Wir stärken die friesische Minderheit in Schleswig-Holstein

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 11 + 42– Gesetz über die Errichtung einer Friesenstiftung: Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen

 

Dazu sagt die minderheitenpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Marret Bohn:

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

vielen Dank, sehr geehrter Herr Ministerpräsident,  für den Bericht.

 

Laut eines Landtagsbeschlusses von Oktober 2000 ist die Landesregierung gehalten, jeweils mittig in einer Legislaturperiode über dieses Thema zu berichten. Es soll analysiert werden, inwieweit die Forderungen der „Europäischen Charta der Regional-und Minderheitensprachen“ in Schleswig-Holstein umgesetzt werden.

 

Im Detail handelt es sich um aktuell vier Minderheiten- und Regionalsprachen, die  in unserem Land geschützt sind: Dänisch, Niederdeutsch, Nordfriesisch und Romanes. Weltweit gibt es ca. 6.000 Sprachen, wobei mehr als ein Drittel von ihnen bereits im Weltatlas der UNESCO für bedrohte Sprachen erfasst sind. 576 von diesen Sprachen gelten als akut gefährdet, vom Aussterben bedroht. Häufig geschieht es, dass eine Sprache zugunsten einer Mehrheits- oder Verkehrssprache aufgegeben wird.

 

Wir wollen, dass die Angehörigen der hier lebenden autochthonen Minderheiten und Volksgruppen ihre Sprache lebendig halten und dass sie gesprochen werden. Und zwar nicht nur in privatem Kreis als Brauchtumspflege, sondern auch im öffentlichen Leben und im Alltag.

 

Liebe Kolleg*innen, Sprache ist mehr als Kommunikation, sie ist identitätsstiftend, sie sorgt für Zugehörigkeit und ist Kulturgut. Es gibt für uns Menschen unterschiedliche Bereiche, in denen wir uns zugehörig und eng verbunden fühlen dürfen. Und manche von uns sind in mehreren Sprachräumen tief verwurzelt.

 

Wer divers spricht, der denkt auch so. Die Art zu sprechen, beeinflusst unser Denken und das wiederum bestimmt unser Handeln und unsere innere Haltung zu den Dingen der Welt. Wer von Kindesbeinen an gelernt hat, dass es unterschiedliche Ausdrucksweisen und Klangfarben gibt, der/die hat einen Grundbaustein für das Leben in unserer multikulturellen Gesellschaft bereits verinnerlicht.

 

Eine Vielfalt von gepflegten Regiolekten öffnet den Geist, weitet den Horizont und wirkt direkt gegen Engstirnigkeit und Intoleranz. Von daher ist die Sprachencharta nicht nur ein Schutz oder eine Nische, die eine kulturelle Mehrheit den Minderheiten „gewährt“. Sondern sie ist Bereicherung für unsere gesamte Bevölkerung, gelebte Prävention. Verschiedene Sprachen zu sprechen heißt auch Vielfalt zu verstehen und das ist aktuell wichtiger denn je. Uns Grünen ist es ein sehr hohes Gut, dass Minderheiten geachtet und geschützt werden.

 

In Schleswig-Holstein leben viele Minderheiten vorbildlich mit- und nebeneinander. Das zeichnet uns aus.

 

In dieser Sitzung beraten wir in erster Lesung einen Gesetzentwurf über die Errichtung der „Friesenstiftung“ – wie sie kurz genannt wird. Diese Stiftung zu etablieren war ein langer Weg, erste Überlegungen dazu gab es bereits 1995. Seit 2014 wurden Mittel aus der Lotteriezweckabgabe aufsummiert, inzwischen ist ein ausreichender Finanzstock geschaffen worden.

 

Die Gründung dieser Stiftung beinhaltet keine Erhöhung der Fördersumme. Bund und Land kommen wie bisher gemeinsam für die Förderung auf, aber die Empfängerin des Geldes hat sich geändert! Die konkrete Förderung erfolgt durch die Friesenstiftung selbst. Das ist ein kleiner, feiner Unterschied und er zeugt von Autonomie und macht deutlich, welche anerkannte Stellung die friesische Minderheit in Schleswig-Holstein hat. Vielen Dank dafür!

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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