„Wald ist mehr als die Summe seiner Bäume“

 

Dazu sagt die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen,

Marlies Fritzen:

… mit diesem Satz beginnt Horst Stern 1979 sein legendäres Buch „Rettet den Wald“.

 Wald – so sagt es das Bundeswaldgesetz - muss neben dem wirtschaftlichen Nutzen auch „wegen seiner Bedeutung für die Umwelt, insbesondere für die dauernde Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, das Klima, den Wasserhaushalt, die Reinhaltung der Luft, die Bodenfruchtbarkeit, das Landschaftsbild, die Agrar- und Infrastruktur und die Erholung der Bevölkerung“ erhalten werden.

 Wald ist für viele Menschen ein ganz besonderer, romantisch aufgeladener Sehnsuchtsort der Entspannung und Naturnähe.

 Unsere heutigen Wälder sind Wirtschaftswälder, die den wertvollen Rohstoff Holz liefern. Die Ökonomisierung der Wälder hat in den letzten Jahren, auch bei uns in Schleswig-Holstein stark zugenommen. In den Bilanzen der Forstbetriebe spielen die Schutzfunktionen des Waldes häufig keine oder eine untergeordnete Rolle.

 Wenn Wald also mehr ist als die Summe seiner Bäume, dann dürfen wir ihn nicht eindimensional ökonomisch bilanzieren.

 Genauso wenig wie unser Wald eine Holzplantage sein darf, ist er aber auch unberührte Natur, die sich selbst im Lot hält.

 Das Bundeswaldgesetz fordert deshalb, einen „Ausgleich zwischen den Interessen der Allgemeinheit und den Belangen der Waldbesitzer“ herbei zu führen. Gerade dieser Ausgleich gelingt zunehmend nicht mehr. Das spüren die BürgerInnen, die sich gegen aus ihrer Sicht zu hohe Einschläge in „ihrem“ Wald empören. BürgerInnen, die sich 2006 erfolgreich gegen die Privatisierung des Landeswaldes gewehrt haben.

 Wo, wenn nicht im öffentlichen Wald, dem „Bürgerwald“ also, muss dieses Gleichgewicht zwischen Nutz und Schutz in ganz besonderem Maße beachtet und wieder hergestellt werden?

 Neben der schonenden und nachhaltigen Nutzung – und daran wird 2013, also 300 Jahre nach der „Entdeckung der Nachhaltigkeit“ durch Hans Carl von Carlowitz gerne erinnert - brauchen wir zur Erhaltung der biologischen Vielfalt Wälder, die nicht genutzt und somit der natürlichen Entwicklung überlassen werden.

 Die „Strategie der biologischen Vielfalt“ der Bundesregierung verlangt, fünf Prozent aller Waldflächen in Deutschland zu Naturwäldern zu entwickeln. Um dieses Ziel zu erreichen, ist vor allem die öffentliche Forst aufgrund ihrer besonderen Verpflichtungen für das Gemeinwohl gefordert, den größten Anteil zu übernehmen. Als allgemein anerkannte Richtschnur gilt, dass hier etwa 10 Prozent Naturwälder ausgewiesen werden müssen.

 Die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten haben bereits einen ersten Entwurf vorgelegt, der eine gute Grundlage für die Diskussion ist. Weitere Vorstellungen insbesondere von Naturschützern sollen in ein landesweites Naturwaldflächenkonzept einfließen.

 Für eine ungestörte Entwicklung zu einem dynamischen, sich selbst regulierenden Ökosystem müssen diese Flächen dauerhaft aus der Nutzung genommen und vor allem muss dies rechtlich auch abgesichert werden.

 Ohne menschlichen Einfluss durch Siedlungs- und Straßenbau sowie durch landwirtschaftliche Nutzung ist Wald das natürlicherweise am häufigsten in Schleswig-Holstein vorkommende Ökosystem. Deshalb bleibt es richtig, den Waldanteil an der Landesfläche von aktuell etwa zehn um zwei Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig ist aber auch klar, dass dies angesichts der Flächenkonkurrenz insbesondere mit landwirtschaftlichen Nutzungen nur schwer zu erreichen ist.

 Ich bin froh, dass wir uns in dem Ziel politisch einig sind und würde mich freuen, wenn wir es auch im Hinblick auf das Zulassen von natürlicher Entwicklungsdynamik im Wald werden.

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