Textilbranche lässt Entwicklungsminister Müller entblößt im Regen stehen

Zur Vorstellung des Aktionsplans für nachhaltige Textilien durch den Bundesentwicklungsminister sagt der verbraucher- und europapolitische Sprecher der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß:

Der Plan des Bundesentwicklungsministers klang zunächst hervorragend. Anlässlich des Jahrestages der Katastrophe im April 2013 in Bangladesch, bei der mehr als tausend TextilarbeiterInnen ihr Leben verloren haben, gab der Minister bekannt, ein einheitliches Siegel für nachhaltige Textilien entwickeln zu wollen.

Circa 70 Kleidungsstücke kaufen VerbraucherInnen jährlich. Immer mehr VerbraucherInnen wollen schon seit langem beim Einkauf verbindlich erkennen: Welche Umweltbelastungen gab es beim Anbau der Baumwollgewinnung der synthetischen Fasern? Welche Chemikalien wurden bei der Färbung, Verarbeitung und Verwendung eingesetzt? Und besonders: Wurden die sozial- und Menschenrechtsstandards bei der Herstellung eingehalten?

Doch was heute vom Ministerium der Öffentlichkeit als Ergebnis präsentiert wurde, lässt viele Fragen offen. So auch die entscheidende Frage: Bringt dieser Aktionsplan wirklich konkrete Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern? Oder handelt es sich um staatlich zertifiziertes „Fair- und Greenwashing“? Ich befürchte allerdings Letzteres. Bei genauerem Hinsehen stellt man fest: Die Initiative krankt an zwei Geburtsfehlern. Zum einen die reine Freiwilligkeit, zum anderen die Beschränkung auf den nationalen Markt.

Wir fordern die Bundesregierung daher auf, sich für rechtlich, verbindliche Sozial- und Umweltstandards in der Textilbranche und zügig für verbindliche, europäische Regeln zur Transparenz entlang von Lieferketten einzusetzen. Dann können sich Textilunternehmen nicht mehr herausreden, sondern müssten ihrer Sorgfaltsplicht nachkommen, auch hinsichtlich ihrer Tochter- und Zulieferunternehmen.

Mehr als die Hälfte der Unternehmen und Verbände, die Minister Müller für die Initiative gewinnen wollte, verweigern den Beitritt. Dabei anscheinend besonders die großen Player der Textilbranche: Sie lassen Entwicklungsminister Müller entblößt im Regen stehen.

Thema: 

AbgeordneteR: 

kein Egebniss

FördeWind der Grünen: hier klicken
Grüne Partei SH
Anträge in Leichter Sprache