Entwicklungsbericht und Notenzeugnisse – Wahlfreiheit, nicht Kulturrevolution

Es gilt das gesprochene Wort!

 

TOP 33 – Landesweit einheitliche Standards für Entwicklungsberichte von Kompetenzen in Grundschulen

Dazu sagt die schulpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Anke Erdmann:

Am letzten Schultag vor den Sommerferien titelten die Kieler Nachrichten: „Das letzte Notenzeugnis.“ Darunter abgebildet: eine Drittklässlerin mit ihrem Ziffernzeugnis. Pointiert wird von der Abschaffung der Schulnoten gesprochen – aber so generell ist es falsch. Echten Neuigkeitswert hätte es, wenn die Kieler Nachrichten im Januar 2015 titeln würden: „Der erste Entwicklungsbericht in Klasse 4!“ – Das wird die wirkliche Neuerung sein.

Was ändert sich tatsächlich? Schulen können entscheiden, ob in der 4. Klasse Ziffernnoten oder sogenannte Kompetenzzeugnisse verteilt werden. In der 3. Klassen und in den Klassen 5 bis 7 mussten sich die Schulen bisher bewusst gegen Ziffernnoten entscheiden. Jetzt muss man sich bewusst für Ziffernnoten entscheiden. Ist das eine Kulturrevolution? – Wohl kaum! Der Verzicht auf Ziffernnoten bis Klasse 8 wurde von der ersten Regierung Carstensen eingeleitet und unter Minister Dr. Klug beibehalten.

Der Antrag der Piraten ist konstruktiv und wird in fünf von sechs Punkten von uns geteilt. Besonders wichtig sind einheitliche Standards – nicht nur für das Übergangszeugnis in der vierten Klasse. Ein Chaos, wie es bei der Selbstgestaltung von Zeugnissen in der Vergangenheit entstanden ist, muss vermieden werden. Darum braucht es sinnvolle und übertragbare Vorschläge für die gesamte Grundschulzeit. Nach zwei Jahren sollen die einheitlichen Standards evaluiert werden. Wir Grünen wünschen uns, dass die Schulen auf Wunsch bis dahin bei ihren, je eingeführten Systemen bleiben können.

Für viele Gemeinschaftsschulen von Klasse 1-10 war die einmalige Notengebung in der vierten Klasse ein Bruch in deren pädagogischen System. Im Bildungsdialog war hier eine Öffnung eingefordert worden. Wie bisher haben die Schulen die Wahl – und das ist auch gut so.

Die Befürworter von Noten versprechen sich Vergleichbarkeit, Motivation und Leistung. Von den Notenskeptikern wird angeführt, dass Noten nachweisbar nicht verlässlich sind, die Objektivität nur suggeriert wird und gerade Noten in der Grundschule durchaus demotivieren können und damit eher leistungsfeindlich seien. Auch wir Grünen sind eher skeptisch: Kinder wollen Noten? Kinder brauchen ein klares Feedback!

Ob ein Kind von einer Lehrkraft Lob oder eine Eins bekommt, das eine wird kaum weniger als das andere motivieren. Grundschulkinder, die sich in Mathe schwer tun, werden aber nicht dadurch besser, nur weil sie eine Vier oder Fünf bekommen. Ein klares, aber unterstützendes Feedback halte ich für wirksamer. Man bekommt schlechte Noten eben nicht nur deshalb, weil man sich „einfach nicht angestrengt hat“!

Oft sind es die Eltern, die Noten wollen – und eine schlechte Note in der Grundschule führt nur dann zu einer Verbesserung, wenn die Eltern sie als Signal verstehen und auch helfen können. Diese Signale kann man aber viel besser im direkten Gespräch mit konkreten Hinweisen setzen.

Wir wissen, dass diese Auffassung nicht von allen geteilt wird – darum gibt es die Wahlfreiheit.

Der Antrag von CDU und FDP hat etwas Licht und sehr viel Schatten: Offenbar haben auch Sie festgestellt, dass es eine Ziffernnote allein auch nicht bringt. Beide Fraktionen gehen mit ihrem Antrag hinter die Praxis beider Carstensen-Regierungen zurück, wenn sie Ziffernzeugnisse ab der 3. Klasse vorschreiben wollen. Sonntags von Schulautonomie schwadronieren, aber hier ein Wahlrecht einschränken. Ob die Anträge von CDU und FDP besser würden, wenn es Ziffernnoten im Landtag gäbe? – Ich bezweifle es.

Zu jeder Zeugnisvergabe schaltet der Kinderschutzbund ein Sorgentelefon, um den Kindern ein offenes Ohr zu bieten. So froh ich bin, dass der Kinderschutzbund diese Aufgabe wahrnimmt, so sehr wünsche ich mir doch, dass wir Schulen haben, die ein Leistungsfeedback – auch bei schwachem Ergebnis geben –, das Kinder nicht in die Verzweiflung und Not treibt. Ich wünsche mir ein Leistungsfeedback, das Familien zur Unterstützung ermuntert und befähigt, statt den Konflikt – gerade bei den kleineren Jungen und Mädchen – zur Zerreißprobe zu machen.

 

 

Thema: 

AbgeordneteR: 

kein Egebniss

Grüne Partei SH
Anträge in Leichter Sprache
Parteiratsbericht der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen
FördeWind 2022/1 -> Hier klicken