FDP – Dinosaurier der Bildungspolitik

Es gilt das gesprochene Wort!

Landtagsrede zum TOP 10 – Entwurf eines Gesetzes zur Wiedereinführung der Schulübergangsempfehlung und zur Stärkung der Durchlässigkeit zwischen den Schularten

 

Dazu sagt die schulpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Anke Erdmann:

Herr Präsident, meine Damen und Herren,

wer das Ohr an den Grundschulen hat, der weiß:

Stress ist ein großes Thema bei den Jungen und Mädchen an den Grundschulen. „Stress“, so heißt auch eine Studie von  Prof. Reinders aus Würzburg.  Er hat die Stressfaktoren bei Eltern und Kindern vor dem Übergang in die Sekundarstufe untersucht. Die Befunde machen klar: Kinder und Familien stehen in den Klassen drei und vier oft unter erheblichem Druck.

In Bayern - mit seiner bindenden Schulartempfehlung - leidet die Hälfte der Kinder unter solchem Druck; in Hessen, wo Eltern mitreden dürfen, sind es deutlich weniger. Aber mit rund einem Viertel sind es immer noch zu viele.

Ich weiß, nach CDU und FDP kann es gar nicht früh genug beginnen, dass die Kinder „Leistungsdruck“ erleben.  Aber: Gutes Lernklima braucht Ansporn, nicht Angst. Wir wissen, dass Angst ein schlechter Lernbegleiter ist - zumal in der Grundschule! Wenn wir also den Druck aus den Grundschulen nehmen wollen, dann tun wir das, weil wir uns davon mehr Leistung versprechen.

Wer noch einen Grund braucht: Die Gabe von Psychopharmaka an Kinder und Jugendliche ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Es ist uns wichtig, den Druck von der Grundschule zu nehmen: Dieser Wunsch wurde auch im Bildungsdialog deutlich. Die FDP will die Schulartenempfehlung sogar im Gesetz verankern, wo dies bislang nicht zu finden war. Das ist die falsche Richtung.

Wir haben übrigens auch noch Schulartenempfehlungen, wenn auch mündliche.

In den Beratungsgesprächen der vierten Klasse, raten Klassenlehrerinnen und -lehrer sehr wohl, welche Schulart sie empfehlen. Schriftlich wird dies nicht mehr festgelegt, aus verschiedenen Gründen:

Erstens: Wir alle wissen, dass zu viele Schulartenempfehlungen falsch sind und das Selbstbild negativ mitprägen. Wir wissen, dass bei gleicher Leistungsfähigkeit von Kindern, eine gute Empfehlung noch immer deutlich häufiger zu bekommen ist, wenn die Eltern studiert haben. Das hat nichts mit Leistungsgerechtigkeit zu tun! Darum wollen wir den Rat der Lehrkräfte, die die Kinder vier Jahre begleitet haben, aber im Gespräch, differenziert und nicht schwarz auf weiß.

Zweitens: Welche Schulart soll denn angekreuzt werden, wenn es nur zwei gibt, beide zum Abitur führen und Sie das Elternwahlrecht nicht wie in Bayern abschaffen wollen?

Geht nicht – das ist der FPD auch aufgefallen. Darum will die FDP jetzt in Klasse vier den Kindern auf den Kopf zusagen, wer den ersten, den mittleren oder den höchsten Abschluss erlangen will. Sie  ignorieren, wie oft das schief geht, wie wenig valide die Empfehlungen sind.

Altes Denken: Haupt-Realschule und Gymnasien – das gehört offenbar in die DNA der FDP, den Saurier der Schulpolitik.

Und dann die olle Kamelle, wir hätten die Durchlässigkeit reduziert! Wenn Sie unter Durchlässigkeit verstehen, dass nach der 6. Klasse mal ordentlich „abgeschult“ werden soll, dann gute Nacht Marie! Das ist nicht unser Verständnis!

Wir wissen, dass sich viele Gymnasien um die Förderung derer kümmern, die nicht mitkommen.  Aber mitunter wurde auch in ganzer Klassenstärke von Gymnasium „abgeschult“ – schlecht für die Kinder, schlecht für die Familien, schlecht für die neu aufnehmenden Schulen. Darum haben wir die Passagen zur Querversetzung im Schulgesetz verändert. Natürlich können diese Kinder auch weiterhin auf Gemeinschaftsschulen wechseln, aber eben nicht einfach so. Im Gesetz verankert haben wir die gute Praxis.

Die mangelnde Durchlässigkeit wurde uns international übrigens genau bei dem System vorgehalten, dass Sie uns nun als Entwurf wieder vorlegen! Die ganzen Reformen haben in den letzten Jahren die Durchlässigkeit erhöht, dass ist es doch, was Sie uns auch an anderer Stelle immer wieder vorwerfen.

Und was  haben Sie letztes Jahr den Teufel an die Wand gemalt! Mit der Schulgesetzänderung würden die Gymnasien überrannt. Tatsächlich hat es landesweit eine leichte Zunahme gegeben, im Trend der letzten Jahre. In Kiel z.B. ist das Verhältnis aber konstant geblieben. Also Ihre Aufregung vom letzten Jahr, völlig unbegründet.

Worauf müssen wir allerdings achten:

a)    Auf gutes und leistungsfreundliches Lernklima in den Grundschulen

b)    Darauf, wie Eltern beraten werden, die ihre Kinder mit überzogenen Erwartungen überfordern.

c)    Darauf, wie wir Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufen stabilisieren.

Die FDP Vorschläge helfen keinem weiter – im Gegenteil, sie würden schaden!

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AbgeordneteR: 

kein Egebniss

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