Energiewende ist mehr als Stromerzeugung

Es gilt das gesprochene Wort!

TOP 2 – Energiewende- und Klimaschutzgesetz Schleswig-Holstein – Eckpunkte und Zeitplanung

Dazu sagt die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag,

Eka von Kalben:

Energiewende ist mehr als Stromerzeugung

Energiewende ist mehr, meine Herren und Damen, Herr Präsident. Energiewende ist mehr als Stromerzeugung aus Erneuerbaren.

Strom aus Wind, Strom aus Sonne, Strom aus Biomasse: Natürlich sind Erneuerbare das Topthema in Schleswig-Holstein, allen voran die Windenergie.

Heute drehen sich 2510 Windenergieanlagen in Schleswig-Holstein mit einer Leistung von 4,4 Gigawatt. Zum Vergleich: Das letzte aktive Atomkraftwerk in Brokdorf hat ca. 1,4 Gigawatt Leistung, während Krümmel mit 1,4 und Brunsbüttel mit 0,8 Gigawatt den Leistungsbetrieb eingestellt haben.

Wirtschaftlich bedeutet Windenergie ein jährliches Investitionsvolumen von weit über einer Milliarde Euro. Damit liegt die Windenergie weit vor anderen Sektoren unserer Wirtschaft. Der Wert der Stromerzeugung aus Wind beläuft sich kumuliert auf jährlich knapp eine Milliarde Euro und bei weiterem Ausbau zur Mitte der kommenden Legislaturperiode zwei Milliarden.

Das vergangene Jahr war auch in anderer Hinsicht ein Rekordjahr. Erstmals wurde die beeindruckende 100-Prozent-Hürde übersprungen. Wir erzeugen mehr Strom aus Erneuerbaren als wir in Schleswig-Holstein Strom insgesamt verbrauchen. Wenn ich es mal etwas salopp formulieren darf: Dadurch wird jeder Schleswig-Holsteiner Grünstromer, jede Schleswig-Holsteinerin Grünstromerin.

Die Energiewende in Schleswig-Holstein schreitet also voran.  Mister Hundert Prozent: Das ist Minister Robert Habeck.

Aber die Energiewende ist mehr als Strom. Wir müssen uns genauso anstrengen bei Wärme und Verkehr. Wir brauchen auch einen engagierten Naturschutz und eine gute Waldpolitik.

Der Wald in SH bindet 20 Millionen Tonnen Kohlenstoff. Eine Erhöhung des Waldanteils, eine Steigerung der Holzvorräte ist direkter Klimaschutz. Trockengelegte Moore führen genauso zu massiven Treibhausgasemissionen wie umgebrochenes Weideland.

Wir brauchen eine gute Waldpolitik, Moorschutzprogramme und Dauergrünlanderhaltungsgesetz, Knickerlass, Maßnahmen zur Reduzierung des Flächenverbrauchs, Düngeverordnung etc: Das alles dient dem Klimaschutz. Wald, Moor, Grünland, Knicks, das sind CO2-Senken und müssen als solche erhalten bleiben.

Liebe Kollegen und Kolleginnen, insbesondere die CDU-Herren hören mal gut zu:

Naturschutz ist Klimaschutz, Naturschutz bewahrt unsere Zukunft. Naturschutz ist kein Thema, das man lächerlich macht, Herr Kubicki, auf dem man politisch rumtrampelt, meine Herren von der CDU. Naturschutz, die Bewahrung der Schönheit und Vielfalt unseres Landes schafft Werte und schützt das Klima. Wann werden Sie das endlich begreifen?

Energiewende ist mehr als Strom.  Am Primärenergieverbrauch beansprucht der Strom ca. ein Drittel bzw. 34 Prozent. Wärme, Raumheizung ebenfalls grob ein Viertel bzw. 27 Prozent. Der Verkehrssektor verbraucht ein Fünftel, also 20 Prozent.

Energieverbrauch kann man ganz wörtlich nehmen. Bei den harten Energieträgern Kohle, Öl, Gas und auch für Uran gilt: Wir wandeln Stoffe, Materie durch Verbrennung unwiederbringlich in Abfall um. Danach sind sie verbraucht. Stattdessen belasten uns Treibhausgase und Asche sowie radioaktive Abfälle mit Ewigkeitskosten.

Nachhaltige Erneuerbare Energie ist die physikalische Erschließung der Sonnenkraft und dafür gilt: Für Wind und Sonne schickt der liebe Gott uns keine Rechnung. Deshalb brauchen wir Klimaschutz und Energiewende.

Noch hängt Deutschland am Tropf. Braunkohle ist zwar heimisch - aber dreckig. Wir importieren jedoch drei Viertel – 73 Prozent – unserer Energierohstoffe. Das ist mit weitem Abstand Öl, dazu kommen Steinkohle, Gas und Uran.

Die Ukrainekrise, der Nahe Osten und viele andere Konflikte machen deutlich, dass Energiepolitik immer auch eine außenpolitische Dimension zeigt. Der Import von Energierohstoffen, der hohe Verbrauch bei uns trägt zu den Konflikten in unserer einen Welt bei.

Armut und Reichtum auf der Welt lässt sich auch im Spiegel der Energieverfügbarkeit lesen: Der durchschnittliche Mitteleuropäer verbraucht sieben Tonnen Gesamtenergie im Jahr, ein Nordamerikaner elf Tonnen, der durchschnittliche Einwohner im Tschad gerade mal 7 Kilogramm.

Die Bundeskanzlerin hat auf dem G8-Treffen in Heiligendamm einen neuen Maßstab gefordert, nämlich dass der Energieverbrauch bzw. der Ausstoß an Klimagasen pro Kopf Weltbürger zu lesen sei. Das ist der Kant’sche Imperativ übertragen auf den Klimaschutz. Nur das kann gerecht sein, was für jeden gleich gilt, ob in Deutschland, Argentinien, Elfenbeinküste oder China. Von dieser Gerechtigkeit sind wir noch weit entfernt. Sie zu erreichen, lässt sich nur in Erneuerbaren Energien denken. Klimaschutz und Energiewende ist auch Friedenspolitik.                 

Vielen Dank

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Grüne Partei SH
Anträge in Leichter Sprache
Parteiratsbericht der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen
Link zum FördeWind - Das Magazin der Grünen Landtagsfraktion Schleswig-Holstein