Es gilt das gesprochene Wort!
TOP 21 – Errichtung einer Professur für Plurale Ökonomik
Dazu sagt der hochschulpolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen,
Lasse Petersdotter:
Sehr geehrte Damen und Herren,
gestern hat das Handelsblatt ihre sechs Buchempfehlungen für 2019 veröffentlicht. Von sechs Büchern handelten fünf von Ungleichheit, Feminismus und Ökologie. Das war nicht immer der Fokus, wir sehen: Die ökonomische Debatte in Deutschland ändert sich. Und genau da setzt unsere Forderung nach einer Professur für Plurale Ökonomik an.
Wir wollen die wirtschaftswissenschaftliche Landschaft breiter aufstellen. Letztlich ist das nichts anderes, als das, was in anderen Disziplinen völlig normal ist. In der Politikwissenschaft beispielsweise findet ein ständiger und prominenter Streit über die richtigen Grundannahmen statt. Das bringt eine Wissenschaft im Ganzen nach vorne.
In den Wirtschaftswissenschaften wiederum ist eine Theorielinie, die Neoklassik, deutschlandweit sehr dominant. Deswegen gab es 2012 einen Aufruf zahlreicher Ökonom*innen von 50 Hochschulen, der eine klare Kritik am Zustand der Volkswirtschaftslehre ausdrückte. Besonders kritisiert wurde dabei der Glaube an die selbstregulierenden Kräfte des Marktes, die Fixierung auf Modelle, eine fehlende Selbstreflexion und die fehlende Vielfalt bei Modellen und Theorien.
Die Volkswirtschaftslehre ist eine Sozialwissenschaft. Sie ist keine angewandte Mathematik und schon gar keine Naturwissenschaft. Es ist absurd, mit welchem absoluten Wahrheitsanspruch einige Ökonom*innen die Welt beschreiben wollen. Und können! Denn Wirtschaftswissenschaftler*innen nehmen sehr wichtige gesellschaftliche Positionen ein. Besonders prominent sind hier nur die Räte der Weisen und Beraterstrukturen.
Wir wollen die Wirtschaftswissenschaften in Schleswig-Holstein ergänzen und stärken. Kaum eine akademische Disziplin kann künftig ohne eine breite interdisziplinäre Aufstellung bestehen. Deswegen freue ich mich, dass wir diesen Schritt gehen werden und die Plurale ökonomische Landschaft in Deutschland auch aus dem Norden unterstützen.
Fraktion SH



