Bäuerliche Milchbetriebe sind wichtiger als Exportgewinne

Zur heutigen Demonstration der MilchbäuerInnen gegen den Verfall der Milchpreise sagt der agrarpolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Bernd Voß:

Die immer wiederkehrenden Krisen auf dem Milchmarkt haben innerhalb der letzten zehn Jahre dazu geführt, dass jeder dritte Milchviehbetrieb in der EU vom Markt verschwunden ist. Das Ende der Milchquotenregelung ab April nächsten Jahres wird allen Prognosen zufolge zu einer weiteren Überproduktion führen und so den Preisdruck auf die Milchviehbetriebe noch verschärfen. 

Wir brauchen deshalb dringend eine Ausrichtung der Produktion an der Nachfrage, um nicht wieder Milchseen und Butterberge zu erzeugen. 

Die agrarpolitischen Instrumente der siebziger und achtziger Jahre des letzten Jahrtausends, Exportsubventionen und höhere Interventionspreise sind keine Lösung, sondern führen dazu, dass bei uns die Milchviehwirtschaft aus einigen Grünlandregionen ganz verschwinden wird und dass unsere Überproduktion die lokalen Milchmärkte in Entwicklungsländern zerstören wird.

Sowohl die MilchbäuerInnen-Verbände wie auch das EU-Parlament haben praxistaugliche und besonders auch kostenneutrale Vorschläge zu einer verantwortlichen Regulierung des Milchsektors gemacht. Die Vorschläge: eine Senkung der Milchanlieferung bei Einsetzen starker Marktungleichgewichte, eine Abgabe auf Mehrlieferungen, Anreize zur befristeten Verringerung der Milchablieferung.

Diese Vorschläge kommen auch ohne die jetzige Quote aus, die im März 2015 ausläuft. Sie können aber ein wirksames Mittel sein, um Angebot und Nachfrage soweit in ein Gleichgewicht zu bringen, dass ein Verfall der Milchpreise verhindert wird. Diese Vorschläge gilt es jetzt umzusetzen.

Der aktuelle Preisverfall für Milch liegt besonders im Interesse der exportorientierten Molkereien, gerade auch der deutschen Milchindustrie. Wenn sie bei stark gefallenen internationalen Notierungen weiter exportieren wollen, müssen sie alles versuchen, um den Erzeugerpreis für die Milch nach unten zu drücken. Es ist daher kein Zufall, dass sie den Discountern und Handelsketten Trinkmilch und Milchprodukte immer billiger anbieten. Dieser Preisdruck durch die Milchindustrie wird so lange anhalten, so lange mehr Milch erzeugt und bei den Molkereien angeliefert wird, als am Markt zu kostendeckenden Preisen nachgefragt wird. 

Der Deutsche Bauernverband steht leider voll und ganz an der Seite der Milchindustrie: für die Exportinteressen der Industrie werden steigende Verlust auf Seiten der MilchbäuerInnen billigend in Kauf genommen.

Ich bin mir sicher, dass die Mehrheit der VerbraucherInnen gerne bereit ist, faire Preise für die Milch zu zahlen, wenn sie wissen, dass so ein lebendiger ländlicher Raum erhalten bleiben kann.

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