Digitales Lernen: Entwicklung nicht verschlafen!

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 16 – „Digitales Lernen: Offene Infrastruktur gehört auf die Agenda“

Dazu sagt die schulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Anke Erdmann:

Die Piraten schlagen eine Bundesratsinitiative zum digitalen Lernen vor. Das ist die richtige Richtung, der Forderungskatalog ist aber zu umfassend. Deshalb möchte ich darauf näher eingehen:

Vor zwei Wochen hat der Bildungsausschuss zu einer Veranstaltung zum digitalen Lernen eingeladen. Bei der Veranstaltung wurde deutlich: An verschiedenen Schulen haben sich bereits Lehrkräfte auf den Weg gemacht und setzen Tablets innovativ im Unterricht ein. Diese „Vorreiter-Schulen“ fühlen sich aber als Einzelkämpfer, ihnen fehlt die nötige Unterstützung.

Zum einen wurde die mangelnde Vernetzung und fehlende Fortbildungsmöglichkeiten für die Lehrkräfte bemängelt, zum anderen wurde aber auch besonders auf die fehlende Ausstattung hingewiesen: Es fehlt an mobilen Endgeräten, an Netzzugängen und dem Zugang zu digitalen Lehrmedien. Zu oft sind Lehrerkräfte zusätzlich auch die Netzwerkadministratoren. Die Lehrerstunden sind ohnehin nicht auskömmlich, die Lehrkräfte dann noch als Netzwerkadministratoren einzusetzen ist falsch. Da sehe ich die Kommunen in der Pflicht! Einige haben hier einen echten Nachholbedarf!

Der Antrag der Piraten setzt einen Impuls, hier endlich voran zu kommen und den Bund ins Boot zu nehmen. Die Piraten fordern die Bereitstellung digitaler Endgeräte für alle SchülerInnen. Hierbei ist mir unklar, ob das so viel heißt wie „ein Tablet für jeden“ oder ob nur der Zugang grundsätzlich bestehen soll.

Ich sehe die Chancen des Einsatzes digitaler Medien. Ich sehe aber auch die Hindernisse und Risiken. Eine der größten Chancen liegt in den Potenzialen für einen binnendifferenzierten, flexiblen Unterricht. Eine weitere Chance ist der Zugang zu einer Vielzahl von Informationen: professionell und spannend aufbereitet, immer aktuell. Mit Sicherheiten kann für Lehrkräfte die Arbeit leichter werden, aber das ist eben kein Automatismus.

Mittelfristig kann der Einsatz digitaler Medien die Schwerpunkte im Unterricht verschieben – positiv zur individuelleren Begleitung von SchülerInnen. Ich habe einen Vormittag im Gymnasium Kronshagen in einer iPad-Klasse verbracht. Das war ein zielgerichteter und aktivierender Unterricht.

Insofern ist die Herausforderung an Lehrkräfte deutlich höher. Frontalunterricht im digitalen Klassenraum ist eben auch kein Schritt nach vorne! Zwischen aktivierendem Unterricht und Daddeln im Netz ist oft nur ein Klick. Der Einsatz digitaler Medien und der Einsatz von digitalen Lernmitteln, muss mit einer Unterrichtsentwicklung einhergehen. Flächendeckend ist das derzeit nicht realistisch.

15-Jährige  – also die Jungen und Mädchen, die im PISA-Fokus stehen – haben bereits im Jahr 2009, das war vor der Verbreitung von Smartphones in dieser Altersgruppe, täglich im Durchschnitt mehr als sieben Stunden mit digitalen Medien verbracht. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass in der Schule ein Gegenpol gesetzt werden kann. Darauf weist auch der Hirnforscher Spitzer hin.

Bringt der Einsatz digitaler Medien generell Fortschritte im Unterricht? Nicht automatisch. Der Bildungsforscher Ludger Wößmann hat dies – zugegeben schon vor einigen Jahren – anhand der PISA-Daten untersucht. Sein Fazit: „Schüler an Schulen mit Computermangel schneiden bei PISA im Durchschnitt genauso gut ab wie vergleichbare Schüler an Schulen ohne Computermangel. Eine mäßige Computer- und Internetnutzung geht mit den besten Ergebnissen einher, eine allzu intensive Nutzung mehrmals pro Woche mit schlechteren.“ Wößmann rät: „Bevor man immer mehr Schulen mit immer mehr Computern ausstattest, sollte man erst einmal herausfinden, wie diese überhaupt effektiv zum Einsatz gebracht werden können.“

Einer der wesentlichen Punkte dafür ist eine Lehrkraft, die eine – ich nenne das mal – digitale Affinität hat. Wir haben so viele Baustellen im Bildungsbereich, das ich bezweifle, dass eine Grundausstattung an allen Schulen und für alle SchülerInnen wirklich eine gute angelegte Großinvestition ist.

Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Schulen und Lehrkräfte, die losgelegt haben oder loslegen wollen, gezielte und gute Unterstützung bekommen könnten. Das wäre besser als die Förderung von allen Schulen nach dem Gießkannen-Prinzip. Dazu haben wir zu viele Baustellen im Bildungsbereich und zu wenig Geld.

Ich beantrage für meine Fraktion Ausschussberatung.

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AbgeordneteR: 

kein Egebniss

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