen mehr Ärzt*innen und Ärzte, die sich für die Pädiatrie entscheiden. Wir brauchen Zulassungsbedingungen für den ambulanten Bereich, die den realen Bedarf berücksichtigen. Wir brauchen ausreichend viele Kinderkliniken und pädiatrische Abteilungen in den Städten und auf dem Land. Und wir brauchen endlich ein Finanzierungssystem, dass diesen Anforderungen gerecht wird.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn Sie diese Ziele Teilen, stimmen sie unserem Antrag zu. Herzlichen Dank!

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