Wir setzen in unseren Schulen auf Pädagogik und nicht auf Druck!

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 17 – Wertevermittlung stärken – Kopfnoten einführen

 

Dazu sagt die schulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen,

 

Ines Strehlau:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir Grüne machen Bildungspolitik für das 21. Jahrhundert. Da befinden wir uns in guter Gesellschaft mit den demokratischen Parteien in diesem Haus. Zu guter Bildungspolitik gehört, dass die Schule jungen Menschen kulturelle und gesellschaftliche Orientierung vermittelt.

Dazu gehört, dass die Schule dazu ermuntert, eigenständig zu denken und vermeintliche Gewissheiten und gesellschaftliche Strukturen auch kritisch zu überdenken. Dazu gehört, dass die Schule die Bereitschaft zur Empathie und die Fähigkeit fördert, das eigene Weltbild in Frage zu stellen und Unsicherheiten selbstvertrauend auszuhalten.

So steht es in unserem Schulgesetz. Und es ist ein gutes Schulgesetz!Die Schule legt also den Grundstein für selbstbewusste, kritische Menschen, die sich kein X für ein U vormachen lassen. Die Schule fördert, dass die Schüler*innen Positionen kritisch hinterfragen. Und die Schule gibt den Schüler*innen das Rüstzeug mit, populistische Meinungen mit ihren vermeintlich einfachen Lösungen zu entlarven. Das ist heute wichtiger denn je!

Dies alles leisten unsere Schulen hervorragend. Sie vermitteln die Werte einer toleranten, weltoffenen Demokratie – und das ganz ohne Kopfnoten. Es gibt auch nur wenige Bundesländer, die Kopfnoten verteilen. Sogar Bayern hat sie abgeschafft. Auch in Schleswig-Holstein gibt es aus gutem Grund keine Kopfnoten, sondern einige Sätze zum allgemeinen Lern- und Sozialverhalten.

Schüler*innen und Eltern soll damit eine „differenzierte und kontinuierliche Rückmeldungüber solche Verhaltensaspekte  gegeben werden, die für den Lernerfolg relevant sind. Ausdrückliche Absicht ist auch, „eine insgesamt positive Entwicklung anzustoßen.“ So steht es im Leitfaden zur Zeugniserstellung. Das zeigt: Wir setzen in unseren Schulen auf Pädagogik und nicht auf Druck!

Wenn die AfD meint, die Wertevermittlung ginge nur mit Kopfnoten, ist sie auf dem Holzweg. Das Gegenteil ist der Fall. Wir Grüne sehen Noten ja insgesamt kritisch. Die Leistungen werden durch Noten nicht besser. Noten sind subjektiv und vielfach demotivierend. Wer schlechte Noten bekommt, geht meist nicht gerne zur Schule.

Wir wollen aber eine motivierende, vertrauensvolle Atmosphäre an unseren Schulen. Da sind Noten in Fächern, zumal für die jüngeren Schüler*innen für uns schon nicht die optimale Form der Rückmeldung. Kopfnoten sind völlig kontraproduktiv! Kopfnoten sind willkürlich und verschärfen den Leistungsdruck.

Welche Kopfnote bekäme ein Schüler oder eine Schülerin, die den Mund aufmacht, die ihre Meinung sagt, die unbequeme Fragen stellt? Ist das Betragen dann eins oder sechs? Es ist völlig abhängig von der Lehrkraft und ihren eigenen Maßstäben, welche Note sie gibt.

Wie ist es mit einem Kind, das Schwierigkeiten hat, seine sieben Sachen beisammen zu halten. Sei es, weil es unkonzentriert ist oder weil es Probleme zu Hause hat. Bekommt es eine fünf? Und bekommt damit gesagt, dass es beim Punkt „Ordnung“ versagt hat?

Welche Note bekommt das stille, schüchterne Kind, das seine Aufgaben erledigt, sich aber im Unterricht kaum meldet? Bekommt es eine fünf und so den Eindruck, dass sein Verhalten „falsch“ ist?

Wir wollen alle Schüler*innen mit ihren unterschiedlichen Charakteren annehmen und fördern. Wir wollen keine verängstigten Schüler*innen, die aus Angst vor schlechten Kopfnoten lieber den Mund halten als ihre Meinung zu sagen. Das mag das Ziel der AfD sein, unseres ist es nicht. Wir wollen keine Duckmäuser, wir wollen Schüler*innen mit Rückgrat – deshalb lehnen wir den Antrag der AfD ab.

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