Zu den Unregelmäßigkeiten am Dach des Atomkraftwerkes Krümmel sagt der energiepolitische Sprecher der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Detlef Matthiessen:
Die Baufehler im Atomkraftwerk Krümmel schreien zum Himmel:
Unglaublicher Pfusch, wo eigentlich besondere Sorgfalt geboten ist. Durch das Ende des Leistungsbetriebes sinkt die Menge der strahlenden Massen kein Stück, bevor sie nicht in die Endlager abtransportiert sind. Das dauert jedoch noch Jahrzehnte. Die bauliche Eignung ist für diesen Zeitraum vom Betreiber sicherzustellen.
Trotz der Gefahren, die mit dem riesigen radioaktiven Inventar des größten Siedewasserreaktors verbunden sind, sind bauliche Mängel und Leichtfertigkeit in den Abläufen und im Management bei Vattenfall keineswegs selten:
Die mangelhafte Statik reiht sich ein in eine Kette schwerster Bau- und Betriebsfehler.
- Die Ringe des Reaktordruckbehälters [RDB] verbogen sich beim Transport durch ihr hohes Eigengewicht. Sie mussten mit Hydraulikstempeln während des Schweißens gerichtet werden. Anschließend sollten die Verspannungen im RDB durch Erhitzung abgebaut werden. Ob das wirklich gelungen ist, weiß niemand. Die auf Atomkraft versessene damalige Landesregierung erteilte trotzdem die Bau- und Betriebserlaubnis. Haarrisse im RDB-Stahl, auch im Bereich der Kalotten, wo Rohre ein- und ausgeführt sind, wurden festgestellt.
- Tausende große so genannte Hinterschnitt-Dübel, an denen das Innere des Reaktors aufgehängt wurde, mussten ausgewechselt werden.
- Bei einem Brand eines Maschinentransformators auf dem Gelände außerhalb des Reaktors drangen Rauchgase in die Leitwarte ein. Es mussten Gasmasken angelegt werden. Die erforderliche Abschaltung ging mit schweren Fehlern einher. Der Kühlwasserstand sank unter Minimum.
- Das Management wurde wegen dieser Fehler und falscher Unterrichtung der Öffentlichkeit mehrfach ausgewechselt. Nach Rücktritt des verantwortlichen Betriebsleiters wurde eine neue Leiterin eingestellt, die aber noch ihre atomrechtliche Zulassung erlangen musste. Sie fiel schließlich durch die Prüfung.
- Mehrere Ventile von entscheidender Funktion haben Risse aufgewiesen.
Während die Fernsehsendung Pleiten, Pech und Pannen noch lustig ist, vergeht einem beim Atomkraftwerk der Humor.
Wir müssen froh sein, dass das Atomprogramm in Deutschland beendet wird. Die Ewigkeitskosten werden uns aber noch ewig begleiten. Glücklicherweise wird nun konstruktiv der Rückbau des Atomkraftwerks vorangetrieben.
Vattenfall klagt und legt Beschwerde bei der internationalen Investitionskammer in Washington ein. Damit macht sich der Konzern lächerlich, weil sowohl Krümmel als auch Brunsbüttel schon vor dem Ausstieg über Jahre stillstanden. Mit den neuen Erkenntnissen über statische Mängel werden die Verfahren für Vattenfall immer aussichtsloser, weil sich ein rentierlicher Betrieb der Anlagen nicht nachweisen lässt.
Ich erwarte vom Betreiber Vattenfall mehr Transparenz. Ein Verschweigen oder Falschdarstellung, wie wir es aus der Vergangenheit kennen, brauchen wir nicht mehr.
Fraktion SH


