Es braucht ein ganzes Dorf…

Es gilt das gesprochene Wort.

TOP 49 – Konzept für Familienzentren

Dazu sagt die kitapolitische Sprecherin

der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen,

Anke Erdmann:

Es braucht ein ganzes Dorf…

Das Land steigt ein in die Förderung von Familienzentren. Was ist darunter zu verstehen und warum brauchen wir „Familienzentren“?

Familienzentren sind so etwas wie die Kita 2.0. Meist sind es Kitas, die auch für die Eltern besondere Angebote machen – ob Erziehungsberatung oder darüber hinaus. Der Grundgedanke ist: Eltern soll es in der aufreibenden Phase der Familiengründung einfacher gemacht werden, Ihnen soll der Weg zu Hilfsangeboten, zu spezieller Beratung geebnet werden. Dabei kann das Angebot vielfältig sein: Konkrete Elternabende zum Thema gesunde Ernährung und Erziehungsfragen, aber auch Elternsprachkurse, Schuldenberatung, individuelle Beratung oder einfach nur Raum für den gemeinsamen Austausch mit anderen Eltern zu bieten – das alles kann, nichts davon muss.

Familienzentren sind Knotenpunkte im Netz der Beratung und Unterstützung von Familien, damit kein Kind durch die Maschen fällt. Alle wissen: Ohne Eltern geht es nicht. Warum aber nun diese speziellen Angebote? Meines Erachtens hat das mit drei Entwicklungen zu tun:

Erstens galt lange die afrikanische Weisheit: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Heute aber stehen junge Familien oft ohne den täglichen und einfachen Kontakt zu Eltern, Onkeln und Tanten da. Auch Nachbarschaften sind oft weniger verbindlich geworden. Das ganz normale Gespräch, der Austausch von Alltags- und Erziehungswissen geschieht heute in diversen Chatforen, aber eben nicht mehr an der Wäscheleine oder am Tisch einer Großfamilie. Netzwerke, die früher selbstverständlich existierten, müssen in einer Zeit der atomisierten Familien mühsam organisiert werden. Das gilt besonders, wenn die Familien besonders klein sind – also Alleinerziehende, die auf sich gestellt sind – oder Menschen mit Migrationshintergrund, die in den Kitas oft eine Brücke zur Integration bekommen – über die sie mit ihren Kindern gemeinsam gehen. Hier die Netzwerke aufzubauen, den Kitas mehr Zeit für diese Arbeit zu geben, darum geht es.

Zweitens ist heute sicher auch die Diagnostik und der Blick auf die Individualität der Kinder ein anderer. Der geschulte Blick der PädagogInnen kann Kindern heute frühzeitig neue Türen öffnen.

Drittens ist aber auch eine große Verunsicherung  bei vielen Eltern spürbar: Der Anspruch, dem eigenen Kind gerecht zu werden, und das Wissen um die Bedeutung guter Startbedingungen ist zum einen gut für die Kinder, führt zum anderen aber auch zu Stress und nicht selten zu einem Überforderungsgefühl bei Eltern.

Es geht darum, Eltern und Familien Rückhalt und Stabilität zu geben, Kindern Rückenwind zu geben. Gerade Erzieherinnen und Erzieher genießen großes Vertrauen und spielen bei den Alltagssorgen der Eltern eine wichtige Rolle. Lübeck ist bis jetzt Vorreiter. Dort hat eine systematische Entwicklung von Kitas zu Familienzentren stattgefunden. Dass dies nun landesweit geschehen soll, ist wichtig.

Erstmals fließen ab August Mittel aus dem 80 Mio. Euro Krippenpaket zwischen Land und Kommunen in die Qualität. Hundert Familienzentren mit einer Fördersumme von rund 25.000 Euro pro Jahr, das ist mal wirklich sichtbar. Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen – Familienzentren sind die zeitgemäße Antwort.

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