Verzicht auf Pflicht

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 25 – Pflichtfach Informatik

Dazu sagt die schulpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Anke Erdmann:

 

Die Piraten wollen, dass Informatik zum Pflichtfach an den Schulen wird. Wie das genau aussehen soll, sagen sie nicht. Das soll doch bitte die Landesregierung für sie erledigen. Kein Wunder – die Umsetzung wäre alles andere als einfach.

Es ist stimmt, dass zu einer digitalen Strategie an Schulen mehr gehört, als Medienkompetenz zu erwerben oder den Unterricht durch digitale Medien anders zu gestalten: Informatik muss an Schulen mehr Gewicht bekommen. Nur so verstehen die SchülerInnen das „Getriebe“ der Informationstechnologie, die uns umgibt. Dass Algorithmen so etwas wie eine neue Weltsprache sind, ist klar. Und Weltsprachen sollte man in der Schule lernen können.

Ich verstehe, dass die Piraten mit Blick auf z.B. Estland finden, dass die Potenziale an Schulen noch nicht ausgeschöpft sind. Diese Einschätzung teilen wir Grünen. Aber zwischen Status quo und Pflichtfach ist einfach eine große Spanne.

Die Piraten fordern ein Konzept von der Landesregierung. Diese Forderung ist an folgenden Punkten richtig schwierig: Wollen die Piraten, dass das Pflichtfach Informatik zusätzlich angeboten wird oder sollen andere Lerninhalte entfallen? Wie soll die Frage der Schulausstattung geregelt werden, für die eigentlich die Schulträger – und damit nicht das Land – zuständig ist?

Mit der Einführung des Pflichtfaches wäre das Land mit einem Schlag für die digitale Ausstattung aller Sekundarschulen I zuständig. Das kann man gut finden, aber woher die Finanzierung kommen soll, muss man dann zumindest andeuten.

Größtes Fragezeichen: Wie sollen die Fachlehrkräfte gefunden werden, wenn der Markt gerade so einen großen Fachkräftebedarf in diesem Bereich hat? Wer Informatik studiert, sieht seine berufliche Zukunft meist beim Programmieren und nicht im Klassenzimmer.

Ein Beispiel: Im Schuljahr 2013/14 kamen auf die 100 Gymnasien 211 Lehrkräfte mit Lehrbefähigung, auf die rund 180 Gemeinschaftsschulen kamen nur 43 entsprechende Lehrkräfte. Fakultas für das Fach Informatik aber hatten nur 28 Lehrkräfte. Es ist unbestritten, dass das nicht zukunftsweisend ist. Aber der Weg zu einem PFLICHTFACH ist sichtbar sehr weit.

Der Vorschlag ist plakativ, aber auf Sicht nicht umsetzbar. Dennoch müssen wir die Angebote für den Bereich Informatik ausdehnen. Wie kann das gehen?

Eine gute Grundlage ist eine Ministerin, die – wie Britta Ernst – mit Herzblut an dem Thema digitales Lernen arbeitet und in weniger als zwei Jahren mehr Schwung entfaltet hat, als man erhoffen konnte.

Ein Weg kann es sein, die Fächer Technik und Informatik zu verschränken. Das wird vor allem ein Weg an den Gemeinschaftsschulen sein. Hier kommen aus der Uni Flensburg interessante Vorschläge. Technik wird an vielen Schulen als Wahlpflichtunterricht angeboten. Das heißt aber auch, dass wir werben müssen, dass in diesem Bereich mehr Lehrbefähigungen auf dem Wege der Weiterbildung erworben werden.

Fachkräfte mit Fakultas werden wir jedenfalls nicht so schnell bekommen, dies zeigen auch die übersichtlichen Zahlen bei den Abschlusszahlen zum 2. Staatsexamen. Und die Konkurrenz des „echten Marktes“ ist so hoch, dass viele Menschen mit informatischer Hochschulausbildung andere attraktive Beschäftigungen erhalten.

Wenn es uns gelingt, dass an allen Schulen Informatikangebote wählbar sind, dann ist schon ein großer Schritt getan. Das sollte auch mittelfristig das Ziel sein.

Gymnasien, die ausreichend Lehrkräfte mit Fakultas haben und ein Informatikprofil etablieren wollen, wie z.B. das Helene-Lange-Gymnasium in Rendsburg, sollten Rückenwind bekommen.

Es stellt sich zum einen die Frage, wie man die Inhalte in den Fachkanon integrieren kann. Und zum anderen, wie viel man auch über Projekte - wie z.B. „Roberta“ - bewegen kann, die an vielen Schulen die Neugier wecken, das Verständnis und das Können der Kinder und Jugendlichen stärken. Aktuell ist die Zahl nicht, aber ich weiß, dass vor einigen Jahren rund 75 Schulen Wahlpflichtunterricht in diesem Bereich angeboten haben.

Wir müssen auch darüber nachdenken, wie Projekte wie z.B. die „Software Challenge“ oder Angebote wie die „Hour of code“ Breitenwirkung und Aufmerksamkeit erzeugen können.

Also eher eine Informatik-Schicht einführen, keine Informatik-Pflicht.

Im Übrigen gibt es auch für andere wichtige Themen die Forderung nach einem Pflichtfach. Hier die Vorschläge, die mich in den letzten Jahren erreicht haben: Verbraucherbildung und gesunde Ernährung, eine Stunde Sport pro Tag extra, Bildung für Nachhaltige Entwicklung, Rechtkunde und Haushaltsführung… gewundert habe ich mich damals nur über die Forderung Astronomie verpflichtend anzubieten.

Ich kann die meisten der Wünsche verstehen. Aber niemand konnte sagen, welches Fach gestrichen werden sollte – und auch nicht, ob das Fach einfach dazu kommen soll.

Informatik an den Schulen muss auf breitere Füße gestellt werden, die Piraten spielen den Ball ins Feld, sind aber zu bequem, um sich selber die Mühe zu machen, eine Linie zu formulieren. Wir befürworten mehr Informatik in den Schulen, wir brauchen eine Grundversorgung an allen Sek. I Schulen, die Forderung nach einem Pflichtfach lehnen wir aber ab.

 

Thema: 

AbgeordneteR: 

kein Egebniss

Grüne Partei SH
Anträge in Leichter Sprache
Parteiratsbericht der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen
FördeWind 2022/1 -> Hier klicken