Der Mensch ist, was er isst

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren,

der Antrag der FDP ist ein Witz. Die FDP tut so, als gäbe es die Absicht der Landesregierung, Fleischverbote für Kantinen zu erlassen, um sich dann als Verteidiger der Freiheit aufzuspielen. Sie tut so, als müsse sie die Bürgerinnen und Bürger vor Bevormundung durch die rotgrünblaue Landesregierung schützen. Das ist absolut lächerlich!

Sehr geehrte Damen und Herren,
ganz und gar nicht lächerlich ist die Frage: Wie ernähren wir uns? Der Mensch ist, was er isst, lautet ein bekannter Ausspruch. Weil das so ist, ist es uns auch nicht egal, wie das Speiseangebot in öffentlichen Kantinen, und insbesondere in Schulen und Kitas, beschaffen ist. Wir setzen uns dafür ein, dass es dort ein gesundes, ausgewogenes Speiseangebot gibt.

Wir haben das auch in den Koalitionsverhandlungen berücksichtigt. Das Ergebnis finden Sie auch wieder in unserem Änderungsantrag.

Sehr geehrte Damen und Herren,
wenn die FDP den Koalitionsvertrag gelesen hätte, hätte sie sich ihren Antrag also sparen können. Dabei ist wohl allen hier klar, worauf der Antrag eigentlich abzielt, nämlich auf den Bundestagswahlkampf. Ich halte es für falsch, hier im Schleswig-Holsteinischen Landtag Wahlkampfreden zur Bundestagswahl zu halten.

Aber wenn es denn sein muss, will ich mich gerne auch auf das Grüne Programm zur Bundestagswahl beziehen. Dort heißt es, wir Grüne fordern, ich zitiere: „mehr Verbraucheraufklärung zu den gesundheitlichen, sozialen und ökologischen Folgen des Fleischkonsums. Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktionen übernehmen. Angebote von vegetarischen und veganen Gerichten und ein „Veggie Day“ sollen zum Standard werden. Wir wollen ein Label für vegetarische und vegane Produkte.“

Da kann ich nur sagen, ich stehe voll hinter diesen Forderungen. Von Bevormundung, von Verboten oder beschränkenden Vorgaben kann da keine Rede sein. Was wir wollen, was die Grünen im Bund und auch hier in Schleswig-Holstein wollen, ist die gesellschaftliche Debatte darüber, wie ernähren wir uns.

Wie und mit welchen Folgen, sozialen Folgen, Umweltfolgen, werden unsere Nahrungsmittel produziert? Was für ein Leben hatten die Tiere, von denen die Schnitzel, die Currywürste und die Hähnchenschenkel auf unseren Tellern stammen? Wo kommt unser Obst und Gemüse und unser Brot her? Welche Strukturen, in der Landwirtschaft, in der Ernährungsindustrie, im Handel, hängen jeweils damit zusammen?

Das zu fragen und zu diskutieren hat absolut nichts mit Bevormundung oder Beschränkung zu tun. Im Gegenteil, unser Ziel ist nicht Beschränkung sondern Erweiterung des Angebotes an öffentlichen Kantinen. Erweiterung um vielfältige Angebote vegetarischer und veganer Gerichte. Und auch die Erkenntnis, dass das Stück Fleisch auf dem Teller nicht der zentrale Bestandteil des Essens sein muss, ohne den nichts geht.

Viele Menschen wissen ja gar nicht, was uns an Vielfalt und leckerer Kost so alles eine gute und einfallsreiche Küche bereithält. Vegetarisch bedeutet nicht, Fleisch weglassen und dann nur fades gedünstetes Gemüse oder Sojabratlinge zu essen.

Ja es geht bei diesem Thema um gesunde Ernährung- Gesundheitskosten durch Fehlernährung von 70 Mrd. Euro jährlich allein in Deutschland-, Lebensmittelqualität. Es geht um zentrale kulturelle Werte: um nachhaltige Esskultur, Wiederentdecken der Koch-Kunst und Lust an Lebensmittelzubereitung, das besondere regionaler und saisonaler Lebensmittel, die Erzeugung der Lebensmittel. Kurz gesagt: There is no culture without agriculture.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich darüber, dass immer mehr junge Menschen ganz vorurteilsfrei und unideologisch an dieses Thema herangehen und einfach entdecken, dass es nicht um ein entweder oder geht, also strenger Vegetarier oder Kämpfer für das Recht, überall und jederzeit billiges Fleisch zur Verfügung zu haben, sondern dass es ganz viel dazwischen gibt.

Dieses Dazwischen, diesen Raum für freie Entscheidungen eines jeden Einzelnen, wollen wir erweitern. Dafür stehen wir Grüne, im Bund, in Europa und hier in Schleswig-Holstein.

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AbgeordneteR: 

kein Egebniss

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