Wir müssen die Wege freimachen

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 09 – Fahrradverkehr in Schleswig-Holstein

Dazu sagt der verkehrspolitische

der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen,

Andreas Tietze:

Wir müssen die Wege freimachen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Sehr geehrtes Präsidium,

hier, in diesem hohen Hause, finden zahlreiche Debatten zur Verkehrspolitik statt. Zu Autobahnen, zum Bahnverkehr und zum Nord-Ostseekanal. Zweifelsohne sind das alles wichtige Themen für Schleswig-Holstein.

Mir stellt sich allerdings die Frage, warum diskutieren wir immer nur über Milliarden für Autobahnen, wenn fast die Hälfte aller Fahrten nicht länger als 5 km ist?

Wichtige Teile unseres Lebens spielen sich in der Nahmobilität ab.

Einkaufen, Ausbildung, Hausarzt, um nur einige zu nennen. Fahrradfahren ist hier bereits ein zentraler Bestandteil des Verkehrs. Und es wird immer wichtiger. Steigende Energiepreise und der Trend zum zentraleren Wohnen machen das Fahrrad für immer mehr Ziele im Alltag attraktiver. Außerdem ist es ein aktiver Beitrag zu Gesundheitsprävention – Bewegung tut uns allen gut.

Die Technik schreitet voran und öffnet dem Fahrrad immer mehr Bereiche des Lebens, z.B. die Elektromobilität. Während es nur ein paar tausend Elektroautos gibt und der Durchbruch noch auf sich warten lässt, steuern wir bei elektrisch unterstützten Fahrrädern bereits auf die zweite Million zu – eine echte Erfolgsgeschichte.

Gerade bei den Elektrofahrräder gibt es eine interessante Trendwende. Lag der Kundenkreis anfangs hauptsächlich bei den Senioren, so sind es inzwischen die jungen Leute und Pendlerinnen und Pendler, die den Boom der Pedelecs vorantreiben.

Ein Fahrrad hat längst nicht mehr nur zwei Räder und ist keineswegs nur auf eine Person beschränkt. Tandems, Pedelecs, Lastenräder, Familienräder, Falträder erweitern den Fuhrpark – in Großstädten ist das Fahrrad auch die intelligentere Form der Fortbewegung. Man kommt schneller ans Ziel. Erfolge sind auch gerade im Mittelstand zu verzeichnen, so manche Pizza wird inzwischen nicht mehr mit dem Auto nach Hause geliefert, sondern mit dem Fahrrad.

Das Fahrrad ist mittlerweile zu einem Wirtschaftsfaktor geworden und fester Bestandteil eines Grünen Wachstums – schlagen Sie mal das Branchenverzeichnis in Bremen oder Berlin auf, zahlreiche Dienstleitungsunternehmen rund ums Fahrrad sind dort verzeichnet.

Zu einem Gewinnfaktor wird das Fahrrad auch für Zug und Bus auf dem Land. Unsere heutigen Linien, die nur ein paar Mal am Tag über die Dörfer „hockeln“, haben keine Zukunft. Nur starke Linien im Takt werden auf Dauer überleben.

Doch dazu müssen sie auch genutzt werden. Ein wichtiges Zukunftskonzept ist für meine Fraktion Bike & Ride, also die Vernetzung von Rad und ÖPNV. Diese Vernetzung ist der Schlüssel zum Erfolg. Hier werden Verkehrs- und Energiewende zusammen gedacht.

Wir müssen die Wege freimachen, damit die Menschen die Haltestellen auch erreichen können, denn oft ist der Weg zum Bahnhof und von dort zum Ziel das Problem.

Diesen Trends, hin zum Umsteigen, hin zu vernetzten Mobilitätsketten, hin zu neuen Rädern und hin zum Nutzen statt Besitzen, muss der Verkehr der Zukunft gewachsen sein.

Wir wollen hier strategisch, politisch wirken. Fahrräder gehören als fließender Verkehr grundsätzlich auf die Straßen und nicht auf die Gehwege. Das bietet auch Chancen: Wie viele der maroden Radwege sind denn überhaupt noch sanierungswürdig und sollten nicht lieber durch Schutzstreifen oder gleich durch Radschnellwege ersetzt werden?

Dieses ist auch vor dem Hintergrund der Verkehrssicherheit zu sehen. Sicherheit durch Sichtbarkeit!

Vision Zero – Das Ziel „Null Verkehrstote“ ist das Gebot der Stunde. Denn nur wenn sich die Menschen auf dem Rad sicher fühlen, nutzen Sie es auch.

Das gestrige Urteil des BGH zur Helmpflicht sehen wir mit Sorge. Es wäre das völlig falsche Signal, wenn es bei den Leuten zu Missverständnissen führt und jetzt alle ohne Helm fahrradfahren. Gerade Kinder und ältere Menschen sind hier bei Stürzen besonders gefährdet und schlimme Kopfverletzungen können durch das Helmetragen verhindert werden.

Die Landesregierung hat hier einen Bericht vorgelegt, der viele interessante Aspekte sowie eine Basis für die dringend benötigten Impulse für einen attraktiven Radverkehr enthält.

Diese Basis gilt es, weiter zu entwickeln.

Wir Grüne wollen, dass der Straßenverkehr sich den Menschen anpasst und nicht umgekehrt. Wir werden diesen Bericht gründlich auswerten, Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit. Deshalb haben wir, anders als die Piraten, auch noch keinen Antrag formuliert, obwohl ihr Antrag Punkte enthält, die wir ausdrücklich begrüßen.

Wir möchten das Thema gerne mit Ihnen im Ausschuss diskutieren.

Thema: 

AbgeordneteR: 

Grüne Partei SH
Anträge in Leichter Sprache
Parteiratsbericht der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen
FördeWind 2022/1 -> Hier klicken