Wir müssen für richtig gute Verbindungen zwischen Region und Stadt sorgen

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 23 – Reaktivierung der Bahnstrecke

Kiel-Schönberger Strand

 

 

Dazu sagt der verkehrspolitische Sprecher der

Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen,

 

Andreas Tietze:

 

Liebe Kolleg*innen,

 

ich beginne mit einem Zitat aus unserem gemeinsamen Jamaika-Koalitionsvertrag: Die Koalitionspartner*innen bekennen sich zu den völkerrechtlichen Verträgen von Paris, mit dem Ziel, die Erwärmung der Atmosphäre auf höchstens zwei Grad Celsius zu begrenzen. Die Jugendlichen, die jeden Freitag mit ihrer #fridaysforfuture-Bewegung für einen besseren Klimaschutz demonstrieren, mahnen uns. Sie wollen Taten sehen und keine wohlfeilen Versprechungen hören. Und, liebe Kolleg*innen, der Verkehr ist der größte und schmutzigste Verursacher schädlicher CO2-Emissionen.

 

12.500 Autos belasten täglich die B502 und die L50 zwischen Schönberg und Kiel. Über 15.000 Menschen brauchen gute Stadt-Umland-Verbindungen statt Stau durch ganz Schönkirchen vor der Schwentinebrücke. Aus diesem Grund haben wir Grüne in der Küstenkoalition die Reaktivierung der Schienenstrecke für 35 Millionen Euro vorangetrieben. Das erste Drittel bis Kiel-Oppendorf wird auch seit 04. September 2017 stündlich bedient. So weit, so gut. Nun stellt sich heraus, dass weiter nördlich der Untergrund schlechter ist als bisher gedacht. Weitere 15 Millionen Euro soll das kosten.

 

Bei der Schiene ist das nun ein Problem, beim Straßenbau werden hohe Kosten ohne Kritik durchgewunken, ich erinnere an die Fehmarnbeltquerung. 800 Millionen Euro sollte die Hinterlandanbindung kosten, nun sind wir bei mehr als drei Milliarden Euro. Oder mal etwas übersichtlicher, beim Umbau der B404 zur A21 gab es auf den 5,4 km bei Löptin viel Morast. „Augen zu und durch!“, so die Devise. Auf 200 Metern wurden 1470 Betonpfähle zwanzig Meter tief in den Boden gedrückt, alle zwei Meter einer, und mit einem Textilnetz verbunden. So etwas nennt man „geotechnisches Flächentragwerk“. 15 Millionen Euro mehr, aber bei Straßen knausert ja keiner. A20, A21, Kanaltunnel, und die Liste ist lang.

 

Zurück zur umweltfreundlichen Schiene und zum Projekt Hein Schönberg. Wir brauchen zunächst eine Analyse, woran lag es, dass es so teuer wurde und wir brauchen einen verlässlichen Kostenplan. Wir schauen uns genau an, welche Fahrpläne wir mit welchem Aufwand fahren können.

 

Fahrkarteneinnahmen dürften deutlich steigen. Heute transportiert der Bus laut RNVP Plön täglich zwischen 300 und 1.000 Leute je nach Abschnitt. Im Süden mehr, im Norden weniger. Für die Züge ist das Zwei- bis Dreifache prognostiziert. Und das ist bei Reaktivierungen meist ein unterer Wert. Erinnern Sie sich an Neumünster – Bad Segeberg. 2002 fuhren wieder Züge. Statt 2.000 kamen 3.000 Menschen. Wir fuhren Entlastungsbusse, um der Fahrgastmassen Herr zu werden. Bahn fährt, wer kann, Bus, wer muss. Um eine Verdopplung der ÖPNV Nutzer*innen von 7 Prozent auf 14 Prozent zu erreichen, brauchen wir mehr Schiene. Auch die Klimakosten sprechen für die Züge. Jedes Auto pro Tag weniger entlastet nicht nur die B502, sondern auch das Klima um jährlich eine Tonne CO2.

 

Mein Fazit: Wenn es heißt, dass wir den Nutzen der Strecke durch intelligente Konzepte mehren müssen, um die Mehrkosten zu kompensieren, dann ist es unsere Pflicht, unsere Köpfe so lange rauchen zu lassen, bis es endlich die Auspuffe der Autos nicht mehr tun. Hein Schönberg ist es wert. Der Zug lässt sich da nicht mehr aufhalten. Wenn wir nicht für richtig gute Verbindungen zwischen Region und Stadt sorgen, dann zieht die Zukunft dahin. Das beobachten wir doch massenhaft und das sorgt sowohl in der Stadt als auch auf dem Land für Probleme und Kosten.

 

Weit höhere Kosten als die der Züge. Volkswirtschaftlich ergibt es Sinn, Hein Schönberg weiterzubauen und wir werden uns mit großem Engagement dafür einsetzen. Als Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses garantiere ich Ihnen, dass wir uns über den aktuellen Sachstand informieren lassen. Deshalb, liebe SPD, bringt es jetzt auch nichts, vorschnell mit Anträgen, dessen Inhalt wir Grüne im Übrigen teilen, zu operieren. Wir nehmen war, die Region steht voll hinter diesem Projekt, mehr als 13 Amtsbürgermeister*innen, die Landrätin, der Kieler OB. Daher bin ich sehr optimistisch, dass wir eine Lösung finden werden und Hein Schönberg weiterbauen.

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